Pflegende wünschen sich Entlastung

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  • Anke Schwörer-Haag
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  • Michael Länge
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Pflegekräften geht es nicht zuallererst um Geld, sondern um Wertschätzung und mehr Personal. Was Gmünds Abgeordnete dazu sagen.

Schwäbisch Gmünd

Ob Pflegedienstleiterin Elke Hoyer vom Stauferklinikum, ob die Pflegekräfte der Stiftung Haus Lindenhof, ob Nicole Hein von der katholischen Sozialstation, Hannes Schaaf aus dem Pflegeheim im Lorcher Kloster oder Sandra Gasic aus dem Demenzzentrum in Heubach: Pflegende im Raum Gmünd nennen, wenn sie ihre Wünsche beschreiben, nicht an allererster Stelle Geld, sondern Entlastung durch mehr Personal. Und Wertschätzung für den Pflegeberuf in der Gesellschaft. So lassen sich die Stimmen der Pflegenden, die in der GT-Weihnachtsaktion für Pflegekräfte zu Wort gekommen sind, bündeln. Die GT hat die in unserer Zeitung erschienenen Berichte an die für Gmünd und Umgebung zuständigen Abgeordneten in Bund und Land überreicht. Zum Abschluss der Aktion berichten wir, was sie zu den Wünschen sagen.

„Ich finde diese Aktion sehr gelungen, denn sie lenkt den Fokus auf ein wichtiges Thema“, sagt die CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Inge Gräßle. Ausgesprochen gut gefalle ihr, dass „Praktikerinnen und Praktiker direkt zu Wort kommen und die Innensichten damit ungefiltert formuliert sind“. Die GT-Aktion zeige das „Erfüllende und den Reichtum, den dieser Beruf zu bieten hat“. Deshalb sei es ihr wichtig, dass „nicht zuerst Negatives über Pflegeberufe geredet wird“. Und sie wehre sich auch gegen die Behauptung, die Pflege werde kaputtgespart. Vielmehr seien es die immer weiter steigenden Standards, die es schwer machen, die Infrastruktur zu erhalten und auszubauen. Gräßle findet einen freundlichen und wertschätzenden Umgang für die Pflege wichtig, aber auch für alle anderen Berufe - von der Supermarktkasse über die Feuerwehr bis hin zur Polizei. „Uns muss es gelingen, dass alle sagen können, dass sie einen guten Beruf haben, den sie unter guten Bedingungen ausüben können.“

„Eine Pflegekraft darf nie mehr eine Nacht lang allein sein auf einer Station“, sagt Gmünds Grünen-Bundestagsabgeordnete Ricarda Lang. Dafür brauche es einen festen Personalschlüssel. Sie wolle dazu beitragen, dass die Pflegekräfte, „Pfeiler unserer Gesellschaft“, ihre Arbeit gut machen könnten. Sie müssten als Stützen der Gesellschaft anerkannt werden, zum Beispiel durch Arbeitszeiten, die den Beruf mit der Familie vereinbar machen. Lang hat 2020 Besuche in Pflegeeinrichtungen in ganz Deutschland gemacht. Die Pflegenden hätten ihr gesagt, dass sie „kein Danke mehr“ wollen, sondern, „dass sich politisch etwas verändert“. Dies sei ein Schwerpunkt der Koalitionsverhandlungen gewesen, sagt Lang.

Sie danke für diese Aktion, „die die Pflegekräfte als Profis vor Ort zu Wort kommen lässt“, sagt die Grünen-Landtagsabgeordnete Martina Häusler. Für die Landesregierung hätten die Bereiche Gesundheit und Pflege einen hohen Stellenwert. Der „noch ausstehenden inhaltlichen und finanziellen Wertschätzung, besonders deutlich geworden durch die Corona-Pandemie, wird bereits begegnet“, sagt Häusler. Sie nennt „erste Verbesserungen“: Die generalisierte Ausbildung und die Einführung einer Pflegekammer in Baden-Württemberg seien auf den Weg gebracht. „Dem zu geringen Ansehen der Pflegeberufe wird durch eine neue Kampagne entgegengesteuert“, sagt Häusler. Diese Kampagne hebe unter anderem die Sicherheit und Vielfältigkeit dieser Arbeitsplätze hervorhebt. Die Reduzierung von Bürokratie in der Pflege soll durch intelligente Digitalisierung erreicht werden.

Die wichtigste Erkenntnis der GT-Serie deckt sich mit Tim Bückners Erfahrung: Pflegekräften geht es zuallererst gar nicht um Geld – sondern um Wertschätzung und Entlastung. Bückner ist pflegepolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Landtag und Mitglied im Sozialausschuss. Vor einigen Wochen sei er im Stauferklinikum gewesen: „Ich habe mir die Situation angeschaut und ungeschminkt schildern lassen.“ Warum ist in den letzten Jahren so wenig verbessert worden? Politik habe generell ein Problem, sagt er: „Wir springen der Entwicklung hinterher.“ Wieder vorne dran zu kommen, das sei „irrsinnig schwer“. Beim Thema Pflege komme hinzu, dass die Zuständigkeiten stark geteilt sind. Trotzdem: Er will sein Möglichstes tun. Den Ordner mit den Artikeln, der die GT-Weihnachtsaktion zum Thema Pflege dokumentiert, werde er mit nach Stuttgart nehmen, sagt Bückner.

Die GT wollte die Mappe mit Berichten der GT-Aktion auch dem AfD-Landtagsabgeordneten Ruben Rupp überreichen. Er reagierte jedoch weder auf Anrufe noch auf eine Mail. Fotos: Tom

Pflegekräfte als Profis vor Ort kommen zu Wort.“

Martina Häusler, Landtagsabgeordnete B90
  • Die GT-Weihnachtsaktion 2021 für Pflegekräfte
  • Die ständig präsente Sorge um eine ausreichende Anzahl an Pflegekräften in der Corona-Pandemie brachte uns auf die Idee: Die Gmünder Tagespost sammelte mit ihrer Weihnachtsaktion 2021 nicht, wie in den Vorjahren, Geld für gute Zwecke. Die Redaktion weiß aus früheren Weihnachtsaktionen ohnehin, dass Geld nur ein Teil der Aktion ist. Ein anderer: Eine Einrichtung oder Initiative, ob wie im vergangenen Jahr das Klosterhospiz oder davor die Armenienhilfe, wird in den Mittelpunkt gestellt und erfährt damit viel Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Diese Aufmerksamkeit wollte die Redaktion mit Berichten aus dem Stauferklinikum, aus der mobilen Pflege und aus unterschiedlichen Pflegeheimen im Gmünder Raum in diesem Jahr Pflegekräften mit ihren Sorgen und ihren Nöten zukommen lassen. mil

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