Noch drei Heuballen sind übrig

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Seit genau einem Jahr sitzt der Zirkus "Alaska" fast beschäftigungslos in Gmünd fest – Alois Frank mit Lebenspartnerin Natascha Köllner, den Kindern und rund 30 Tieren.

Alois Frank und sein Familienzirkus "Alaska" haben ein Hygienekonzept entwickelt. Dürfen sie nicht auftreten, sind sie auf Spenden angewiesen.

Schwäbisch Gmünd

Von Weitem kann man das blau-gelbe Zirkuszelt im Technologiepark in der Weststadt sehen, auf Koppeln drehen die Araber-Pferde ihre Runden, die Kamele stehen auf einer Weide. "Wir haben aufgebaut, in der Hoffnung, bald wieder Vorstellungen geben zu können", berichtet der Direktor des kleinen Familienzirkus Alaska, Alois Frank. Eine Hoffnung, von der die Franks im Spätherbst schon einmal Abschied nehmen mussten. Nach Monaten der "Arbeitslosigkeit und des Berufsverbots", rappelte sich die Familie auf und bot kleine Vor-Ort-Vorstellungen im Freien an. Ein neues Programm für die Wintersaison wurde einstudiert, mit viel Aufwand und finanziellen Investitionen erarbeitete die Familie eine Hygienekonzept und trennte die Sitzplätze mit Plexiglasscheiben ab. Dann kam der Lockdown und mit ihm zerbrachen die Hoffnungen auf baldige Zirkusvorstellungen.

Die sinkenden Fallzahlen ließen den Familienbetrieb mit etwas Optimismus in die Zukunft blicken, "wir haben das Training von Tier und Mensch wieder aufgenommen". Jetzt steigen die Fallzahlen und für die Familie wird die Luft immer dünner. Frank vermutet, "die Corona-Mutation wird einen Zirkusbetrieb in naher Zukunft nicht zulassen".

Finanziell am Ende

Seit genau einem Jahr ist Alois Frank mit Lebenspartnerin Natascha Köllner, den Kindern und den rund 30 Tieren in Gmünd gestrandet. Ihr erstes "Asyl" in Bettringen beim Edeka-Markt Donderer konnten Mensch und Tier nicht länger nutzen, die Tiere hätten, nur beschützt vom Tierzelt, Schäden durch die Winterzeit davon getragen. Umso glücklicher war die achtköpfige Familie, als sie kurz vor Weihnachten, auch durch Unterstützung vieler GT-Leser, eine feste Bleibe für die Tiere und eine befestigtes Areal für ihren Fuhrpark in Gmünds Westen fanden. "Wir sind der Firma Biegert und Funk sehr dankbar für die zur Verfügung gestellte Scheune." Hier fühlen sich die Tiere wohl, bei den Ziegen gab es sogar dreifachen Nachwuchs und hier lagern auch die restlichen Futtermittel für Kamele, Pferde, Hunde und Ziegen. Die drei Heuballen werden noch bis zum Wochenende reichen. Und danach? Frank weiß nicht, wie er die Tiere weiter ernähren soll, "wir sind dringend auf die Unterstützung der Gmünder Bürgerschaft angewiesen", denn finanzielle Unterstützung für die Tiere gebe es von keiner Seite.

Den Zirkus aufgeben?

Das Schlimmste, das sich die Familie vorstellen kann, wäre eine Trennung von den Tieren, "alle gehören zur Familie, viele sind bei uns geboren worden". Zur Futtersorge für die Tiere kommen massive Geldnöte, die Fahrzeuge müssen zur Hauptuntersuchung, Versicherungen sind fällig, "wenn wir Futterspenden abholen, benötigen wir auch Benzin", zählt Frank das Dilemma auf und bringt es auf den Punkt: "Wir sind finanziell am Ende."

In Bettringen seien sie präsent gewesen, immer wieder kamen Besucher und ließen Spenden zurück, in der Weststadt fühlen sich die Franks etwas verlassen, mit dem weithin sichtbaren Zelt hoffen sie auf Besucher. Parkplätze sind da, die Tiere können unter Einhaltung der Coronaverordnungen besucht werden. Das Zirkusleben aufgeben? "Wir kennen nur das Leben im Zirkus und lieben das Reisen", bekennt Alois Frank. Natascha Köllner sagt: "Wer einmal Sägespäne in den Schuhen hat, kommt davon nicht mehr los."

Futterspenden werden jederzeit angenommen und auch abgeholt. Informationen gibt Alois Frank unter 0159 01075176. Über Geldzuwendungen freut sich Familie Frank unter dem Spendenzweck "Tierfutter" unter DE 71 6001 0070 0702 6267 02.

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