Neue Ideen für alte Museen

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Die Großeltern auf dem Dorf mussten nachhaltig wirtschaften, wir heutigen wollen es häufig wieder: Im Museum in Gschwend sollen Geschichte und Gegenwart mit einem neuen Ausstellungskonzept sinnreich verbunden worden.
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Bei der digitalen Semesterausstellung der Gmünder Hochschule für Gestaltung (HfG) sind am Wochenende mehr als 500 Designobjekte zu sehen.

Schwäbisch Gmünd

Ein Konzept für kleine Dorfmuseen, eine Politik-App, eine Mitmachaktion an Plakatwänden in Gmünd: Das sind drei von rund 500 Designobjekten, die am Wochenende bei der digitalen Semesterausstellung der Gmünder Hochschule für Gestaltung zu sehen sind. Es wird, nach fast einem Jahr Pandemie, die zweite rein digitale Ausstellung der HfG zum Abschluss des Semesters sein. Das Konzept ist im Vergleich zum letzten Sommersemester noch erweitert worden. "Neu ist eine Info-Veranstaltung, die Abschlusspräsentation und das Vortragsprogramm – damit es noch mehr nach Ausstellung aussieht", sagt Carla Bareis von der HfG. Zuschauen kann jeder: Der digitale Zugang steht jedem interessierten Bürger offen, das Programm geht von Freitag bis Sonntag (siehe Info). Gezeigt werden die Abschlussarbeiten von rund 100 Studierenden aus den fünf Studiengängen der HfG sowie weitere Arbeiten von Studierenden aller Semester.

In Gmünd, für Gschwend

Wer sich einen Überblick verschafft über die Projekte, erkennt schnell, dass die virtuelle Ausstellungsform sehr gut passt: Weil Design als Beruf im Jahr 2021 sehr häufig im Digitalen stattfindet. Eine der Abschlussarbeiten zeigt eine Internetplattform, die "Politik Alert" heißt. Winona Biber und Julia Thum haben in ihrer Master-Abschlussarbeit Ideen entwickelt, wie Menschen einfacher an Politik teilhaben können. Eine der Funktionen, "Mein Alert", benachrichtigt Nutzer, sobald eine politische Entscheidung getroffen wurde, die sie betreffen könnte. Außerdem zu sehen: Eine App, die gegen Lebensmittelverschwendung helfen soll. Mit der Funktion, für die Reste im Kühlschrank gleich ein passendes Rezept zu bekommen.

Es geht aber auch um kleine Ortsmuseen – denen es an Objekten aus bäuerlicher und handwerklicher Geschichte meist nicht mangelt, manchmal aber an Konzepten, wie man die präsentiert. Da setzt die Bachelorarbeit von Anica Jacobsen und Daniela Casorati an, die einen starken regionalen Bezug hat: Die beiden haben gemeinsam mit dem Museum Gschwend ein neues Ausstellungskonzept entwickelt. Es geht um Nachhaltigkeit, und die Idee ist es, aus der Vergangenheit für die Zukunft zu lernen. "Unsere Vorfahren wussten genau, wie man besonders sparsam mit knappen Ressourcen umgeht", so argumentieren die beiden Studentinnen.

Ein anderes Projekt ist manchen Gmündern schon an Plakatständern in der Stadt begegnet. Wo Menschen überlegen können, wie sie auf die Fragen eines Mädchen antworten, das wissen will: "Mama, kann ich Feuerwehrmann werden?" Sagt man "Ja, klar" oder "Nein, das ist nur was für Jungs" oder "wenn, dann Feuerwehrfrau"? Susanne Büchele und Johanna Manz haben das Projekt entwickelt, das nicht mit vorgegebenen Regeln daherkommt, sondern zum Nachdenken anregen soll und "zum offenen Dialog", wie es die Studentinnen formulieren.

Die Pandemie-Realität findet übrigens auch seinen Niederschlag: im Projekt "ESID", einem "Epidemiologischen Simulationstool für den Infektionsschutz in Deutschland".

500 Designobjekte und ein 360˚-Rundgang

Fünf Studiengänge gibt es an der Gmünder Hochschule für Gestaltung: Kommunikationsgestaltung, Interaktionsgestaltung, Produktgestaltung, Internet der Dinge (alle Bachelorstudiengänge) sowie Strategische Gestaltung (Master).

Die Arbeiten: Über 500 Designprojekte aus allen Studiengängen werden gezeigt: vor allem Abschlussarbeiten, aber auch Projekte von Studierenden aus den anderen Semestern. Zudem gibt es einen virtuellen 360˚-Rundgang durch die Hochschule. Insgesamt sind in diesem Wintersemester rund 730 Studierende an der HfG Gmünd, mehr als 100 machen dieses Jahr Abschluss.

Das Programm am Wochenende: Freitag: 10.30 Eröffnung. 11 Uhr Info-Veranstaltung. 15.30 Uhr Live-Führung durch die Ausstellung. Samstag: 11.30 und 17.30 Uhr: Präsentation Master-Arbeiten. 15 bis 16 Uhr: Präsentation Bachelor-Arbeiten. Weitere Programmpunkte und Links für die virtuellen Ausstellungsbesucher unter www.ausstellung.hfg-gmuend.de.

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