Praktische Einblicke in Diplomatie

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Digital nahmen die Mitglieder des Inner Wheel Clubs Schwäbisch Gmünd am Vortrag des früheren Botschafters Rüdiger von Fritsch teil.

Der frühere Botschafter Rüdiger von Fritsch und seine Frau referierten beim Inner Wheel Club Schwäbisch Gmünd über Europa und das Verhältnis zu Russland.

Schwäbisch Gmünd

Der frühere deutsche Botschafter in Russland, Rüdiger von Fritsch, teilte mit dem Inner Wheel Club Schwäbisch Gmünd seine Einschätzungen zu aktuellen Entwicklungen mit Russland. Das war Teil einer Reihe von virtuellen Treffen des Clubs mit verschiedenen lokalen Experten und Gästen.

Karl-Olga-Brücke als Symbol

Wer kennt nicht die Karl-Olga-Brücke in Schwäbisch Gmünd? Als Schuljunge überquerte auch Rüdiger von Fritsch sie auf dem Weg zur Schule. 1904 eingeweiht, erinnert die Brücke an Olga, die russischstämmige Königin von Württemberg, und ihren Gatten Karl I.. Olga ist ein Symbol für die vielfältigen kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Bande zwischen Russland und Deutschland. Beispielsweise wurden die ersten Universitäten in Russland nach deutschem Vorbild geschaffen. Rüdiger von Fritsch gab in seinem Online-Vortrag zum Thema „Russland, Deutschland, Europa – wie weiter?“ seine Einschätzungen zu diesem Thema weiter an die Mitglieder des Gmünder Inner Wheel Clubs. Fritschs Ehefrau Huberta nahm ebenfalls teil.

Rüdiger von Fritsch wuchs in jungen Jahren in Schwäbisch Gmünd auf. Er war im Lauf seines Berufslebens unter anderem deutscher Botschafter in Polen und Russland, Abteilungsleiter im Auswärtigen Amt und Vizepräsident des Bundesnachrichtendienstes. Nach seinem Eintritt in den Ruhestand lebt von Fritsch wieder in Schwäbisch Gmünd.

Wie funktioniert erfolgreiche Diplomatie heute? Wie sollte der Westen mit Russland umgehen, etwa im aktuellen Ukraine-Konflikt? Von Fritsch nennt drei Erfolgsfaktoren: Zum einen ist es wichtig, Russland klar die roten Linien zeigen. Und die Konsequenzen benennen, zum Beispiel wirtschaftliche Sanktionen. Und zwar bereits vor einer drohenden Verletzung. „Man muss vorher die Preisschilder dran machen“, so von Fritsch. Die Sanktionen müssten entsprechend auch konsequent verfolgt werden. Zweitens müsse man immer eine Offenheit für das Gespräch signalisieren – auch in schwierigsten Zeiten. Drittens sollten die verschiedenen „Brücken“ zwischen Russland und Deutschland gepflegt werden. Etwa im Wirtschaftsleben oder beim Kulturaustausch.

Wie gelingen erfolgreiche Bündnisse? Rüdiger von Fritsch betont, es sei wichtig, die Interessen der verschiedenen Partner so zu berücksichtigen und zu verschränken, dass eine Win-Win-Situation für alle entsteht. Und dass ein Austritt den Bündnispartnern zu große Nachteile bringen würde.

Von Fritsch sieht tendenziell positive Perspektiven für die weitere Entwicklung der Europäischen Union. Denn es gebe immer wieder Überzeugungstäter, die das gemeinsame Interesse über Partikularinteressen stellten. Am Ende brauchen Politik und Diplomatie einen langen Atem: „Man muss 19 Mal die Mauer hinaufklettern, um beim 20. Mal endlich hinüberklettern zu können“, so von Fritsch. Ebenso wichtig: „Wir müssen den Anderen und seine Motive verstehen! Das heißt jedoch nicht, alles gutzuheißen“.

Wie wird man eigentlich – auch vor dem Hintergrund der Weltkriege – heute als Deutscher in Russland gesehen? Huberta von Fritsch, die Ehefrau von Rüdiger von Fritsch, hat positive Erfahrungen gemacht: „Wir waren viel in Russland unterwegs. Die Menschen haben sich gefreut, wenn sie erfuhren, dass wir Deutsche sind.“

Angela Löhrer, Präsidentin des Inner Wheel Clubs, dankte am Ende des Abends dem Ehepaar von Fritsch für die hochkarätigen Einschätzungen und das Teilen ihrer persönlichen Erfahrungen.

Digitale Treffen

Dieser Vortrag zeigt, wie das Vereinsleben des Inner Wheel Clubs in Corona-Zeiten aussieht. Die monatlichen Treffen finden nicht mehr persönlich, sondern digital statt. In den virtuellen Treffen gibt es auch Impulse von lokalen Experten: So stellte im Januar Gabriele Fiehn, Inhaberin der gleichnamigen Buchhandlung in Schwäbisch Gmünd, Empfehlungen für Sachbücher und Belletristik vor. Der März brachte Kunst: Dr. Max Tillmann, Leiter des Museums im Prediger, machte Lust auf die e Ausstellung „Lechaim – Auf das Leben! Kiddusch-Becher und andere Judaica aus Gmünder Produktion“ in der Ott-Pauserschen Fabrik. Er nahm die Zuhörerinnen gedanklich mit auf eine Reise bis in den Anfang des 20. Jahrhunderts zu den Verbindungen von Gmünder Silberproduzenten in die ganze Welt.

Neben diesen inhaltlichen Impulsen mit externen Gästen initiierte die Präsidentin Angela Löhrer digitale „Inner Wheel-Plauderstunden“.

Man muss vorher die Preisschilder dranmachen.“

Rüdiger von Fritsch,, ehemaliger Botschafter

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