Platz für viele Ideen statt für abgestellte Autos

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Parken war an diesem Nachmittag verboten: OB Richard Arnold (l.) freute sich über die Premiere des Parking Day in Gmünd. Foto: Tom
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Initiative Parking Day erstmals in Gmünd in den Schmiedgassen: vielfältige Angebote auf eigens dafür gesperrten Parkplätzen.

Schwäbisch Gmünd

Mal kurz parken in der Hinteren Schmiedgasse, weil man in der Innenstadt was zu tun hat? Das war am Freitagnachmittag im östlichen Bereich der Straße nicht möglich. Dort waren zwölf Parkplätze einen Nachmittag lang für kreativere Zwecke gesperrt - um Kaffee zu trinken, einen Happen zu essen, zu spielen oder sich zu informieren. Der Arbeitskreis Mobilität und Verkehr hatte die Idee des Parking Day für Gmünd übernommen.

Als um kurz nach 13 Uhr noch ein letztes Auto auf den gesperrten Parkplätzen stand, griff die städtische Mobilitätsbeauftragte Anja Tamm zum Handy, um den Ordnungsdienst über den Falschparker zu informieren. Denn auf diesen zwölf Stellplätzen (die dortigen Behindertenparkplätze waren ausgenommen) wollten die beteiligten Organisationen zumindest für ein paar Stunden zeigen, wie Stadtraum auch verwendet werden kann. So erklärte Andrzej Sielicki, Co-Sprecher des AK Mobilität, den Sinn der Aktion. Er sprach sich für ein Mobilitätskonzept für die Innenstadt aus, das alle Verkehrsmittel integriert.

Oberbürgermeister Richard Arnold begrüßte diese Premiere des Parking Day in Gmünd ausdrücklich. „Als OB heiße ich es gut, wenn sich die Bürgerschaft ihre Plätze zurückholt“, sagte er. Beim Schmiedturm zum Beispiel solle ein kleiner Wald entstehen. Arnold zeigte sich sehr offen für Vorschläge, Parkplätze auch an anderen Tagen für alternative Zwecke zu nutzen.

Jo Groß vom a.l.s.o.-Reparaturcafé hatte so einen Vorschlag: das Reparaturcafé, in dem bis zu 13 kreative Tüftler alles Mögliche wieder zum Funktionieren bringen, öfter mal im Straßenraum anzubieten. Am Freitag zeigten sie in der Schmiedgasse am Stand des Sozialunternehmens a.l.s.o. das „Innenleben“ einer Kaffeemaschine.

Auch die städtische Wohnungsbaugesellschaft VGW, selbst Anlieger der Schmiedgassen, bemühe sich, den Fahrzeugverkehr in der Innenstadt zu reduzieren, sagte deren Geschäftsführer Celestino Piazza. Die VGW biete allen Mitarbeitern eine Ostalb-Mobil-Buskarte auch für den privaten Gebrauch an, um ohne Auto in die Stadt kommen zu können. Auch das Nachfolgeangebot des 9-Euro-Tickets wolle sie an Beschäftigte ausgeben.

Häppchen und Rallye

Mit dem Bus in die Stadt zu kommen sei gut, aber nicht so einfach, beklagte Sibylle Oker, die am Aktionsstand des Stadtjugendrings und der Jugendkulturinitiative Esperanza mitarbeitete. Nach ihrer Erfahrung zum Beispiel sei die Busverbindung zwischen Iggingen und Gmünd eher mäßig.

Mit Ständen in der Schmiedgasse vertreten waren außerdem der Gmünder Integrationsrat, die Klimainitiative GD, die Gmünder Regionalgruppe von Omas for future in Zusammenarbeit mit dem Laden „unverpackt“ und dem Weltladen sowie das Kompetenzzentrum Bildung für nachhaltige Entwicklung MUNDI.

Am Stand des städtischen Projekts „BIWAQ #Digital inklusiv im Quartier Oststadt + Hardt + Altstadt“ konnten Besucher zum Beispiel Häppchen von Gastronomen und Bäckereien aus den Schmiedgassen verkosten oder in aller Ruhe Brettspiele spielen. Bei einer digitalen Rallye hatten Interessierte die Möglichkeit, mit dem Handy ihr Wissen über Gebäude und Geschäfte in den beiden Schmiedgassen testen und Preise gewinnen. Bei einer Umfrage nach Ideen zur Umgestaltung der Schmiedgassen allerdings ging kein einziger Vorschlag ein.

Platz für viel mehr als Parken

Der Parking Day ist ein internationaler Aktionstag, an dem öffentliche Parkplätze als Lebensraum für Menschen umgenutzt werden. 2005 lief er das erste Mal in San Francisco ab, seitdem hat er sich in zahlreichen Ländern der Welt verbreitet. Immer am dritten Freitag im September werden in teilnehmenden Städten Parkplätze für kreative Aktionen genutzt. In Stuttgart zum Beispiel wurden in diesem Jahr auf Parkplätzen in der Stadtmitte Insektenhotels gebastelt. In Winnenden wurden Parkplätze zum Café. Auch in Esslingen wurden Parkplätze zu Treffpunkten umfunktioniert.

Ein Spiel direkt neben dem fließenden Verkehr. Foto: Tom
Die Tüftler des Reparaturcafès zeigten das „Innenleben“ einer Kaffeemaschine. Foto: Tom

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