Musik braucht keine Übersetzung

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Ein eindrückliches Programm boten der Pianist Marco Farolfi und die Sopranistin Maria Claudia Bergantin aus Faenza.

Gäste aus Antibes und Faenza bereichern nicht nur den Neujahrsempfang.

Schwäbisch Gmünd. Musik kennt keine Grenzen. Naheliegend also, dass Gmünd immer wieder den musikalischen Austausch mit den Partnerstädten sucht. Auslöser für das Städtepartnerschaftskonzert am Samstagabend war der Neujahrsempfang am folgenden Tag. Der stand heuer ganz im Zeichen Europas und des europäischen Gedankens. Zu Gast waren der Pianist Marco Farolfi und die Sopranistin Maria Claudia Bergantin aus Faenza sowie das Klavierduo Sandra Ramos-Lagarde und Delphine Bautz aus Antibes.

Da angesichts des mehr als abendfüllenden Programms beim Neujahrsempfang nur ein kleiner Auftritt möglich sein würde, hatten die Musikschule und der Verein Städtepartnerschaft zu einem gesonderten Konzert im Schwörhaus eingeladen, zu dem Oberbürgermeister Richard Arnold knapp hundert Zuhörer begrüßte. Wie sehr ihm Europa am Herzen liegt, stellte er einmal mehr unter Beweis: Bewusst habe man dieses Jahr mit dem Stadtverband Musik und Gesang Europa ins Zentrum gestellt. Nach dem Zweiten Weltkrieg sei die Idee eines geeinten Europas mit Leben gefüllt worden, heute sei es wichtiger denn je, an einem friedlichen Europa zu arbeiten und die Menschen zusammenzuführen.

Auch die schwierige Regierungsbildung sprach der OB an: Nicht nur innenpolitisch sei dies eine schwierige Situation, auch auf EU-Ebene fehle die starke legitimierte Stimme des Landes in der Mitte Europas. Ganz wichtig sei es vor allem, stärker auf Kultur zu setzen. Arnold zitierte den Architekten der Europäischen Union Jean Monnet: Wenn er nochmal anfangen könnte, würde er mit der Kultur beginnen und nicht mit technokratischen Dingen. "Musik ist eine internationale Sprache", versicherte Arnold den Gästen aus Antibes und Faenza. Er wies auf den regen Austausch zwischen der Musikschule und der Scuola di musica Sarti sowie dem Conservatoire de Musique et d'Art dramatique d'Antibes hin.

Die Klavierlehrerinnen aus Antibes waren schon mehrmals in der ältesten Stauferstadt. Sandra Ramos-Lagarde kam das erste Mal zum 850-Jahr-Jubiläum und war voll des Lobes darüber, wie sich die Stadt nach Stadtumbau und Landesgartenschau verändert habe. Für die Sopranistin Maria Claudia Bergantin und den Pianisten Marco Farolfi war es der erste Besuch in Gmünd.

Das Repertoire hatten sie genau auf diesen Auftritt abgestimmt: Der Prima Parte des Konzertes begann mit Francesco Paolo Tosti (1846–1916). Zu Gehör kamen mit "Due piccoli notturni" zwei in Italien sehr bekannte Vertonungen von Gedichten von D'Annunzio. Einen gänzlich anderen, oft schwermütigen Charakter haben die "Ariettes oubliées" von Claude Debussy (1862–1918), die wiederum Vertonungen von Paul Verlaine sind. Mit Guido Guerrini (1890–1965), einem in Faenza geborenen Komponisten, endete der erste Teil. Seine "Canti della mia prigionia" entstanden 1945 und stimmen ein großes Wehklagen über Krieg, Verwüstung und Tod an. Diese Gesänge führen drastisch vor Augen, warum nach den beiden Weltkriegen die Idee der Städtepartnerschaften so wichtig wurde – dieses Grauen sollte sich nicht wiederholen.

Auch Sandra Ramos-Lagarde und Delphine Bautz bewiesen eindrucksvoll, dass Musik eine universelle Sprache ist und Musikliteratur keine Grenzen kennt: In sehr schönem Einklang begannen die beiden Pianistinnen Part deux mit dem zeitgenössischen ungarischen Komponisten György Kurtág, blieben mit Brahms (1833–1897) Ungarischem Tanz Nr. 1 zunächst im Osten, um sich dann mit den beiden französischen Komponisten Debussy und Emmanuel Chabrier (1841–1894) dem französischen Impressionismus hinzugeben. Mit großer Virtuosität entlockten die beiden Pianistinnen dem Flügel vierhändig die schiere Fülle und ernteten dafür, wie auch die italienischen Gäste, lang anhaltenden Applaus.

Die Canti della mia prigionia gibt's auf youtube.com/watch?v=F4jfLyT73b0).

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