Puppenwerkstattt: Ein Einhorn auf dem Weg zur Krippe

+
Puppenwerkstatt
  • schließen

Seit vielen Jahrzehnten ist mit Anna Fehrle und Suse Schön Krippenkunst in Gmünd beheimatet. Nun sucht die Werkstatt eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger.

Schwäbisch Gmünd

Eine kunsthandwerklich gefertigte Krippe wird meist nicht auf einen Schlag gekauft, sondern über Jahre. Als die Gmünder Krippenkünstlerin Anna Fehrle 1981 starb, hatte auch sie einige Kunden, denen noch ein Hirte, Ochs und Esel oder ein König fehlten. Ein Glück war es zu dieser Zeit, dass ihre Krippenwerkstatt im Taubental vor 40 Jahren nahtlos an die Großnichte Suse Schön überging. Sie hatte schon zuvor im Atelier mitgearbeitet und war mit dem Stil Fehrles vertraut.

Suse Schön war nicht nur bei ihrer Großtante „in die Lehre gegangen“, sondern hatte das Schnitzen auch im Allgäu erlernt. Und sie entstammt, ähnlich wie Anna Fehrle, einem Blumengeschäft, wo ihr Sinn für Ästhetik von klein auf geschult wurde.

Doch die Meisterschaft Annas war zunächst unerreichbar; vor allem im Faltenwurf, und wie sie die Figuren in Szene setzte, sei sie unschlagbar gewesen, sagt Schöns Mann Reinhold. Übung macht den Meister – nach ein, zwei Jahren traute sich auch die Nachfolgerin an ganze Krippen.

Jahrzehntelang hatte Suse Schön viel zu tun. Ab August habe sich im Akazienweg alles um die Krippenfiguren gedreht, berichtet ihr Mann Reinhold. Dem Stil Annas blieben sie treu: Lindenholz für den Kopf und die Extremitäten, und der Körper aus edlen Priestergewandstoffen, die auch Suse Schön gerne in Venedig kaufte. Für das Innere, die Rohlinge aus Draht, war ihr Mann zuständig, der auch das Werkzeug instand hielt.

Durch Krankheit gestoppt

Doch seit einigen Jahren ist die Werkstatt im Dornröschenschlaf. Aufgrund einer Krankheit kann die Kunsthandwerkerin nicht mehr schnitzen und würde die Werkstatt gerne in gute Hände übergeben. Noch könnte sie eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger einlernen und wertvolle Tipps geben. Eine Werkbank, Schnitzwerkzeuge und Stecheisen in allen Größen – alles ist noch da und wartet nur darauf, wieder in Betrieb genommen zu werden. Auch die vorhandenen Stoffe würden noch für viele Figuren reichen.

Wie ausdrucksstark und edel die Figuren im Fehrle-Stil sind, zeigt ein Blick in die große Vitrine, in der sich auch noch einige Werke von Anna befinden. Neben den klassischen Krippenfiguren wie Maria und Josef und den Engeln sind auch Sarazenen zu sehen, die Suse Schön besonders gerne geschaffen hat, oder der heilige Georg, der gerade den Drachen besiegt. Sogar ein Einhorn ist vor einen Wagen gespannt.

Außergewöhnlicher Auftrag

Bei einem außergewöhnlichen Auftrag sei tatsächlich ein Einhorn als Begleitung der drei Weisen aus dem Morgenland geordert worden – für Suse Schön kein Problem, denn jede Krippe wurde so individuell wie möglich und ganz nach Kundenwunsch gestaltet.

Freuen würde sich das Ehepaar Schön, wenn die Fehrle-Werkstatt, die weit über Gmünd hinaus bekannt war, weitergeführt würde.

Vor allem im Faltenwurf war sie unschlagbar.“

Reinhold Schön, über Anna Fehrle
Suse Schön mit einem ihrer Werke, einem Engel; in der Vitrine sind noch viele Figuren von Anna Fehrle (rechts auf dem Foto), von der sie vor 40 Jahren die Werkstatt übernahm.
Puppenwerkstatt
Engel in verschiedenster Ausführung sind beliebte Elemente einer Krippe.

Zurück zur Übersicht: Stadt Schwäbisch Gmünd

Mehr zum Thema

Kommentare