Neues Bier in alten Hasen-Flaschen

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Gisela Krehle und Martin Nuding freuen sich, dass die Geschichte des Gasthauses Hasen noch nicht zu Ende ist: Die alten Hasen-Flaschen - hier im Original-Metallkasten - werden frisch befüllt.
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Die Gmünder Familie Nuding braut ein würziges Bier und füllt es in rund 100 Jahre alte Bügelflaschen der Gmünder Traditonsgaststätte Hasen ab.

Schwäbisch Gmünd

Bier spuckt der Verkoster nicht aus, so wie es beim Wein der Fall ist. Schon gar nicht das frisch gebraute Hasen-Bier der Nudings aus Schwäbisch Gmünd. Das sagt Martin Nuding, der den würzigen Gerstensaft zusammen mit seinem Sohn Johannes neuerdings braut. Das Besondere an dem dunklen Getränk? Die Nudings füllen es ab in rund 100 Jahre alte Bierflaschen, die es einst in der Gmünder Traditionsgaststätte Hasen zu kaufen und zu trinken gab.

Wie es dazu kam

Die Gaststätte Hasen in der Waldstetter Gasse gibt's seit 1787, seit 2020 hat sie zu. Gisela Krehle, Enkelin des einstigen Hasen-Wirten Fritz Gesell und Tochter der jüngsten Hasen-Wirtin Anna Gesell (Spitzname Peter), hat mit Beginn der Corona-Pandemie einen Schlussstrich gezogen und die Türen der Traditionsgaststätte endgültig geschlossen. Für ein paar Gruppen hatte sie davor immer mal wieder geöffnet, Getränke und Butterbrezeln serviert. In Pandemie-Zeiten habe sie aber auch das eingestellt. Bei einem ihrer Erkundungsgänge durch das alte Gemäuer habe sie allerdings einen wahren Schatz – nicht nur für Freunde des Bieres – entdeckt. In einem Lagerraum fand Gisela Krehle rund 400 Glasflaschen mit Bügelverschluss - beides verziert mit einem Hasen und mit der Aufschrift „Gesell zum Hasen“.

Fritz Gesell, weiß die Enkelin, habe das Bier nicht selbst gebraut, sondern ab 1935 von der Haller Löwenbrauerei bezogen. In großen Holzfässern lagerte der Gerstensaft im Keller des Hasen. Fritz Gesell füllte es sodann in die Glasflaschen ab, von denen er wohl rund 4000 Stück besaß. Das hat Gisela Krehle anhand alter Rechnungen herausgefunden. „Mein Großvater besaß den ersten Lastwagen in der ganzen Stadt“, erzählt sie. Mit diesem habe er die Bierflaschen in schweren Kisten aus Metall ausgefahren. Martin Nuding kennt den Hasen gut und hat ein enges, freundschaftliches Verhältnis zur Wirtsfamilie. Das Lokal war einst das Ausbildungslokal der Jungjäger, zu denen er gehörte. Zudem arbeitete Nuding viele Jahre als Vertriebsleiter bei der einstigen Engelbrauerei in Schwäbisch Gmünd und besuchte oft den Hasen. Er selbst ist ausgebildeter Bierbotschafter, Sohn Johannes hat die Ausbildung zum Hausbrauer abgeschlossen. Als die Nudings die alten Hasen-Flaschen sahen, waren sie sofort Feuer uns Flamme. „Da muss wieder ein Bier rein“, dachten sie sich und legten los.

Was drin ist

„Das Bier ist sehr malzbetont, im Nachgang schmeckt man den Hopfen leicht bitter, dazu kommen fruchtige Noten“, beschreibt Johannes Nuding das bernsteinfarbene, naturtrübe Getränk, das angenehm prickelt, wenn's ins Glas fließt. Die genaue Rezeptur verrät er nicht. Aber: Hopfen ist natürlich drin, der im Wetzgauer Himmelsgarten wächst. Und Bio-Malz aus einer Bamberger Mälzerei. „Wir haben uns vorher erkundigt, wie Bier zu der Zeit geschmeckt haben könnte“, berichtet Martin Nuding. Damals sei zum Beispiel Rauchmalz verwendet worden, das über dem Holzfeuer getrocknet wurde.

Weintrinker riechen zuerst in den weit offenen Kelch und schwenken ihn, damit mehr in der Nase ankommt, erklärt Martin Nuding. Biertrinkern empfiehlt er als Probierglas einen Kelch, der nach oben hin schmaler wird, damit die Kohlensäure nicht so schnell entweicht. Vom Schwenken rät er deshalb ebenfalls ab. Und vom Ausspucken auch. Denn die Geschmacksnuancen des Bieres entfalteten sich erst weiter unten im Rachen. Bei Kellertemperatur schmecke das Hasen-Bier am besten, sagt Martin Nuding, der dazu einen guten Bergkäse empfiehlt oder auch einen deftigen Braten. Sogar die Bratensoße zu Wild kochen die Nudings mit Bier statt mit Wein. „Hervorragend“, schwärmt die Familie. Gisela Krehle hat das neue Hasen-Bier in altem Gewand noch nicht probiert. „Ich bin einfach keine Biertrinkerin.“ Aber sie freut sich, dass mit dem Bier die Hasen-Tradition ein wenig weiterleben kann. Das sei sicherlich im Interesse der beiden Alt-Hasenwirtinnen. Gertrud Gesell (besser bekannt als Schako) ist im Herbst 2020 verstorben, Anna Gesell lebt im Pflegeheim.

Was noch kommt

Johannes Nuding hat's verschmeckt mit dem Bierbrauen. Neben dem Hasen-Bier brauen die Nudings ein helleres Lagerbier - Nudings Edelbräu. „Das ist wirkliche Handarbeit“, schwärmen die beiden Männer. Und Johannes Nuding erklärt in Kürze, wie's funktioniert: Malz, Hopfen und Wasser werden im 50-Liter-Sudtopf gemischt und erhitzt. Später kommt Hefe dazu, die den Gärungsprozess in Gang setzt. Vier bis fünf Wochen dauert's, bis das Bier fertig ist und in Flaschen abgefüllt werden kann.

Was Martin Nuding freut: In Schwäbisch Gmünd existierten einst unzählige kleine Familienbrauereien, mit der Engelbrauerei habe die letzte aufgegeben. Nun gibt's endlich wieder Gmünder Biere. Diese verkaufen die Nudings an ihren Marktständen mit regionalen Produkten. Die Resonanz sei bisher durchweg positiv, freut sich Martin Nuding. Auch wenn die Familie pro Flasche 15 Euro Pfand verlangt, „damit die Flaschen wieder zu uns zurück kommen“.

Das ist wirkliche Handarbeit.“

Martin Nuding, Bierbotschafter
  • Hier gibt's das Gmünder Hasen-Bier
  • Familie Nuding ist mit regionalen Erzeugnissen wie Käse, Eier, Wurst, Honig und nun auch mit Hasen-Bier und Edelbräu auf Wochenmärkten vertreten: donnerstags in Mutlangen, freitags auf dem Rehnenhof und samstags in Gmünd. Eine Flasche Hasen-Bier kostet fünf Euro plus 15 Euro Pfand.
Grünlich schimmert die rund 100 Jahre alte Flasche, auf der der Hase abgebildet ist.
Ein Fall fürs Museum: Die Bügelverschlüsse mussten die Nudings erneuern, damit das Bier in den Flaschen frisch bleibt.

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