Photovoltaik: Was Gmünds Dächer drauf hätten

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Einige haben schon, viele könnten noch: Vom Potenzial an Dachflächen in Gmünd, die für Photovoltaikanlagen in Frage kommen, soll mit Unterstützung durch die Stadt mehr gehoben werden. Im Bild Dächer im Straßdorfer Neubaugebiet Käppelesäcker. Foto: jps
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Was geben Gmünds Dachflächen her, wenn man überall eine Photovoltaik-Anlage draufpackt? Eine Studie kommt auf maximal 447 Megawatt Leistung.

Schwäbisch Gmünd

Hausbesitzer können testen, was ihr Dach als Solarfläche hergeben würde – die Verwaltung hat den Überblick übers ganze Stadtgebiet: Dafür sorgt die neue Software von „greenventory“, die ab sofort als digitales Solardachkataster für Gmünd zur Verfügung steht.

Gut 32  000 Euro hat Gmünd investiert in das „Google Maps der Energie“ – so wirbt die Firma für ihre Software zur „digitalen Entscheidungsplanung“. Hausbesitzer können damit ein Solardach ähnlich übers Internet planen wie Autokäufer ihre möglichen Neuwagen. „Damit ist es spielerisch und einfach, sich eine potenziell Anlage zu konfigurieren“, sagt greenventory-Chef Dr. Sven Killinger. Die Stadt hofft, so ihren Bürgern den Einstieg in die Stromproduktion erleichtern. „Wir wollen die Leute zum Ausprobieren animieren“, sagt Gmünds Oberbürgermeister Richard Arnold.

Platz fürs Zwanzigfache

Das Potenzial ist enorm: Sven Killinger hat die Daten aus Gmünd in Zahlen zusammengefasst. Auf gut 19 000 Gebäuden haben die Experten in Gmünd Dächer mit PV-Potenzial ausgemacht, bisher sind darauf Photovoltaik-Anlagen mit 21 MWp Leistung installiert – der Wert bezeichnet die Maximalleistung der Anlagen. Platz ist theoretisch für das Zwanzigfache. „Das maximale technische Potenzial liegt bei 447 Megawatt Leistung“, sagt Killinger. Als wirtschaftlich sinnvoll nutzbar schätzt er derzeit 300 Mwp ein. Zum Vergleich: Ein modernes Windrad erbringt eine Leistung von etwa sechs Megawatt, ein mittleres Kernkraftwerk kommt auf etwa 1200 Megawatt.

Mit wenigen Klicks zur Beratung

Richard Arnold findet die Investition richtig: „Da ist ein Potenzial zu heben, das überhaupt noch nicht ausgeschöpft ist.“ Das soll auch dadurch erreicht werden, dass die Software nach einer ersten privaten Planungsphase weiterweisen kann durch eine digitale Anfrage bei der Stadtverwaltung, um den Bürger die Suche nach Beratung so leicht wie möglich zu machen. „Man kann dann über uns einen Termin vereinbaren bei der Energieberatung. Oder man wird direkt an die Stadtwerke oder lokale Handwerker zur Möglichkeit der Umsetzung umgeleitet“, sagt Franka Zanek vom Amt für Klimaschutz. Es ist ein Kann, kein Muss, und es finde keine Vorauswahl statt, versichert Zanek: „Wir überlassen den Menschen die Wahl.“

„Vor zwei Jahren richtig“

Im Grunde eine gute Idee – aber ob sie noch nötig ist? Das war der Standpunkt einiger Stadträte. „Vor zwei Jahren wäre das richtig gewesen“, meinte CDU-Stadtrat Christof Preiß, aber er frage sich, ob man heutzutage die Leute noch motivieren müssen. „Die, die es machen wollen, die machen es“, sagte er. Das sah auch Linken-Stadtrat Andreas Benk so: „Das Problem ist weniger die Analyse und die Ermutigung, sondern die Möglichkeit, es zu tun.“ Also die begrenzten Kapazitäten für die Montage.

„Das Personal ist das Problem“

Gut ein halbes Jahr Wartezeit hat, wer im Moment mit den Stadtwerken einen Vertrag zur Montage einer Anlage abschließt, erzählt Steffen König von den Stadtwerken. Das liege auch an Lieferzeiten, aber vor allem an der begrenzten zahl an Handwerkern: „Das Personal ist das Problem.“

Wir wollen die Leute

Richard Arnold,, Oberbürgermeister

Rein rechnerisch reicht's fürs ganze Haus

„Peak“ heißt „Spitze“: MWp, oder als kleinere Einheit Kwp, ist die gängige Art, die Leistung von Photovoltaik-Anlagen anzugeben. Das kleine p steht für „peak“, englisch für Gipfel oder Spitze. Die Zahl zeigt also die Maximalleistung der Anlage bei optimaler Sonneneinstrahlung - in der Praxis also an sonnigen Tagen in den Stunden um die Mittagszeit.

Die Leistung einer Anlage für ein Einfamilienhaus liegt meist zwischen 5 und 10 Kwp. Rein rechnerisch reicht in der Regel das zur Eigenversorgung des ganzes Hauses mit Strom - allerdings nur rechnerisch, weil in den Wintermonaten zu wenig Sonneneinstrahlung da ist.

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