Planung des westlichen Stadteingangs: „Da ist mein Haus weg“

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Die Lorcher Straße zwischen Tunneleingang und Busbahnhof: Die Stadt will dort eine gezielte Entwicklung für die nächsten Jahrzehnte - aber manche Anwohner sind recht zufrieden mit dem, was sie haben.
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Die Stadt überlegt: Wie kann sich der westliche Stadteingang weiterentwickeln? Anwohner fragen sich: Was soll der Plan, auf dem ihre Häuser fehlen?

Schwäbisch Gmünd. Es war wie eine Versuchsanordnung: Was passiert, wenn man Anwohner eines Stadtgebiets einlädt und Ihnen einen Plan zeigt, auf dem alle ihre Häuser weg sind. Stattdessen: ein städteplanerisches Ideal-Ensemble mit zig neuen Gebäuden links und rechts der Lorcher Straße.

Es war ein Schlüsselmoment bei der Info-Veranstaltung für Bürger zum Gebiet „Westliches Stadttor“. Dort soll der Stadtumbau mit Tunnel und Gartenschaugelände weitergedacht und fortgesetzt werden: Erin knapp zehn Hektar großes Gebiet zwischen Tunneleinfahrt und Zentralem Busbahnhof hat die Stadt Gmünd als so genanntes Sanierungsgebiet ausgewiesen. Am Freitagabend kamen Planer und Anwohner in Räumen der Technischen Akademie zusammen – und es war Diskussionsbedarf da.

Ob Baubürgermeister Julius Mihm geahnt hat, was passieren würde? „Der OB sagt immer, ich soll solche Pläne nicht zeigen“, sagte Mihm offen. Er habe sich aber entschieden, es zu tun, weil sie ohnehin im Internet zugänglich seien. Und Mihm war bemüht, die Realitätsferne des Plans zu bekräftigen. „Es ist keine Architektur“, sagt Mihm, der Plan solle nur zeigen, wie sich eine Bausubstanz dort darstelle, „es ist nur schematisch“. Die Schockwirkung war da schon passiert. „Da ist ein Plan, auf dem ist mein Haus nicht mehr da“, meinte ein Anwohner. Günter Sorg vom gleichnamigen Autohaus sah die Botschaft des Plans so: „Ich habe das Gefühl, dass ich da vertrieben werde - aber das ist mein Eigentum.“ Das habe selbstverständlich niemand vor, entgegnete Mihm. Patrick Loewert, einer der Planer des Sanierungsgebiets entgegnete: „Das städtebauliche Ausbaukonzept war nur eine Idee.“ Die Gegenantwort eines Anwohners: „Es war aber eine dumme Idee.“

Am Vokabular merkte man schnell, welchen Eindruck Julius Mihm den Anwohnern, die gekommen waren, vermitteln wollte. Immer wieder sagte er „gemeinsam“ und „miteinander“. Es werde „keine erzwungene Entwicklung“ geben, betonte der Baubürgermeister, „das geht nur mit Ihnen zusammen“.

Das Projekt ist in einem frühen Stadium: „Wir sind ganz am Anfang, es gibt keine fertigen Lösungen“, so Mihm. Zunächst gehe es um die Untersuchung des Gebiets. Patrick Loewert und Isabel Friedrich von der Wüstenrot Haus- und Städtebau waren bei der Veranstaltung dabei, sie sind von der Stadt gewissermaßen als Sanierungsplaner dazu geholt worden. Was ist vorhanden? Was ist gewünscht? Diese grundlegenden Fragen wollen sie stellen und beantworten. „Ich bin hier, um mit Ihnen zu sprechen“, meinte Mihm und wies die Anwohner auf Karteikarten hin, auf denen sie ihre Wünsche oder Bedenken notieren und beisteuern konnten.

Dass eine Diskrepanz da ist zwischen dem Gestaltungswillen der Stadt und einer Anwohner-Aussage wie „Ich bin sehr zufrieden so wie es ist“, das ließ sich nicht wegdiskutieren. Natürlich heißt Stadtplanung, über das Bestehende hinaus zu denken. Mihm dachte etwa laut darüber nach, was wünschenswert wäre, wenn das Autohaus Bierschneider nicht mehr da wäre. „Da könnte ich mir gut Wohnungsentwicklung hin zur Rems vorstellen.“ Das sei „ganz grundsätzlich, so geht man da als Stadtplaner ran.“

Andererseits warb Loewert fürs Sanierungsgebiet, indem er verschiedene Förder- und Ausgleichsmöglichkeiten für Hausbesitzer aufzeigte. Klar sei aber: „Niemand kann sie zu etwas zwingen.“ Und er fügte hinzu: „Wir verdienen nicht daran, dass hier etwas errichtet wird, wir begleiten die Fördermöglichkeiten.“ Außerdem sei Sanierung für Kommunen kein Finanzierungsinstrument, die Stadt müsse 40 Prozent der Kosten tragen. „Aber es ist ein Instrument der Wirtschaftsförderung.“

Julius Mihm hofft, die unterschiedlichen Standpunkte im Laufe der Zeit doch unter einen Hut zu bringen: „Wenn alle sagen ich will da bleiben, und wir haben bestimmte Vorstellungen für 2050, 2060, dann muss man einen Weg miteinander suchen und gehen.“ Bernd Müller

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