Neue Regeln, alte Gewohnheiten

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Ende der Durchfahrt: Busse dürfen am Kalten Markt weiter in beide Richtungen fahren, für Autos gilt nun Einbahnverkehr.
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Unwissende und Uneinsichtige - und das Ordnungsamt versucht zu lenken: Ein Teil der Autofahrer hat Probleme mit der neuen Verkehrsführung am Kalten Markt und in den Schmiedgassen.

Schwäbisch Gmünd

Die Gespräche sind teilweise hart“, sagt Gerd Hägele, der Gmünder Ordnungsamtsleiter. Er und seine Mitarbeiter erleben diese Woche am Kalten Markt und in den Schmiedgassen, was passiert, wenn zwei grundlegende Prinzipien des Straßenverkehrs aufeinanderprallen: die Verkehrsregeln und die Macht der Gewohnheit.

Seit Montagmorgen dürfen Autos den unteren Teil des Kalten Markts nur noch in eine Richtung befahren. Wer von oben kommt, darf nicht mehr durch. Die Folgen erleben Joachim Köhler, Stefanie Adler und Hasan Nazifa seit Montag aus nächster Nähe. Alle drei haben Geschäfte am Kalten Markt, und sie haben eines gemeinsam: Ein Teil der Kunden kommt regelmäßig mit dem Auto. Der Verkauf diese Woche laufe bisher wie sonst auch, erzählt Hasan Nazifa, der den Imbiss Özurfa Grill betreibt. Joachim Köhler vom gleichnamigen Uhrengeschäft hat weniger Erfreuliches erlebt: „Es gab Kunden, die mir gesagt haben, dass sie diesen Bereich der Stadt künftig meiden wollen.“ Von „vielen Kunden, die den Kopf schütteln“, berichtet Stefanie Adler, Geschäftsführerin von „unverpackt GD“.

Die Erreichbarkeit mit dem Auto muss weiter da sein, das ist die zentrale Maxime aus Sicht des Gmünder Handels. Martin Röttele erinnert daran, auch er ist Geschäftsinhaber am Kalten Markt – und Mitglied im Vorstand des HGV. Aus Sicht der Stadtverwaltung sollen Remsdeck und Parkhaus City Center die zentralen Anlaufpunkte für Autofahrer sein. Auch wenn das keiner so nennt: Es hat eine Art Umerziehungsmaßnahme begonnen, weg vom Parkplatz-Suchverkehr durch die Schmiedgassen hin zu den Parkhäusern.

Den Job als Verkehrserzieher haben die Mitarbeiter vom Gmünder Ordnungsamt, sie versuchen seit Montag, an den neuralgischen Punkten für Ordnung zu sorgen: an beiden Enden des nun einspurigen Bereichs zwischen Bäckerei Thorwart und dem Modehaus Dieterich, von wo ab auch die Schmiedgasse gesperrt ist, und im Höferlesbach. „Wir sind mit zwei bis drei Mitarbeitern von morgens bis abends im Einsatz“, sagt Gerd Hägele. Warum zwischendurch keiner der Kollegen zu sehen ist, erklärt Hägele auch: „Die brauchen gelegentlich eine Pause, die Gespräche sind teilweise hart.“

Mit zwei Typen von Autofahrern haben es die Ordnungsamtsleute am Kalten Markt gerade zu tun: Unwissende und Uneinsichtige. „Die Macht der Gewohnheit ist groß“, sagt Hägele, immer wieder wollen Autofahrer durch eine nun verbotene Zone fahren, „weil sie es gewohnt sind und nicht mehr auf die Schilder achten“. Dazu kommt das Herdenprinzip: „Wenn einer fährt, fahren alle hinterher.“ Typ zwei: „Die haben das Prinzip verstanden, wollen es aber nicht akzeptieren.“ Ein Kern-Argument der Kritiker, das Hägele oft hört, lautet: Die Königsturmstraße wird noch voller. Seit Montag war der Effekt zu beobachten, aber wenn die Umstellung funktioniert, soll sich das wieder normalisieren. „Die Verkehrsprognosen sagen sinkende Zahlen voraus“, so Hägele.

Ein wenig Zeit wird es wohl noch dauern, bis eine neue Normalität herrscht am Kalten Markt. „So etwas dauert immer mindestens drei, vier Tage. Im Moment müssen wir noch massiv da sein“, so Hägele.

Die Macht der Gewohnheit ist groß.“

Gerd Hägele,, Ordnungsamt

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