Offene Rechnungen in Millionenhöhe: TSB-Sportpark in der Schwebe

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Kein Baugebinn im Laichle ohne Klarheit.
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Mitglieder sind überrascht über offene Rechnungen in Höhe von 4,2 Millionen Euro. Sachliche, aber kritische Diskussion. Früherer Vorsitzender Peter Jursch nicht entlastet.

Schwäbisch Gmünd. Bei der Finanzierung des TSB-Sportparks im Laichle gibt es große Fragezeichen. Dies zeigte die Hauptversammlung des Vereins am Dienstagabend im Stadtgarten. Ein Fragezeichen sind offene, weil ungeklärte Rechnungen in Höhe von etwa 4,2 Millionen Euro. Ein zweites, dass die Stadt Gmünd die vor etwa drei Jahren gegebene Zusage, im Laichle einen Allwetterplatz für 1,6 Millionen Euro zu bauen, nicht halten kann (lesen Sie dazu „TSB verhandelt nun mit Stadtüber Fußballplatz“). Der TSB hält aber am Bau des Sportparks im Laichle fest.

Die Vorgeschichte: Der TSB hat im Oktober 2019 in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung beschlossen, sein Gelände in der Buchstraße zu verkaufen. Der Beschluss beinhaltete, dass der Erlös mindestens 3,1 Millionen Euro netto ausmacht. Verkauft hat der TSB das Grundstück für etwa 8,2 Millionen Euro.

Was bleibt von den Millionen?

Was davon bleibt, ist aktuell unklar, wie Vorstandsmitglied Christian Kemmer am Dienstag den etwa 110 anwesenden Mitgliedern erläuterte. Danach hat der TSB bislang im Zusammenhang mit dem Verkauf des Geländes in der Buchstraße 336 000 Euro für Notarkosten, Gebühren, Vermarktung etc. bezahlt. Zudem Abschlagszahlungen in Höhe von 417 000 Euro, dies sind Anwalts- und Architektenkosten. Offen sind weitere Rechnungen: Architektenkosten in Höhe von etwa 3,8 Millionen Euro und Anwaltskosten in Höhe von etwa 440 000 Euro.

"Es gibt keinen Grund, den Sportpark auf Eis zu legen.“

Christian Kemmer, TSB-Vorstandsmitglied

„Man hört so viel, hier ist der Zeitpunkt für Klarheit“, sagte Handballer Michael Hieber zu vielen Gerüchten in der Stadt. Dies war der Auftakt zu Fragen vieler Mitglieder. In deren Fokus: die offenen 4,2 Millionen Euro, die für viele Mitglieder nicht nachvollziehbar waren. Die Rechnungen beträfen den Verkauf in der Buchstraße, sagte dazu Kemmer.

Zu den Architektenkosten sagte Kemmer, dass der Architekt seit 2012 den Auftrag gehabt habe, für das Gelände in der Buchstraße eine Baugenehmigung vorzubereiten. Die Verhandlungen über diese Summe seien ein „außergerichtliches Verfahren“. Beide Seiten seien durch Anwälte vertreten.

Kein Baubeginn ohne Klarheit

Im Laichle gebe es keinen Baubeginn ohne Klarheit über das Eigenkapital des Vereins und eine erneute Kostenkalkulation. „Alles andere wäre fahrlässig“, sagte Kemmer. Dabei sei es unmöglich zu sagen, wann es eine Einigung gebe. Das könne morgen sein, das könne in zwei Jahren sein. Doch sein Bauchgefühl sage ihm, dass es momentan keinen Grund gebe, den Sportpark auf Eis zu legen, sagte Kemmer am Mittwoch auf GT-Anfrage. Die ursprüngliche Kalkulation für den Sportpark von 2019 lag bei etwa 5,1 Millionen Euro.

Kemmer bildete seit dem überraschenden Ausscheiden des langjährigen Vorsitzenden Peter Jursch im Februar 2020 den Vorstand mit zunächst fünf, ab August vier Personen als Team. Er machte deutlich, dass „die Buchstraße kein einfaches Grundstück“ gewesen sei, zum einen wegen eventueller Belastungen, zum anderen wegen Vorgaben von der Stadt.

Ob er „harmonisch“ von seinem Amt zurückgetreten sei, fragte Handballer Andreas Hieber Jursch, der bei der Versammlung anwesend war. In der Tat sei er „sehr harmonisch zurückgetreten“, sagte Jursch. Was Kemmer erzählt habe, sei eine Erfolgsstory. Dass sich nicht alle einig seien, „auch mit den Abrechnungen“, betreffe nicht seinen Rücktritt. Er selbst bekomme „gar nichts“, betonte Jursch. „Der TSB war mein Leben, er ist mein Leben, und er wird mein Leben bleiben“, sagte der Ex-Vorsitzende. Nun müsse man schauen, was von den 8,2 Millionen Euro bleibe. Ob die Forderungen des Architekten gerechtfertigt seien, müsse an anderer Stelle geklärt werden, sagte Jursch.

Kritik an Kommunikation

Handballer Holger Sohnle kritisierte die Kommunikation innerhalb des Vereins. Nach dem Beschluss vom Oktober 2019, dass durch das Grundstück 3,1 Millionen Euro netto erlöst werden müssen, hätte kommuniziert werden müssen, dass Rechnungen in Höhe von 4,2 Millionen Euro kommen könnten. Dies sei damals nicht absehbar gewesen, sagte dazu Jursch. Der Streit beziehe sich darauf, wie Bauvolumina abzurechnen seien, sagte der frühere Vorsitzende.

Ihm und einem Stellvertreter, Klaus Hertsch, versagte die Mitgliederversammlung die Entlastung. Dies bedeutet, dass der Verein sich vorbehält, eventuell Schadensersatzansprüche geltend zu machen. Die Entlastung hingegen gab es für die Stellvertreter Jutta Horn, Michael Schettler, Helmut Schauaus, Christian Kemmer, Dirk Jentzsch und Frauenvertreterin Claudia Waldenmaier. Horn, Schettler, Kemmer und Jentzsch sowie Michael Schindler, Bernd Koziara und Ernst Heidler erhielten danach das Vertrauen der Mitglieder und bilden nun das Vorstandsteam des Vereins mit seinen gut 1600 Mitgliedern.

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