„Ohne Geist nichts los“

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Dekan Robert Kloker bei seiner Pfingstpredikt im Münster im Marienmonat Mai.
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Beim Pfingstgottesdienst im Münster sprach Dekan Robert Kloker Klartext und kritisiert eine Kirche, die sich von den Menschen absondert.

Schwäbisch Gmünd

Ohne Moos nichts los“ – mit dieser oberflächlichen Erkenntnis begann Dekan Robert Kloker seine Pfingstpredigt im Münster, um ihr sogleich eine andere Wahrheit gegenüberzustellen: „Ohne Geist nichts los.“ Denn viel Wichtiges gebe es nicht für Geld zu kaufen. Als Beispiel nannte er Inspiration, Begeisterung, Solidarität, Verständigung und ein gelingendes Miteinander. All dies müsse dem Menschen geschenkt werden, womit Kloker zum Heiligen Geist hinüberleitete: „Feiern wir heute, dass uns Gott Geist ins Herz legen will.“

In der Lesung aus der Apostelgeschichte erzählt Lukas, wie 50 Tage nach Ostern Gott den Heiligen herab sendet, was als Geburtsfest der Kirche gilt: „… und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Und alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt.“ Pfarrer Kloker fasste das zusammen: Jesus war ermordet worden, und die Menschen haben Angst und schließen sich in ihren Häusern ein. „Haben sie sich Mut eingeredet oder resigniert? Wir wissen es nicht.“

Helfen könne vielleicht die simple Deutung eines Schülers: Petrus sei in der Situation der Angst der Kragen geplatzt und er habe sich gesagt, so könne es nicht weitergehen. „Sie fassten sich ein Herz, stürmten die Tür und erzählten den Menschen draußen von Auferstehung“, so seine Sicht. Und sie wurden auch von den Menschen verstanden, die nicht ihre Sprache, das galiläische Aramäisch, sprachen. Kloker folgerte: „Inhalte mussten sie nicht verstehen“ – ihre Ausstrahlung, ihre Begeisterung, ihre Betroffenheit und ihr Mitteilungsdrang zeigten Wirkung. Aus den Aposteln waren überzeugende Zeugen geworden.

Den Heiligen Geist versuchte Kloker auch durch einen derzeit nahe liegenden Vergleich zu fassen: „Was ist das? Du siehst es nicht, du hörst es nicht, aber es ist allgegenwärtig.“ Es verwundere nicht, wenn viele bei dieser Beschreibung an das Corona-Virus denken, das hochgradig ansteckend ist und tödlich sein kann. Corona führe uns anschaulich vor Augen, dass es Kräfte gibt, die mächtig wirken, auch wenn sie niemand direkt sehe und höre. „So ähnlich stelle ich mir den Heiligen Geist vor“, leitete Kloker zu Pfingsten über. Ein Geist habe damals gewirkt, den niemand gesehen habe.

Der Münsterpfarrer übertrug das Geschehen auf heute und spielte auf den Reformstau in der Kirche an: Erneut brauche die Kirche einen Petrus, dem der Kragen platzt, bis hinein in die vatikanischen Gemächer. „Wenn wir uns als Kirche von den Menschen und ihrem Alltag absondern und uns in internen Macht- und Kompetenzspielchen beharken, kann die Welt getrost auf uns verzichten.“ Mit dem Theologen Karl Rahner mahnte er: Den Heiligen Geist könne man nicht machen, aber man könne sich ihm verschließen. „Abstand und Mundschutz brauchen wir als Corona-Maßnahmen, aber den Heiligen Geist können wir nicht nah genug an uns heranlassen“, befand Kloker.

Musikalisch umrahmt wurde der Gottesdienst von den Solisten des Münsterchores Silke Wienerroither, Susanne Wiker, Michael Belko und Ulrich Weber unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Stephan Beck; an der Orgel spielte Susanne Rott. Neben der „Messe breve“ von Charles Gounod beeindruckte besonders die Pfingstsequenz „Veni, Sancte Spiritus“ mit einem beschwörenden tiefen Bass, der von einer hellen Sopranstimme überlagert wird.

Der Pfingstgottesdienst, der auch live gestreamt wurde, ist auf https://gd.gottesdienst.digital/ weiterhin abrufbar.

Die Ausstrahlung und Begeisterung wirkten.“

Robert Kloker,, Dekan und Münsterpfarrer

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