Nach versuchter Vergewaltigung: „Erobern wir uns als Frauen die Stadt zurück!“

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Hier war der Tatort: In der Josefstrasse wollen am Freitagabend Gmünderinnen ein Zeichen setzen gegen Gewalt gegen Frauen.
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Nach einem Überfall auf eine Frau in der Josefstraße ruft die Fraueninitiative Gmünd für nächsten Freitag zu einer „Frauenaktion“ in der Nähe des Tatorts auf.

Schwäbisch Gmünd. Es passierte kurz vor 22 Uhr, am vergangenen Freitag in Gmünd: Zwei Männer bedrängten eine 20-jährige Frau, hielten sie fest, schlugen sie, versuchten sie auszuziehen. Die Frau wehrte sich und konnte die Täter in die Flucht schlagen. Die Polizei, die mehrere Streifen einsetzte, konnte die beiden Männer nicht mehr finden. Die Ermittlungen dauern an, sagt Bernd Märkle vom Polizeipräsidium Aalen.

Frauen von der Fraueninitiative Schwäbisch Gmünd wollen nach diesem Überfall nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Nach diesem „gewalttätigen und sexualisierten Übergriff gegen eine junge Frau“, so schreiben sie in einem Aufruf, wollen sie ihre Solidarität mit der Betroffenen ausdrücken – eine Woche nach dem Überfall, am Ort des Geschehens. An diesem Freitag sollen sich Frauen an der Waldstetter Brücke treffen: „Gemeinsam mit anderen Frauen möchten wir in der Josefstraße Kerzen aufstellen und ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen setzen.“ Es solle nicht zugelassen werden, „dass öffentliche Angsträume entstehen“, heißt es in dem Aufruf. Und schließlich: „Erobern wir uns als Frauen die Stadt zurück!“

Ein Blick in die Statistik der Polizei zeigt, dass es in Gmünd in den vergangenen Jahren etwa einmal pro Monat zu „Angriffen auf die sexuelle Selbstbestimmung“ gekommen ist, wie Bernd Märkle berichtet. 2017 registrierte die Polizei vierzehn solcher Taten im Bereich des Reviers Gmünd, im Jahr 2020 waren es elf. Wobei hinter dem Oberbegriff viele unterschiedliche Taten stehen, auch welche ohne Anwendung von Gewalt wie etwa exhibitionistische Übergriffe. An der Statistik lässt sich das Geschlecht der Opfer nicht ablesen, aber die Erfahrung zeige, dass es eher Frauen seien, die betroffen sind, so Märkle

Eine Vergewaltigung ist in Gmünd im Vier-Jahres-Zeitraum 2017 bis 2020 nur einmal passiert – im Jahr 2019. Die Frage, ob es sich bei dem Überfall in der vergangenen Woche um eine versuchte Vergewaltigung handelt, beantwortet Polizeisprecher Märkle weder mit Ja noch Nein. „Die Einschätzung ist schwierig“, sagt er, der Hintergrund der Tat sei noch völlig offen. „Wir können ein Sexualdelikt nicht ausschließen, wir können auch versuchten Raub nicht ausschließen.“

Die beiden Täter sind so beschrieben: Ein Mann war etwa 25 bis 30 Jahre alt, rund 175 cm groß, muskulös, hatte einen Drei-Tage-Bart und dunkle kurze Haare. Er war mit einem schwarzen Kapuzenpullover und einer dunklen Hose bekleidet. Der zweite Täter war etwa 185 cm groß, hatte eine etwas festere Statur und ebenfalls dunkle kurze Haare. Er war bekleidet mit einer schwarzen Jacke ohne Kapuze und einer dunklen Hose. Zeugen- oder Täterhinweise nimmt das Kriminalkommissariat Aalen (Telefon 07361/ 5800) entgegen. Bernd Müller

Lassen wir nicht zu, dass öffentliche Angsträume entstehen.“

Aus dem Aufruf der Fraueninitiative Gmünd

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