Pergola wartet im Carport

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Tag des offenen Denkmals, Herrgottsruhkapelle. Foto: Jan-Philipp Strobel
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Viel schützenswerte Bausubstanz gibt es in der ältesten Stauferstadt, manchmal ist der Erhalt eine Mammutaufgabe, das zeigt der Tag des offenen Denkmals 2022.

Schwäbisch Gmünd

Am Tag des offenen Denkmals kann Gmünd mit seinen Pfunden wuchern, so auch am Sonntag. Ein Schwergewicht stand im Fokus: die alte Synagoge in der Imhofstraße, wo um 11 Uhr der Veranstaltungsreigen begann. Ein Schwergewicht ist das stattliche mittelalterliche Gebäude in zweierlei Hinsicht, das machten Stadtarchivar Dr. Niklas Konzen und Sandra Bosch vom Amt für Stadtentwicklung, Stadtsanierung und Denkmalschutz deutlich: Zum einen als einzigartiges Baudenkmal, das im 13. Jahrhundert von der jüdischen Gemeinde als Judenschule multifunktional genutzt wurde. Ein Schwergewicht aber auch, wenn es um den Erhalt geht. Deshalb passte er perfekt zu dem Motto: „KulturSpur. Ein Fall für den Denkmalschutz“.

Derzeit ist das Haus lediglich provisorisch gesichert; als nächstes stehe eine dauerhafte statische Sicherung an, erklärte Sandra Bosch. Das Ziel ist eine behutsame Sanierung, die die ursprüngliche Nutzung sichtbar macht, ohne die spätere Nutzung als Wohnhaus zu verwischen. Mit einem Mix aus städtischen Geldern, Geld von der Denkmalschutzbehörde und Spenden soll das Mammutprojekt gestemmt werden.

Im Innern des Gebäudes, das derzeit noch in desolatem Zustand ist, erläuterten Bosch und Konzen, wie klar der einstige Aufbau des Baudenkmals an dem Gemäuer abgelesen werden kann: eine bauzeitliche Malschicht zeigt, dass sich über dem Keller ein hoher Saal befand. An der Wand rechts vom Eingang sind Dübel zu sehen, die darauf hindeuten, dass sich an dieser Stelle eine für Synagogen typische Stiftertafel befand. Typisch für eine religiöse Nutzung sind auch die Treppen, die im Innern nach unten führten. Konzen verwies auf den Psalm 130: „Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir: Herr, höre meine Stimme!“ Viele Synagogen seien so gebaut, dass der Hauptraum tiefer liegt.

Gespannt lauschten die rund zwanzig Teilnehmer der Führung, als es darum ging, wie die Imhofstraße 9 nach der Restaurierung genutzt werden soll: Die Stadt und die Stiftung Heiligenbruck wollen das Haus für Ausstellungen nutzen, die sich mit der vormodernen jüdischen Geschichte beschäftigen. Auch sollen Veranstaltungen wie interreligiöse Dialoge möglich sein, und eine Wohnung soll eingerichtet werden, in der etwa ein Philosoph mit Fluchterfahrung für eine bestimmte Zeit forschen und residieren könnte.

Verein für die Pergola?

Eingebettet war die Synagoge am Sonntag in die Geschichte des jüdischen Viertels, auf das der Stadtarchivar ebenfalls einging, beginnend mit der Mikwe, die unter der Sparda-Bank Anfang der 1990er-Jahre entdeckt wurde. Sie kam zutage, als an dieser Stelle ein altes romanisches Steinhaus abgerissen wurde. Heute würde man mit einem solchen Fund anders umgehen, erklärte Bosch, damals habe man das Neubauvorhaben einfach durchgezogen. Bei einem älteren Teilnehmer kamen Erinnerungen an einen Mühlbach auf, der links am Gebäude vorbeifloss. Dahinter befindet sich die alte Judenmühle. Dass es sich im 13. Jahrhundert um eine große und wohlhabende Stadt gehandelt haben muss, könne man an der Reichssteuerliste von 1241 ablesen: Gmünd nimmt mit einem Steueraufkommen von 152 Mark Silber unter den 92 Orten im Reich den zehnten Platz ein. Weil Juden als Fernhändler und Geldverleiher eine wichtige wirtschaftliche Funktion innehatten, sei der Stadt daran gelegen gewesen, Juden anzusiedeln.

Ein weiteres Objekt, das nur durch Spenden gerettet werden kann, ist die Pergola in der Lindenfirststraße, die einsturzgefährdet war und abgebaut werden musste. Derzeit lagert sie im Carport. Der Eigentümergemeinschaft, auf deren Grundstück sie sich befindet, ist viel am Erhalt gelegen, weshalb sie einen Verein gründen will, mit dessen Hilfe die Pergola nachhaltig erhalten und wiederaufgebaut werden soll. Falls dies nicht klappen sollte, müssten sie einen Antrag auf Liquidation stellen und die abgebauten Teile entsorgen, erklärte Nadine Kaiser von der Eigentümergemeinschaft.

Weitere Stationen waren der Leonhardsfriedhof, wo Johannes Schüle zu Grabdenkmalen führte, die St. Leonhardskirche, wo Alfred Dujim jüngste Geheimnisse der heiligen Ursula lüftete, und das Münster, wo Architekt Paul Waldenmaier die Restaurierungen erläuterte.

Tag des offenen Denkmals, Domus Judaeorum. Foto: Jan-Philipp Strobel
Tag des offenen Denkmals, Leonhardskirche. Foto: Jan-Philipp Strobel
Tag des offenen Denkmals, Domus Judaeorum. Foto: Jan-Philipp Strobel
Auch in der Ott Pauser'sche Silberwarenfabrik konnten sich Interessierte umsehen.
Ein Schwergewicht der Denkmalpflege stand im Fokus: die alte Synagoge in der Imhofstraße.

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