Nicht alle Kinder impfen

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Impfungen sollen den Einzelnen und die Gesellschaft schützen. Kinder und Erwachsene. Die Impfung gegen Influenza empfiehlt die Ständige Impfkommission allerdings erst ab 60 Jahren und chronisch Kranken.
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Wenn Kinder an einer chronischen Erkrankung leiden, kann die Impfung gegen Influenza sinnvoll sein, erklärt Dr. Jochen Riedel im Interview.

Schwäbisch Gmünd

Husten, Schnupfen, Heiserkeit: Mit dem Herbst beginnt auch die Erkältungssaison. In Kindergärten und Schulen spielen und lernen die Kinder nicht nur auf engstem Raum. Sie niesen und husten auch. In Zeiten von Corona möchten viele Eltern ihre Kinder besonders schützen. Ob deshalb aber eine Impfung gegen die echte Grippe (Influenza) sinnvoll ist? Das sagt Dr. Jochen Riedel, Chefarzt der Kliniken für Kinder- und Jugendmedizin am Stauferklinikum Schwäbisch Gmünd und am Ostalb-Klinikum Aalen, dazu.

Empfehlen Sie 2020 die Grippeimpfung auch für Kinder?

Dr. Jochen Riedel: Maßgeblich sind in Deutschland die Empfehlungen der Stiko (Ständige Impfkommission beim Robert-Koch-Institut). Die Stiko empfiehlt eine Grippeimpfung bei Kindern (ab einem Alter von sechs Monaten) nur bei einer vorliegenden chronischen Erkrankung, wie beispielsweise bei Asthma, Herzfehlern, Diabetes mellitus, bei bestimmten neurologischen Erkrankungen und etlichen mehr. Eine generelle Impfempfehlung für gesunde Kinder wurde bisher für die Grippeimpfung nicht ausgesprochen.

Wann ist der beste Zeitpunkt für eine Impfung?

In der Regel wird vor Beginn der jährlichen Influenzasaison, meist im Oktober oder November, gegen die Grippe geimpft.

Zahlt die Krankenkasse die Impfung?

Ja, sofern eine Impfempfehlung seitens der Stiko besteht.

Ist der Impfstoff für Kinder ein anderer als für Erwachsene?

Kinder (ab sechs Monaten) bekommen den selben Impfstoff wie Erwachsene. In den Fachinformationen wird allerdings darauf hingewiesen, dass Kinder unter neun Jahren etwa vier Wochen nach einer Erstimpfung gegen Grippe eine weitere Grippeimpfung erhalten sollten.

Ist die Grippeimpfung für Kinder gut verträglich? Muss man mit Nebenwirkungen wie Fieber rechnen?

Wie bei allen anderen Impfungen auch, können in den ersten Tagen nach der Impfung leichte lokale Beschwerden an der Impfstelle, aber auch Fieber, auftreten. In der Regel wird der Grippeimpfstoff aber gut vertragen.

Gibt es genügend Impfstoff?

Nein. Die Stiko hat im August mitgeteilt, dass in der kommenden Saison 2020/2021 in Deutschland etwa 25 Millionen Grippeimpfdosen zur Verfügung stehen. Dies würde nicht für die gesamte Bevölkerung in Deutschland ausreichen. Die Stiko empfiehlt daher, die verfügbaren Grippeimpfdosen bei Personengruppen mit einem erhöhten Risiko einzusetzen.

Sind Sie für eine Influenza-Impfpflicht?

Nein. Die Impflicht gegen Masern ist ja bei genauem Hinschauen auch keine so richtige. So dürfen zwar ungeimpfte Kinder nicht in den Kindergarten, in die Schule aber schon, da die Schulpflicht höher angesiedelt ist als die Impflicht, beziehungsweise die nicht vorhandene Masernimpfung. Ich selbst setze auf Überzeugungsarbeit. Grundsätzlich haben Impfungen zwei Ziele. Sie sollen den Einzelnen schützen und sie sollen die Gesellschaft schützen. Das versuche ich den Eltern zu vermitteln. In unseren Sprechstunden orientieren wir uns grundsätzlich an den Empfehlungen der Stiko.

Jochen Riedel.

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