Nach Jahrhunderten zurück

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Ausstellung Labor im Chor Maria Magdalena
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Mögliches Altarbild der früheren Dominikanerkirche in Schwäbisch Gmünd wiederentdeckt. Ausstellung um den Mythos Maria Magdalena.

Schwäbisch Gmünd

Verbannt, verschollen, verehrt: Das Gemälde „Heilige Maria Magdalena“ des Gmünder Barockmalers Johann Christoph Katzenstein d.Ä. ist nach einer wechselvollen Geschichte zurück am Ursprungsort. Das Werk aus dem Jahr 1686 stammt mutmaßlich aus der 1802 aufgegebenen und Maria Magdalena geweihten Kirche des Dominikanerklosters, heute Museum und Kulturzentrum. Genau dort, im Chor der ehemaligen Kirche, wird es ab Donnerstag  nach gründlicher Restaurierung ausgestellt.

Bis zum 24. April ist das Bild  in der Galerie „Labor im Chor“ an der Bocksgasse zu sehen, eingerahmt von zeitgenössischen Arbeiten, die den Mythos „Maria Magdalena“ aufgreifen, Objekte aus Glas und Keramik von Ursula-Maren Fitz, Alexandra Geyermann, Angela Munz, Dietrich Klinge, Oliver Kreiter und Wilhelm Vernim.

„Vermutlich“, so sagt Museumsdirektor Dr. Max Tillmann, „wurde das Bild in der Dominikanerkirche schon Mitte des 18 Jahrhunderts entfernt.“ Erst 1912 entdeckte man es wieder, auf dem Dachboden der alten Cyriakuskirche in Straßdorf. Es wurde Teil der städtischen Altertumssammlung und spätestens seit 1960 galt es als nicht mehr auffindbar. Um so größer die Überraschung vor knapp zwei Jahren, als der frühere Museumsleiterin Dr. Monika Boosen Katzensteins „Maria Magdalena“ wiederentdeckte. Sie spricht von einem besonderen Glücksfall, das Gemälde nach so vielen Jahren in der Hand zu haben. Allerdings in einem schlechten Zustand: Restaurator Hermann Petersohn musste es an vielen Stellen notsichern, um es überhaupt transportfähig zu machen. Fast ein Jahr lang hat er das Gemälde restauriert und viele Bildinhalte ans Licht geholt. 

„In seinem großformatigen Ölbild hat sich Johann Christoph Katzenstein d.Ä mit einer der wohl faszinierendsten und widersprüchlichsten biblischen Frauengestalten auseinandergesetzt“, sagt Dr. Max Tillmann. Das mit vielen Symbolen ausgeschmückte Bild zeigt zum einen die Sündhaftigkeit, für die sie büßt, dargestellt in der Geißel. Zum anderen die menschliche Vergänglichkeit, zu sehen durch den Totenschädel und das Kruzifix. Das Salbgefäß verweise auf sie als Begleiterin Jesu, dessen Füße sie mit Öl salbte. Und Joachim Haller, stellvertretender Museumsleiter ergänzt: „Nicht zuletzt setzt der Maler ihren Status als von Gott Auserwählte in Szene: durch das spirituelle Licht, das sie überströmt.“

Kunsthandwerkerin Angela Munz greift die Szene auf, setzt mit für die Ausstellung gefertigten Keramiken besondere Akzente, formal an das Salbgefäß auf Katzensteins Bild angelehnt. Weitere zeitgenössische Arbeiten werfen neue Blicke auf das Bild und die bis heute viel diskutierte Figur der Heiligen. Die grotesken Antlitze in den Glasarbeiten von Wilhelm Vernim verweisen zunächst auf die Erlösung Maria Magdalenas von Dämonen. Auch der Totenschädel im Bild findet eine aktuelle Spiegelung: Zum einen in einem bronzenen Totenschädel des Bildhauers Dietrich Klinge, zum anderen in den mit „Vanitas“ betitelten Arbeiten von Ursula-Maren Fitz aus Glas, das durch ein Netz aus Stacheldraht geblasen wurde.

Mit im Boot ist auch Elke Heer, Leiterin der Stabsstelle Chancengleichheit. Sie bringt sich begleitend zur Ausstellung am 10. März in einem Kunstgespräch ein, verweist heute schon auf die unterschiedliche Wertschätzung Maria Magdalenas im Verlauf der Zeiten. Die Bibel beschreibe sie als mutige Frau, im Barock galt sie als Sünderin, im 20. Jahrhundert als Heilige. Diese Wandlungen, so Elke Heer, seien so spannend wie das Gemälde selbst.

  • Die Ausstellung „Maria Magdalena – Neue Blicke auf Bild und Mythos“ wird am Donnerstag, 17. Februar, um 19 Uhr im Labor im Chor des Predigers Schwäbisch Gmünd eröffnet. Führungen, Vorträge und Gespräche begleiten die Präsentation. Geöffnet ist Dienstag bis Freitag von 14 bis 17 Uhr, Samstag, Sonn- und Feiertag von 11 bis 17 Uhr. ⋌kust
Ausstellung Labor im Chor Maria Magdalena
Ausstellung Labor im Chor Maria Magdalena
Ausstellung Labor im Chor Maria Magdalena
Ausstellung Labor im Chor Maria Magdalena
Das Gemälde Maria Magdalena
Ausstellung Labor im Chor Maria Magdalena
Ausstellung Labor im Chor Maria Magdalena
Ausstellung Labor im Chor Maria Magdalena
Ausstellung Labor im Chor Maria Magdalena
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