Nach der Impfung ist vor der Impfung

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Unter dem Motto "Wann ist Schluss mit Corona?" begrüßen die SPD-Landtagswahlkandidaten Jakob Unrath und Dr. Carola Merk-Rudolph den Gesundheitsexperten Karl Lauterbach (SPD).

Schwäbisch Gmünd

ARD und ZDF müssen warten", freut sich Jakob Unrath, SPD-Landtagswahlkandidat in Schwäbisch Gmünd. Denn bei der Wahlkampfveranstaltung von ihm und Dr. Carola Merk-Rudolph, SPD-Landtagswahlkandidatin in Aalen, begrüßen die beiden Professor Dr. Karl Lauterbach (SPD). Am Tag der Ministerpräsidentenkonferenz zeichnet der Gesundheitsexperte ein Bild darüber, welche Auswirkungen mutierte Viren haben, wie es um künftige Impferfolge steht und ob die dritte Welle zu befürchten ist.

"Die magische Grenze von einer Inzidenz unter 50 wäre in zirka zwei Wochen erreicht", erklärt Lauterbach, der für die SPD im Bundestag sitzt. Trotzdem warnt der Experte für klinische Epidemiologie vor überstürzten Lockerungen. Denn mutierte Coronaviren aus Großbritannien, Südafrika und Brasilien seien teilweise "deutlich ansteckender". Sei eine gewisse Größenordnung beim Mutationsanteil überschritten, sei das Ursprungsvirus nur noch eine Rarität. "Wir werden dann diese Pandemie noch eine Weile sehen", sagt Lauterbach, "aber dann haben wir eine neue Pandemie", führt er aus. Zwar seien die momentan zugelassenen Impfstoffe bei bestimmten Mutationen durchaus wirksam. Bei anderen werde die Impfwirkung jedoch "deutlich herabgesetzt", warnt er. "Wir werden noch eine Weile mit der Pandemie kämpfen müssen", sagt der Bundestagsabgeordnete, "das geht jetzt nicht weg". Wichtig sei, schnell gegen das Virus anzuimpfen. Schwierig in Europa. Denn: "Die EU ist bei der Impfstoffbeschaffung relativ langsam gewesen", sagt Lauterbach. "Beim nächsten Mal wird das anders sein." Und es werde ein nächstes Mal geben. So genannte "Escape-Mutationen" von Viren entstünden erst dann, wenn ein Großteil der Bevölkerung entweder erkrankt oder geimpft ist. "Wir werden reagieren müssen." Denn dann brauche es auch angepasste Impfstoffe. "Nach der Impfung ist vor der Impfung." Nach Lauterbachs Redezeit stellt er sich den Fragen der Zuhörer: "Was erwartet die Fünftklässler?", heißt es aus der Runde. Lauterbach befürwortet eine Kürzung der Ferien und ein längeres Schuljahr, um Stoff nachzuholen. Was sagt er zur Strategie, die Infektionszahlen gegen null zu drücken? "Macht schon Sinn als Ziel", sagt Lauterbach. Fest steht für ihn aber auch: "Wir werden auf jeden Fall eine dritte Welle kriegen." Fraglich sei das Ausmaß.

Dann haben wir eine neue Pandemie.

Professor Dr. Karl Lauterbach, Mitglied des deutschen Bundestags

Auch die Kandidaten für die Landtagswahl, Jakob Unrath und Dr. Carola Merk-Rudolph, stellen sich den Fragen der Zuhörer. Etwa, ob es Bürgergespräche im Wahlkampf geben werde. "Bis nach Fasching haben wir nicht vor, auf die Marktplätze zu gehen", sagt Merk-Rudolph. Auch Tür-zu-Tür-Gespräche sollen ausbleiben. Grund sei die Vorbildwirkung der beiden als Politiker. "Wir machen den Wahlkampf online hauptsächlich", sagt Merk-Rudolph. Im Verlauf der Fragerunde gibt es Differenzen zwischen einzelnen Teilnehmern. Es fehle an einer offenen Diskussion, sagt ein Zuhörer, der eigener Aussage zufolge SPD-Mitglied ist. Länder wie Schweden stünden in Sachen Corona nicht schlechter da als Deutschland, trotz deutlich geringerer Maßnahmen. Auch die Demokratie sieht er gefährdet. Ein anderer Teilnehmer betitelt diese Aussagen als "AfD pur". Unrath grätscht ein: "Dieses Demokratiedefizit: Wo ist das erkennbar", fragt er. "Niemand von uns will ewig in dieser Situation bleiben", führt er aus.Wichtig sei, jetzt nicht zu viel Angst vor der Lage zu haben.

Bei der Online-Wahlkampfveranstaltung von Jakob Unrath und Dr. Carola Merk-Rudolph war Professor Dr. Karl Lauterbach als Redner zu Gast.

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