Ostern leugnet den Tod nicht

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Robert Kloker

Was bedeutet das Osterfest gerade in den schwierigen Zeiten der Corona-Pandemie? Gedanken dazu von Dekanin Ursula Richter und Dekan Robert Kloker.

Schwäbisch Gmünd

Die Ostertage stehen bevor – das älteste und höchste Fest im Kirchenjahr. Der Dekan und Münsterpfarrer Robert Kloker sowie die evangelische Dekanin Ursula Richter haben sich dazu ihre Gedanken gemacht.

Robert Kloker:Bereits zum zweiten Mal feiern wir das Osterfest in der Corona-Pandemie. Aber im Vergleich zum letzten Jahr betrauern wir mittlerweile in unserem Land weit über 75 000 Tote, die in Folge dieser Virus-Erkrankung gestorben sind. Können wir da überhaupt Ostern feiern?

Ja, denn auch die Ostererzählungen beginnen mit dem Tod. Menschen eilen zum Grab. Zuerst sind es die Frauen. Sie wollen den Leichnam Jesu salben. Das Konkrete, die Realität ist der Schmerz des Todes. Ein Mensch ist nicht mehr unter uns. Wir vermissen ihn. Das Herz tut weh. Die Erinnerung ist da, aber nichts ist mehr so wie vorher. Mit dieser Szene beginnt der Ostermorgen. Das ist Auftakt nach dem Karfreitag und dem Sabbat.

Mit dem Tod und dem Begräbnis Jesu beginnen ebenfalls die Predigten der Jünger in der Apostelgeschichte. Der Apostel Paulus verkündet Jesus Christus als den Gekreuzigten, der auferstanden ist. Es sind die Apostel, die sich mit dem Tod Jesu intensiv auseinandersetzen müssen. Es gibt kein Ostern ohne die Erinnerung an den Tod und die Sterblichkeit des Lebens. Ostern blendet den Schmerz und die Endlichkeit, die Trauer und die Verzweiflung nicht aus.

An Ostern ist nicht unbedingt alles Leid verklärt, wie es in einem bekannten Kirchenlied heißt. Der Schmerz und die Trauer, die Einsamkeit und das Ende, für das der Tod steht, das ist nicht vorbei. Das begleitet Menschen seit den Ostererfahrungen im Neuen Testament bis zu den Menschen unserer Zeit.

Der Osterglaube ermutigt uns aber zu vertrauen, dass Leid und Tod etwas mit Ostern zu tun haben. Der Auferstehungsglaube leugnet nicht den Tod. Aber er lässt den Tod nicht alleine stehen. Zum Tod tritt die Verheißung neuen Lebens hinzu. In jedem Moment des Scheiterns, der Lebensferne und der Einsamkeit tritt dieser Funke Hoffnung hinzu. An Ostern nimmt Gott uns hinüber über die Schwelle. Es ist nicht gesagt, was wir erfahren. Jeder erlebt Ostern anders. Aber an Ostern bekennen wir – und das vereint über alle Zeiten und Räume hinweg – , dass jemand über diese Schwelle gegangen ist – Jesus Christus. Er bleibt unser Hoffnungsträger dafür, dass uns im Tod das Leben blüht.

So wünsche ich den Lesern in aller Erfahrung der Sterblichkeit und Endlichkeit menschlichen Lebens die österliche Hoffnungsperspektive!

Ursula Richter: "Christus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!" Hoffnungsvolle Botschaft in einer Zeit, in der wir das zweite Osterfest während der Pandemie feiern. Wir feiern Ostern mit Schutzkonzepten. Begegnen uns möglicherweise nur digital.

Öfters werden wir gefragt: Was habt ihr für eine Botschaft in Zeiten der Krise, ihr Kirchenleute? Botschaften gibt's als Gedankenanstöße in Kircheneingängen, auf Wäscheleinen, in der Zeitung, bei Gottesdiensten in Gemeinschaft und gestreamt zum Mitfeiern zuhause, dazu diakonische Dienste von Mensch zu Mensch. Zu Weihnachten war die Botschaft "Gott wird Mensch: Fürchtet euch nicht, ich bin bei euch". Zu Ostern: "Christus ist auferstanden."Doch ein Volk liegt darnieder. In der weiten Welt viele Menschen noch mehr. Zugang zu Kraftreserven und Hoffnungsbilder sind nötig.

Mein bisher lästig durch die Platten des Dekanatseingangs immer wieder ausgerupfter und immer wieder auferstehender Löwenzahn wurde mir letztes Frühjahr zum Hoffnungsbild, es hielt den Winter durch und ersteht erneut zu Ostern 2021: Sinnbild für die Lebenskraft dieser Zeit durch Widrigkeiten hindurch, sich nicht beirren lassen durch Verschwörungstheorien. Wir haben nüchtern und wach zu bleiben. Wir haben mit unserer Wurzelkraft verbunden zu bleiben. Ostern, eingeschränkt gefeiert, wird zum Löwenzahnfest. Christus ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden! Der "ich bin bei dir!" ist es auch in Abgründen und im Tod. Der "Fürchte dich nicht!" auch an unserm Ende und darüber hinaus. Bei all den schönen Frühlingsknospen vergleiche ich Jesus Christus und die Kraft der Auferstehung mit dem Löwenzahn. Königliche Pflanze! Vieles andere scheint "König" zu sein und drückt uns nieder zu Ostern 2021. Existenzängste, Wut Einsamkeit, Dummheit und Lügen, Aussichtslosigkeit, Leid und Tod. Erschöpfung. Bei allen.

Wie sehr brauchen wir Wurzelkräfte und Löwenzahnmächte! Bei der Taufe sprechen wir einem Kind oder Erwachsenen zu: "Du gehörst zu Jesus Christus." Du gehörst dem "Löwenzahn." Im Leben und im Sterben. Auch im Frühling 2021 und den folgenden Monaten. Seine Kraft soll mit Dir sein! Vertraue! Wie gut, wenn in seinen Spuren wir mit zarter beständiger Löwenzahnkraft Frühlingsknospen entwickeln: Frieden wirken, achtsam sind mit Mitmensch und Umwelt, Not sehen, teilen. Und in Verbindung mit der Wurzelkraft bleiben. Gebet, Gottesdienst und gutes Wirken von Mensch zu Mensch und in Gesellschaft und Welt – all das sind Löwenzahnsignale. Sie vergegenwärtigen: Christus ist auferstanden. Wahrhaftig. Er lebt. Leben ist stärker als der Tod und seine Mächte.

Ursula Richter

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