So geht es nach der Insolvenz im Wirtshaus Paulaner am Marktplatz weiter

Noch immer über 100: Gastronomen müssen warten

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Familie Ljajka bleibt Betreiber des Paulaner-Wirtshauses. Nach der Insolvenz übernimmt Arijan Ljajka, der Sohn von Safet Ljajka. Wie andere Gastronomen freuen sie sich auf die Wiedereröffnung.
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Frühestens am Samstag, 29. Mai, dürfen Lokale im Ostalbkreis öffnen falls die Sieben-Tage-Inzidenz an diesem Donnerstag unter 100 sinkt.

Schwäbisch Gmünd

An Pfingsten in eine Gaststätte gehen – das wird sicher nichts mehr. Und es ist nach wie vor ungewiss, wann Gastronomen im Ostalbkreis öffnen dürfen. An diesem Mittwoch meldet das Landesgesundheitsamt eine Sieben-Tage-Inzidenz im Kreis von 100,3. Damit können die Wirte frühestens am Samstag, 29. Mai, öffnen – falls die Zahl der Corona-Neuinfektionen pro Woche auf 100 000 Einwohner an diesem Donnerstag unter 100 sinkt. Das Robert-Koch-Institut würde den Wert dann am Freitag veröffentlichen. Bleibt die Inzidenz an fünf Werktagen unter 100, würde Landrat Dr. Joachim Bläse dies am kommenden Donnerstag amtlich feststellen. Denn weder Pfingstsonntag noch Pfingstmontag zählen dabei. Zwei Tage nach der Bekanntmachung der Verfügung kann diese in Kraft treten, erklärt Landratsamtssprecherin Susanne Dietterle. Also frühestens am 29. Mai.

Wenn es so weit ist, dürfen die Wirte in Baden-Württemberg die Außen- wie auch die Innengastronomie öffnen. Das sei dem Einsatz des Hotel– und Gaststättenverbands Dehoga auf Landesebene zu verdanken, sagt Dehoga-Kreisvorsitzender Dagobert Hämmerer.

Trotz der momentanen Hängepartie rund um die Zahl 100 ist er froh, dass es für die Gastronomie „endlich eine Öffnungsperspektive“ gibt. Die wenigsten Gastronomen hätten damit gerechnet, dass es pünktlich zu Pfingsten reicht. Sie bräuchten ein paar Tage Vorlaufzeit, um das Personal und die Waren für eine Wiedereröffnung parat zu haben. Doch nun stehen die Zeichen auf Hoffnung, sagt er. Zumal die Städte Schwäbisch Gmünd, Aalen und Ellwangen daran arbeiteten, eine Impfpriorisierung für Mitarbeiter in der Gastronomie zu erwirken, berichtet er. Mit dem Landratsamt, dem Stauferklinikum und Apothekern führe er Gespräche wegen der Impfstoffbeschaffung.

Die Landesverordnung sieht vor, dass bei einer stabilen Inzidenz unter 100 in Innenräumen von 6 bis 21 Uhr mit diesen Auflagen bewirtet werden darf: Im Lokal müssen die Tische mit 1,5 Metern Abstand voneinander gestellt sein, pro 2,5 Quadratmetern Fläche ist ein Gast erlaubt. Außenbereiche wie Biergärten dürfen unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln öffnen. Gäste müssen die Bescheinigung für einen negativen Coronatest vorlegen können, der maximal 24 Stunden alt ist, und ihre Kontaktdaten angeben, erläutert Susanne Dietterle.

Gastronom Safet Ljajka hat den Betrieb des Wirtshauses Paulaner am Gmünder Marktplatz an seinen Sohn Arijan Ljajka übergeben. Im November 2020 hatte Safet Ljajka als Pächter von drei Gmünder Gastronomiebetrieben wegen Liquiditätsschwierigkeiten Insolvenz angemeldet:

Für die Stadtgarten-Gastronomie, deren Betrieb er auf Ende April abgewickelt hat. Safet Ljajka war dort ab Januar 2017 Pächter. Neue Betreiber sind Fabian Verdenik und Philipp Jordan im Team mit Hannes Barth. Die drei sind derzeit dabei, eine GmbH zu gründen, wie Fabian Verdenik erzählt. Ziel sei, die Stadtgarten-Gastronomie Mitte Juni zu eröffnen. Zu dieser gehören das Rokokoschlösschen, das Restaurant im Stadtgarten und die Gastronomie im Congress-Centrum.

Für das Paulaner-Wirtshaus, das seit diesem Monat wieder unter der Regie der Familie Ljajka stehe, wie Arijan Ljajka erklärt. Der 25-Jährige ist dort neuer Geschäftsführer, sein Vater Safet Ljajka arbeitet als Honorarkraft mit. „Die schwersten Zeiten liegen hinter uns“, ist Arijan Ljajka überzeugt. Gemeinsam mit seinem Vater hat er den Betrieb mit Insolvenzverwalter Steffen Beck von der Pluta Rechtsanwalts GmbH durch die Krise geführt. Die Familie habe dabei auch eine Einigung mit dem Verpächter erzielt, berichtet Vanessa Herzog, Sprecherin der Pluta GmbH. Das Insolvenzverfahren werde noch einige Zeit in Anspruch nehmen, auch weil rechtliche Ansprüche geprüft werden müssten.

„Wir alle haben viel gelernt im letzten halben Jahr. Und auch wenn es oftmals hart war, viele schwerwiegende Entscheidungen getroffen werden mussten, sehen wir uns heute bestens aufgestellt für die Zukunft mit unserem Gasthaus“, sagt Arijan Ljajka. Das Paulaner habe immer schon Gewinn abgeworfen. Daher sei für ihn der Blick nach vorne entscheidend: „Wir freuen uns jetzt schon sehr darauf, endlich wieder Gäste bewirten zu können.“ Bereit seien sie auf jeden Fall, und zwar mit einer neuen Karte, die weiterhin auf schwäbisch-bayerische Spezialitäten ausgelegt sei. „Wir warten nur noch auf das Go von oben.“

Für das Bistro im Bud-Spencer-Freibad, dessen Pächter Safet Ljajka bleibt. Auch dort heißt es, warten auf den Startschuss durch das Landratsamt. 14 Tage nach dem ersten Öffnungsschritt dürften die Schwimmbäder öffnen, wenn die Inzidenz weiter sinkt, erklärt Landratsamtssprecherin Susanne Dietterle. Dann braucht es noch das passende Wetter: „Fürs Freibad, aber auch fürs Paulaner wäre es schön, wenn mit dem Ende des Lockdowns auch das schöne Frühlings- und Sommerwetter einsetzen würde“, erklärt Safet Ljajka. Die Hoffnung sei groß, dass der Sommer die Wende bringt.

Safet Ljajka hat in den vergangenen Monaten übrigens an vorderster Front gegen die Pandemie gekämpft: als Mitarbeiter im Kreisimpfzentrum in Aalen. jul

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