Platz schaffen für mehr Wohnqualität

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Ein neues Projekt von Gmünds Verein a.l.s.o. hat sich in einem Pilotprojekt der Wohnsituation von armutsgefährdeten Kindern angenommen.
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Verein a.l.s.o. nimmt sich in einem Pilotprojekt der Wohnsituation von armutsgefährdeten Kindern an. Die Schreinerinnen Sara Shiran und Irina Gohl haben dabei tatkräftig unterstützt.

Schwäbisch Gmünd

Ein neues Projekt von Gmünds Verein a.l.s.o. hat sich in einem Pilotprojekt der Wohnsituation von armutsgefährdeten Kindern angenommen. Die beiden Schreinerinnen Sara Shiran und Irina Gohl haben Alleinerziehenden Beratung und Hilfe in der Gestaltung der Wohnung angeboten und tatkräftig umgesetzt.

Nur wenig Platz

Während der Pandemie wurde es besonders deutlich. Wer Homeschooling und Homeoffice in einer beengten Wohnung mit Lebensalltag vereinen muss, braucht Platz. Von dem hat die alleinerziehende Mutter mit drei Kindern zwischen vier und elf Jahren in einer verwinkelten Altbauwohnung nur wenig. Zwar hat jedes Kind ein eigenes Zimmer, aber die beiden Jungs jeweils nur zehn Quadratmeter zur Verfügung. Die elfjährige Tochter hielt sich nur ungern in ihrem Zimmer auf. Für die Mutter war es während des Lockdowns nicht möglich, neben Kinderbetreuung und Hausarbeit über eine veränderte Einrichtung der Kinderzimmer nachzudenken. Abgesehen davon, dass kein Geld für Neuanschaffungen vorhanden war.

Das hat sich geändert, als Irina Gohl sich einschaltete. Nachdem die Mutter sich damit einverstanden erklären konnte, trotz Corona jemand Fremdes in ihre Wohnung zu lassen, wurde gemeinsam mit den Kindern geplant. Zunächst erforscht, was alles in den Zimmern möglich sein sollte. Aber auch, was die Kinder benötigen, um sich wohlzufühlen, wie man Stauraum zum Ordnung halten schaffen könnte. Der Jüngste wollte in Spiderman und Minecraft leben. Für den mittleren sollte es auch Minecraft sein, die Elfjährige sehnte sich nach einem Raum, der Ruhe ausstrahlt und an einen Meeresstrand erinnert. Die Lieblingsfarbe der Jungen ist Grün, das Mädchen liebt Blau und Weiß.

Was will man behalten?

Die Schreinerin Irina Gohl sprüht vor Ideen und beherrscht Upcycling. Das ist, wie sie erläutert, was anderes als Recycling, denn Upcycling macht ein altes Möbelstück zu etwas Wertvollerem, Attraktivem. In der Wohnung wurde zunächst ein Zimmer nach dem anderen ausgeräumt, dann sortiert, was behalten wird, was in den Müll kann. Auch hier war die Unterstützung von Irina Gohl gefragt.

Jedes Zimmer bekam ein eigenes Farbkonzept. Mit Liebe zum Detail setzte Irina Gohl die Wünsche der Kinder um. Der Jungenwunsch Minecraft ist erfüllt in Form von Motiven auf Ordnungskisten, Bildern und Bettwäsche. Unter Hochbetten gibt es Matratzenlager als Spiel- und Ruheinseln. Die Schreibtische wurden in vorhandene Nischen eingepasst. Die Kinder sind glücklich und die Mutter, selbst gelernte Schreinerin, will in den nächsten Projekten Irina Gohl zur Seite stehen.

Die Idee zu diesem Projekt entstand beim Austausch im Alleinerziehenden-Treff „solotutti“. Karin Schwenk, Geschäfts- und pädagogische Leitung, Vreni Krieger, Pädagogin, Martien de Broekert, Coach, erarbeiten und begleiten gemeinsam mit Sara Schiran und Irina Gohl.

Es geht weiter. Die Pilotphase des Projekts wurde von der Neumayer Stiftung von Januar bis Mai 2021 unterstützt. Drei Wohnungen konnten umgestaltet und renoviert werden. Sie sind gute Beispiele und Anleitungen für do it yourself. Jetzt werden neue Teilnehmer, also alleinerziehende Familien gesucht.

Erster Bürgermeister Christian Baron und Birgit Schmidt, Koordinationsstelle Lokales Bündnis für Familien-Aktion Familie, sehen in der Zusammenarbeit der Werkstatt von a.l.s.o. und der Stadt eine Möglichkeit, die Wohnsituation von Alleinerziehenden zu verbessern. Bereits seit Jahren sei es schwierig, bezahlbaren Wohnraum für diese Familien zu finden. „Wir lassen unsere Alleinerziehenden nicht allein“, so Baron.

Die Fortsetzung findet unter dem Namen „Projekt Rat und Tat“ ( Regionale Förderung ESF REACT EU) ab September statt. Zehn Teilnehmer werden in Kooperation mit dem Jobcenter Ostalbkreis geschult, wie sie ihre Wohn- und Lebenssituation verbessern können, begleitet von Workshops und Tipps.

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