Nicht nur Gesichter geben Rätsel auf

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Der Künstler Wolfgang Neumann stellt beim Gmünder Kunstverein aus.
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Der Gmünder Kunstverein zeigt Werke des Waiblinger Künstlers Wolfgang Neumann.

Schwäbisch Gmünd. Drei gegenständliche Bilder, grüner Wildwuchs in frazenartigen Blumentöpfen, blicken frech in den Ausstellungsraum des Gmünder Kunstvereins im Kornhaus. Wohl wissend, dass sie beunruhigen können. Manche Besucherinnen oder Besucher zweifeln beim Anblick an ihrem momentanen Gleichgewichtssinn. Dabei sind die Bilder so schräg aufgehängt, dass das erst auf den zweiten Blick erkennbar wird. Der Waiblinger Künstler Wolfgang Neumann hat ein erstes Ziel erreicht. Die Bilder sprechen selbst mit den Betrachtern. „Es sind keine eins zu eins Botschaften, die der Künstler einfach erklären kann“, sagt er.Er hat zunächst eine Bildidee, die im Prozess reifen soll. Bewusst lässt er Haken und Brüche zu, sie intensivieren die Beschäftigung mit dem fertigen Bild. Und wenn dann Stalin samt weiteren Genossen wie im Sarkophag  ruhen, blicken sie auf zwei daneben platzierte Bilder sich selbst zerstörender Wesen.  Kunstfreunde erkennen die Botschaften und damit erreicht Wolfgang Neumann sein Ziel.  Politische Bezüge und Zeitgeschichte sind Teil der Idee. „Wir werden mit medialen Bildern, politischen Karikaturen und Alltagsbeobachtungen konfrontiert, provoziert, angerüpelt, hintergründig zum Nachdenken gebracht, zum Lachen, Schmunzeln und zum Protest gereizt. Aber nicht in Ruhe gelassen.“ Das sagt der Vorsitzende des Gmünder Kunstvereins, Professor Dr. Klaus Ripper zum Werk des Künstlers. Und er hinterfragt den Titel der Ausstellung: „Rafen“. Das Internet verrate die Bedeutung: So nennt man auf Pfetten aufgelegtes tragendes Holz. Klaus Ripper: „Oder einfach ein Schreibfehler und Wolfgang Neumann bezieht sich auf die durchtanzten Nächte der Techno- und Elektroszene?“ Schon die Einladungskarte lasse solche Schlüsse ziehen. Sie vereine Meister Yoda – einen Jungen mit der Zauberkugel in der Hand  - und Westernhelden mit Laserschwertern in einem wilden Farbwirbel, der durch unterschiedliche Malmaterialien eine tiefenräumliche Wirkung erzielt“. Gegenständlichkeit und Abstraktion schließen sich in Wolfgang Neumanns Werk nicht aus, verschmelzen oft in einer bewegten Bilderwelt. Im Mittelpunkt steht immer wieder der Mensch, aber nicht das Alltagsgesicht. Schreiend, hämisch oder unheimlich hat es den Betrachter im Blick. Oft in absurden Zusammenhängen, oft als Sinnbild und immer von herausfordernder Farbgebung umgeben. Um die Dramatik zu unterstreichen, bedient sich der Künstler  auch rundum aufgeklebter fluoreszierender Plakate. Und, weil er es „sinnlich und anregend“ findet, beschäftigt er sich mit der Kermaik. Im Vergleich zu den Dimensionen der Bilder fast puppenstubenhafte Kleinwerke, die in der Vielzahl zum Erlebnis werden – und wieder zum Grübeln Anlass geben: „Hier ist die Skulptur ein Blumentopf, der Blumentopf ein Bild und alles zusammen lässt uns ein wenig ratlos zurück“, sagt der Kunstvereinsvorsitzende.

Die Ausstellung „Raven“ mit Werken von Wolfgang Neumann ist in der Galerie im Kornhaus noch bis 6. Januar zu sehen. Geöffnet ist Dienstag bis Freitag von 14 bis 17 Uhr, Samstag 10 bis 14 und Sonntag 11 bis 17 Uhr. 

Der Künstler Wolfgang Neumann stellt beim Gmünder Kunstverein aus.
Der Künstler Wolfgang Neumann (links) im Gespräch mit dem Vorsitzenden des Gmünder Kunstvereins, Professor Dr. Klaus Ripper.

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