Noten und Notizen aus der schulischen Vergangenheit

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Wochenbücher im Schulmuseum
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Das Archiv birgt „Wochenbücher“ von einst, die den Wandel sowohl im Schülerverhalten als auch in der Beurteilung zeigen.

Schwäbisch Gmünd

Im Archiv des Schulmuseums gibt es Belege aus den letzten hundert Jahren, von 1885 bis in die 60er-Jahre des 20. Jahrhunderts, in denen viele Gmünder verzeichnet sind: Wochen- und Klassenbücher von Gmünder Schulen, die zeigen, wie damals gelernt und benotet wurde. „Klösterleschule“, „Horst-Wessel-Schule“ und „Schillerschule“ steht auf den achteckigen Etiketten der grau-schwarz marmorierten DIN-A-4-Kladden mit schwarzem Rücken. Die Schillerschule, heute VHS, mit gemeinsamem Unterricht für Mädchen und Jungen, war Gmünds einzige protestantische Schule.

Schicksale früherer Zeiten

Zu finden sind darin ganze Schicksale, etwa Hermann, Sohn eines Kabinettmeisters, als sehr flatterhaft beschrieben. Er wird mit einer Gesamtzeugnisnote von zwei bis drei nach achtjähriger Schulzeit entlassen. Sein Klassenkamerad Paul, davor an mehreren Diebstählen beteiligt, schloss „befriedigend“ ab. Das war im Jahr 1922.

1921 schließt Adolf, als sehr faul und hinterlistig geschildert, mit „genügend“ ab. Eine „Eins“ in Rechnen und Raumlehre, als Gesamtnote „gut“, erreichte Karl, obwohl er wegen Hehlerei zu zwei Tagen Gefängnis verurteilt, aber begnadigt worden war. 

1919 verlässt Otto mit der Gesamtnote „drei“ als 14-Jähriger die Schule, mit „sehr gut“ in Betragen und „gut“ in Fleiß und Aufmerksamkeit, obwohl er der Tierquälerei, wiederholtem Obstdiebstahl und sittlicher Verfehlungen in der Rede überführt war. Stellt sich die Frage, ob diese Vergehen noch als Nachwirkungen des Ersten Weltkrieges einzuordnen sind.

Vermerk bei einem anderen Schüler „Abzug bei der Sittennote“, weil er seine Lehrer vor dem Elternabend beschimpft hatte. „Der väterliche Einfluss ist sehr übel“, steht bei einem Knaben, der in ein Erziehungshaus nach Ellwangen kam. Dort stellte man fest, „der Kern des Knaben“ sei „nicht so übel“ und schickte ihn zurück.

Mädchenklassen

Im Jahr 1910 liest man, dass Mathilde, Tochter eines Glasers, unterernährt und oft krank gewesen sei, aber insgesamt eine befriedigende Gesamtnote erhielt. Gertrud, die in einer Gerichtsverhandlung „keine rühmliche Rolle spielte“, wird als freche Lügnerin bezeichnet, bekommt aber insgesamt ein „Befriedigend“. Schustertochter Emilie erhielt wegen unsittlicher Gespräche einen Abzug in der „Sittennote – Betragen“ und als Zeugnisnote „genügend“.

Im Jahr 1908 fällt eine Abschluss-Mädchenklasse auf. Anna ist Kirchenschwänzerin, Maria eine vorlaute Schwätzerin, hat aber Noten von sehr gut bis gut, Paula sei eigensinnig und die andere Maria, die keinen einzigen Tag im Schuljahr fehlte, habe ein finsteres, trotziges Wesen. Obwohl eine weitere Anna trotzig und rechthaberisch ist, lauten ihre Noten „sehr gut bis gut“.

Lehrinhalte

Im Wochenbuch sind minutiös Lehrinhalte beschrieben. Fein säuberlich handschriftlich in Tinte für jedes Fach. In der Spalte „Bemerkungen“: 14. März schulfrei, am 8. Mai Belehrung „über Schutz der Wiese: kein Hasenfutter stehlen!, Reinhaltung der Brunnen etc.“., am 8. März 1948 Warnung vor Berührung von Sprengstoffkörpern, am 15. April: Warnung vor übermäßigem Eisgenuss. Im Jahr 1949 in Klasse II ist am 24. Januar von 7.30 bis 10 Uhr der Besuch des Films „Lied der Bernadette“ angesagt. Im Unterricht werden Aufsätze geschrieben: „Der Vater arbeitet“, „Die Mutter ist fleißig“, „Schneeglöckchen läutet“.

Schriftentwicklung

Die Schriftentwicklung von Kurrent- über Sütterlin bis zur Einheitsschrift ist deutlich an den Lehrereintragungen nachzuvollziehen. Besonders im Hinblick auf die Leserlichkeit: Kurrent und Sütterlin sind diszipliniert ausgeführt, also leichter zu lesen als die sich flott abzeichnende, individualisierte Lateinschrift der Nachfolgejahre.

Weitere Bilder aus dem Gmünder Schulmuseum finden Sie im Internet auf www.tagespost.de.

Der Kern ist nicht so übel.“

Eintrag in ein Wochenbuch, im Schulmuseum
Wochenbücher im Schulmuseum
Wochenbücher im Schulmuseum
Wochenbücher im Schulmuseum v.l. Karin Miller, Gerda Fetzer,Walburga Weinmann
Wochenbücher im Schulmuseum

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