Parkkosten: Stadt will bei Anwohnern kräftig hinlangen

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Bald viermal so teuer? Rund 230 Bewohnerparkplätze gibt's aktuell in Gmünd - für 773 Parkausweis-Inhaber.
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Neue Regeln werden diskutiert: Mehr Kosten fürs Anwohnerparken, keine Preissteigerung bei den allgemeinen Parkplätzen in der Stadt.

Schwäbisch Gmünd

Mit 30 Euro im Jahr ist Tayfun Türkyilmaz dabei: So viel zahlt der Gmünder, der in der Vorderen Schmiedgasse wohnt, derzeit für seinen Anwohnerparkausweis. Die Stadtverwaltung plant nun, diese Jahresgebühr zu vervierfachen: 120 Euro sind dafür in der neuen Parkgebührensatzung der Stadt künftig vorgesehen. Die neue Satzung liegt den Gemeinderäten im Verwaltungsausschuss in dieser Woche zur Beratung vor.

120 statt 30 Euro im Jahr

Mit der Erhöhung würde Gmünd im Vergleich mit Nachbarstädten eine Vorreiterrolle einnehmen: In Aalen, Göppingen und Schorndorf müssen Anwohner derzeit ebenfalls 30 Euro pro Jahr für ihre Parkberechtigung bezahlen, über eine Erhöhung wird in Göppingen und Schorndorf zunächst nur diskutiert. Waiblingen ist da weiter: Dort ist die Parkgebührensatzung geändert worden, für einen Bewohnerparkausweis sind im Moment 80  Euro pro Jahr fällig, ab dem 1.  Januar 2023 wird auf 120 Euro jährlich erhöht.

Bei der Gmünder Stadtverwaltung hält man diesen Betrag für angemessen. Die aktuelle Gebühr stehe „in keinem Verhältnis mehr zum tatsächlichen Wert von öffentlichen und knappen Parkflächen“, so argumentiert die Verwaltung. Schließlich koste ein privat angemieteter Stellplatz in der Innenstadt zwischen 50 und 70 Euro pro Monat.

So einen Platz hat ein Mieter dann aber sicher – was Tayfun Türkyilmaz nicht von sich behaupten kann. Einen garantierten Stellplatz sieht die Parksatzung für die Inhaber von Parkausweisen ausdrücklich nicht vor. Ein „konkreter Anspruch auf einen Parkplatz“ ist damit nicht verbunden, rein zahlenmäßig geht das gar nicht: In Gmünd gibt es rund 170 Bewohnerparkplätze in der Kernstadt, etwa 60 weitere in der Oststadt. An Bürger, die dort wohnen, sind aktuell 773 Parkausweise ausgegeben – das macht im Durchschnitt fast vier Parkausweisbesitzer je Stellplatz.

Es ist ein Glücksspiel, wenn Tayfun Türkyilmaz einen Parkplatz in der Nähe seines Hauses sucht. „Manchmal muss ich 20 Minuten rumfahren, bis ich einen Platz ergattere“, sagt er. Teilweise parke er darum gleich außerhalb der Innenstadt im Becherlehen. Und wenn er einen Parkplatz in der Innenstadt hat, versuche er an Wochenenden sein Auto „so wenig wie möglich zu bewegen“. Weil da die Falschparker kommen: „Besonders bei schönem Wetter strömen die Leute in die Stadt und parken die Stellplätze voll.“

Wenn sich Tayfun Türkyilmaz etwas wünschen könnte, dann das: „Dass es durch eine gut sichtbare Beschilderung kenntlich wird für jeden, dass hier Anwohnerparkplätze sind.“ Das sei verbesserungsfähig, findet der: „Ich glaube, dass viele da gar nicht aus bösem Willen parken.“

Was mit der neuen Satzung nicht teurer werden soll, ist das Parken an Parkautomaten in der Innenstadt – obwohl das den verkehrspolitischen Zielen von Gmünd entsprechen würde: Dass Autofahrer vorrangig in die Parkhäuser fahren sollten, um damit den so genannten Parkplatzsuchverkehr zu verringern und mehr Leute in den Bus oder aufs Rad zu bringen, das ist seit Jahren eine Leitlinie in der Stadtpolitik. Der Parksuchverkehr ist längst nicht ausgestorben in Gmünd. Die Schmiedgassen waren bis zur eingeführten Verkehrsberuhigung ein perfekter Platz dafür, weil man dort praktischerweise auch zwei-, dreimal im Kreis fahren konnte. Im Turniergraben etwa kann man die Suchfahrer am Samstagvormittag heute noch oft beobachten.

Göppingen: 20 Minuten gratis

Im Moment zahlt man in Gmünd für bis zu 30 Minuten 50 Cent, bei einer Parkzeit von 30 bis 60 Minuten 1,50 Euro; an manchen Plätzen, wo man noch länger stehen darf, für 60 bis zu 90 Minuten zwei Euro. Hier zu erhöhen, scheint der Stadtverwaltung aktuell zu riskant – wegen „der schwierigen Situation im Einzelhandel und der Gastronomie“, so das Argument. Und aus Wettbewerbsgründen: Auch in den Nachbarstädten kostet Parken außerhalb der Parkhäuser derzeit nicht mehr als in Gmünd. In Göppingen sind sogar die ersten 20 Minuten umsonst.

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