Oft hilft ein zweites Standbein

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Thomas Raschke am Goldschmiede-Arbeitstisch: Er ist bis jetzt gut über die Runden gekommen – aber nicht durch eine große Schmuck-Nachfrage.

Wie die Schmuckbranche in Schwäbisch Gmünd mit der Herausforderung umgeht. Gmünder Schmucktage auch in diesem Jahr nur virtuell.

Schwäbisch Gmünd

Die Gmünder Schmucktage 2021 kommen etwas zu früh. Zum zweiten Mal müssen Schmuckschaffende auf eine Präsentation und auf eine Begegnung mit Publikum im Festsaal des Predigers verzichten. Den Blick auf Schmuckstücke gibt‘s nur virtuell. Ab diesem Freitag zeigen 15 Schmuckbetriebe ihre Arbeiten, zusammengefasst auf der Internetseite der Stadt Schwäbisch Gmünd. Mit dabei auch das Berufskolleg für Design, Schmuck und Gerät, das im Arenhaus ausbildet.

Schmuckschaffende sehnen sich wie andere Berufsgruppen nach einer Rückkehr zur Normalität. Nicht alle sind bis jetzt gleich gut durch die Pandemie gekommen.

Thomas Raschke, Inhaber der „Goldschmiede“ in der Vorderen Schmiedgasse und Prüfungsvorsitzender der Innung, hat rechtzeitig umgestellt. „Durch die Schließung im Dezember war das Weihnachtsgeschäft weg, Ostern konnte man vergessen und das im Frühjahr gewöhnlich gute Geschäft mit Trauringen blieb aus, weil Hochzeiten verschoben werden“, sagt er. Was konstant bleibe, seien die Festkosten für Gebäude und Versicherung. Ursprünglich sei er angetreten, um durch das Schmuckgeschäft seine künstlerischen Arbeiten zu ermöglichen. „Jetzt ist es umgekehrt, die Kunst finanziert das Ladengeschäft.“ Für Thomas Raschkes Objektkunst gab es in der Zeit genügend Auftraggeber.

Die Gmünder Glaskünstlerin Alkie Osterland, die auch Schmuck herstellt, wäre gerne mit einem Stand bei den Schmucktagen vertreten gewesen. Sie selbst habe Glück gehabt, sei mit der Kunstschiene gut über die Runden gekommen. Aber in ihrem Bekanntenkreis gebe es Goldschmiedinnen und Goldschmiede, die „vor allem im Weihnachtsgeschäft 95 Prozent Umsatz weniger machten“. Dabei sei der Dezember für die Branche besonders wichtig, „da wird der Umsatz für Monate gemacht“. Der zum Jahresende erzielte Gewinn trage viele Goldschmiede bis ins Frühjahr hinein. Weil Geschäfte aber Anfang Dezember noch offen hatten, habe es keine Dezemberhilfe gegeben. Das ständige Auf und Zu habe „die Kundschaft auch noch verunsichert, mit der Folge, dass die Leute gar nicht gekommen sind“.

Martina Peter von der „Delta Schmuckgestaltung“ in der Kornhausstraße schätzt es, dass „wir gut durch die Zeit gekommen sind“. Das Geschäft habe sich am neuen Standort etabliert, der Bekanntheitsgrad – das Unternehmen gibt es seit 1988 – habe zum Erfolg beigetragen. „Nun hoffen wir auf einen Nachholeffekt“, sagt Martina Peter. Schließlich habe die Kundschaft ein Jahr lang weniger Geld ausgegeben, das vielleicht jetzt investiert werde.

Auf Dauer hinter den Kulissen zu arbeiten, das ist für Thomas Raschke auch frustrierend. Seine gemeinsam mit dem Künstler Andreas Welzenbach aufwendig inszenierte Ausstellung im Kunstmuseum Heidenheim 2020 - „Albabstieg – eine Heimatinstallation“ wurde virtuell eröffnet, zwei Mal verlängert und schließlich geschlossen, ohne dass je Besucher drin waren. Zwei Jahre Vorbereitung, ein Ausstellungskatalog und jede Menge Aufbauarbeit fielen der Pandemie zum Opfer. Ähnliche Erfahrungen macht er als bestellter Juror eines Schmuckwettbewerbs 2020: „Der Termin wurde vier Mal verschoben und dann ganz abgesagt.“

Was (vielleicht) geht

Was bleibt, ist der Ausblick auf die Zeiten nach der Pandemie. Alkie Osterland ist guter Dinge, dass die „Schmuckmesse 126“ vom 1. bis 3. Oktober stattfinden kann. Seit der Gründung 2015 zählt sie deutschlandweit zu den bedeutendsten Branchentreffs. Schon vorher, nämlich ab 20. Mai, ist die „Gedok“, die Gemeinschaft der Künstlerinnen und Kunstfreunde Stuttgart zu Gast im „Labor im Chor“ im Prediger. Zu sehen sind Arbeiten rund um das große Thema Insektensterben: „Positionen zur Abwesenheit“ heißt die Ausstellung mit kunsthandwerklichen Arbeiten und Schmuck. Geplant ist bis jetzt eine Eröffnung auf dem Johannisplatz, falls das bis dahin möglich ist.

Die Kunst finanziert das Ladengeschäft.“

Thomas Raschke,, Goldschmiedemeister und Künstler

Schmucktage gibt's auch 2021 nur digital

Die 21. Gmünder Schmucktage vom 14. bis 21. Mai finden wegen der Corona-Pandemie in diesem Jahr in virtueller Form statt. Dazu haben sich die Schmuckschaffenden und die Touristik und Marketing GmbH entschlossen. Die virtuellen Besucher haben die Möglichkeit, über die Homepage der Stadt (www.schwaebisch-gmuend.de) auf die Seiten der teilnehmenden Schmuckschaffenden zu kommen. Viele Bilder zeigen die ganze Bandbreite von Schmuck und Schmuckdesign aus Gmünd.

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