PH Gmünd forscht mit Risiko-Patienten

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Positiver Ausblick: Das Forschungsprojekt der Gmünder PH bestärkte auch die Co-Forschenden aus der Hochrisikogruppe. Das Bild zeigt einen der Teilnehmer der Studie.

Leben mit Hochrisiko in der Pandemie: Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd mit dem Forschungsprojekt „Photovoice Studie Corona“.

Schwäbisch Gmünd. „Ich fühle mich wie ein Buddha, zwar allein, aber umgeben von schönen Dingen“, sagt Magdalena, 25 Jahre, die an einer Tumorerkrankung, zudem an Immunschwäche und Diabetes leidet, über ihr Leben während der Corona-Pandemie. Die Studentin gehört zur Hochrisikogruppe. Dazu zählen Personen, die durch Covid-19 ein stark erhöhtes Risiko haben, in einer Klinik versorgt werden zu müssen oder zu versterben.

Magdalena ist die Jüngste von insgesamt sieben HochrisikopatientInnen, die als Co-Forschende (die Namen sind anonymisiert) am Forschungsprojekt „Photovoice Studie Corona“ der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd teilgenommen haben. „Unser Anliegen ist es, Einblicke in den Alltag der Hochrisikogruppe zu gewinnen und Außenstehende für deren Belange zu sensibilisieren“, sagt Professorin Dr. Marlen Niederberger, die das Projekt betreut.

Wie wichtig dieses Anliegen auch für die Betroffenen ist, zeigt die Teilnahme des ältesten Co-Forschenden Josef. Der 83-Jährige litt an einem Lungenödem und beteiligte sich trotz schlechtem Gesundheitszustands am Projekt. Er starb im April 2021. Er war der Meinung, „dass die Gesellschaft ein Recht darauf hat, zu erfahren, wie es Menschen mit schlimmen Krankheiten im Alltag ergeht und mit was sie jeden Tag zu kämpfen haben.“

Die Forschungsmethode „Photovoice“ folgt dem Ansatz der partizipativen Gesundheitsforschung. Das heißt, Forschung bleibt nicht länger ein Privileg von Wissenschaftlern, sondern ist eine Co-Produktion aller Projektbeteiligten. Die Co-Forschenden erstellten dafür Fotos aus ihrem Leben und näherten sich damit selbst erarbeiteten Forschungsfragen. „Dadurch soll unter den Co-Forschenden ein kritischer Dialog ermöglicht werden, der sie unterstützt, ihre Stärken und die Bedürfnisse ihrer Community besser erkennen und reflektieren zu können“, sagt Niederberger. Im Idealfall werden Politik und Gesellschaft zu strukturellen Veränderungen animiert.

Die Co-Forschenden hatten zwei Forschungsfragen formuliert, die sie im Forschungsprozess beantwortet haben: Wofür bin ich dankbar? Was bedeutet Corona für mich? So berichtet Theo, 58 Jahre, der an Folgeerkrankungen eines Schlaganfalls sowie am metabolischen Syndrom leidet, dass ihm besonders die Freiheit fehle, „die zu treffen, die ich liebe und mag. Das empfinde ich als sehr belastend und ich fühle mich oft einsam.“

Doch die Co-Forschenden erlebten auch viele positive Dinge. Die 45-jährige Regina, die eine primär sklerosierende Cholangitis und eine Zystenniere hat, schätzt an der Situation, dass sie nun zu ihrer Krankheit stehen könne, „ohne dafür negativ stigmatisiert zu werden“. Auch die drei Wissenschaftlerinnen der PH, Prof. Dr. Marlen Niederberger sowie die Studentinnen Madlen Götz und Saskia Redlof, stellten positive Effekte auf die Co-Forschenden fest. Durch die Forschungsfragen und die Gruppengespräche in den Workshops nahmen die Co-Forschenden ihre Situation als Hochrisikogruppe positiver wahr als vor dem Projekt. Weiter beobachteten sie die Entstehung eines Gemeinschaftsgefühls und eine Stärkung der Autonomie - und die Co-Forschenden erlangten neues Wissen.

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