Mutter löst über 30 Strafverfahren aus

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Amtsgericht Gmünd
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34-Jähriger wegen Drogengeschäften verurteilt. Verhandlung am Gmünder Amtsgericht war Ergebnis weit verzweigter Ermittlungen.

Schwäbisch Gmünd

Fünf Mal kaufte er Drogen, fünf Mal verkaufte er welche: Dafür wurde ein Mann am Dienstag vom Schöffengericht am Gmünder Amtsgericht verurteilt. Die Verhandlung offenbarte jedoch, dass diese Anklage nur Teil einer weit verzweigten Ermittlung war. Und die war auf sehr kuriose Weise in Gang gekommen.

Angefangen hatte alles mit einer Mutter, die Körperverletzungen ihrer Söhne nicht mehr mit ansehen konnte und deshalb auf ihr heimisches Polizeirevier ging. Sie wies die Beamten auf Chats in den Handys ihrer Söhne hin, in denen Belege für die Taten zu finden seien. Die Polizei schaute sich die Dateien auf den Handys näher an - und dann bekam die Gmünder Rauschgiftermittlungsgruppe der Kriminalpolizei viel Arbeit: Der Sachbearbeiter in diesem Fall schilderte dem Gericht am Dienstag als Zeuge, dass er rund 130 000 Chat-Nachrichten durchgegangen sei und auf der Basis der darin gefundenen Informationen mehr als 30 Verfahren eröffnet habe. Denn die Chatnachrichten waren offenbar nicht sonderlich verschlüsselt: „So viel Klartext habe ich in Betäubungsmittel-Verfahren selten gelesen“, sagte der Vorsitzende des Schöffengerichts, Amtsgerichtsdirektor Thomas Baßmann, während der Sitzung. Manche der Kunden habe er auch identifiziert „über die Selfies, die die Leute von sich machen“, berichtete der Ermittler.

Keine Erinnerung

Einer der mehr als 30 Betroffenen dieser Ermittlung war der 34-Jährige, der am Dienstag vor Gericht stand. Anfangs konnte er sich zwar an die Zeiten, in denen die ihm vorgeworfenen Drogenkäufe und -verkäufe stattgefunden haben sollen, nicht mehr erinnern. Doch nach einer Verhandlungspause und dem Hinweis des Richters auf die Chat-Protokolle räumte er zumindest einige der Punkte, die ihm Staatsanwalt Ruß vorgehalten hatte, ein.

Dass einer seiner Drogen-Kunden allerdings unter 18 gewesen war, das sei ihm nicht bewusst gewesen, sagte der Angeklagte. Für die Anklage war dieser Punkt durchaus von Bedeutung, denn Drogenverkäufe an Minderjährige werden härter bestraft. Dieser junge Mann berichtete im Zeugenstand, dass er mit dem nun Angeklagten nie über sein Alter gesprochen habe. Die Richter waren am Ende der Beweisaufnahme auch nicht völlig überzeugt, dass der Angeklagte wusste, dass er einen Minderjährigen mit Drogen versorgt hatte. Da teilten sie die Auffassung des Verteidigers Martin Zoppik. Dagegen sahen die Richter es als erwiesen an, dass der Angeklagte in einem Fall einen Minderjährigen als Kurier eingesetzt hat.

Flasche Whisky und zehn Bier

Zudem waren sie überzeugt, dass er gewerbsmäßig gedealt hatte. Nur so nämlich habe er seine eigene Sucht finanzieren können, begründete Richter Baßmann. Nur so habe der 34-Jährige die Flasche Whisky, zehn Flaschen Bier und 1,5 Gramm Marihuana, die er nach eigenen Angaben pro Tag konsumierte, bezahlen können.

Die Richter verurteilten den Mann zu einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten, die ihm zur Bewährung ausgesetzt wurde. Sie anerkannten, dass er bisher nicht vorbestraft war, und glaubten ihm, dass er gerade dabei sei, „mein Leben wieder in den Griff zu kriegen“.

Trotzdem muss er als Verurteilter die Kosten des Verfahrens tragen, zudem werden von ihm 270 Euro eingezogen, die er mit den Drogengeschäften verdient haben soll. Daneben muss er mehrfach zum Drogenscreening und zur Suchtberatung. Zudem stellte ihm das Gericht einen Bewährungshelfer zu Seite. Dass die Richter ihm außerdem 100 Stunden gemeinnützige Arbeit auferlegten, begrüßte der 34-Jährige ausdrücklich.

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