Querdenker-Aktionen an Schulen sorgen für Aufsehen

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Stefan Schmidt und eine weitere Demonstrantin beim Parler-Gymnasium. Mit vier Aktionen demonstrierten am Mittwoch und Donnerstag drei bis zehn Personen an drei Schulen gegen Impfungen.
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Drei bis zehn Personen demonstrieren gegen Impfangebote an Schulen. Landrat Bläse und Bürgermeister Baron kritisieren ihr Verhalten.

Schwäbisch Gmünd

Vier Aktionen von Querdenkern an drei Gmünder Schulen haben am Mittwoch und Donnerstag für Aufsehen gesorgt. Zwischen drei und zehn Personen demonstrierten gegen die Corona-Maßnahmen, als an der Adalbert-Stifter-Realschule, der Friedensschule und dem Parler-Gymnasium mobile Impfteams des Ostalbkreises zu Gast waren. Auf einem ihrer Schilder war zu lesen: Corona Wahnsinn stoppen“. Initiator der Aktionen ist Stefan Schmidt, Bundestagskandidat von „dieBasis“ im Wahlkreis Gmünd / Backnang. „Kein Kommentar“, sagte Schmidt auf Anfrage der Gmünder Tagespost, weshalb er und weitere Personen vor den Schulen demonstrierten.

Die mobilen Impfteams an den drei Gmünder Schulen gehörten zu Angeboten, die das Landratsamt des Ostalbkreises noch bis zum kommenden Donnerstag macht. Dann schließt das Kreisimpfzentrum, und auch die mobilen Impfangebote enden dann. Bis Donnerstag wird das Impfteam noch in 33 von 58 Seniorenheimen im Kreis Auffrischimpfungen anbieten.

Landrat Dr. Joachim Bläse kritisierte im GT-Gespräch die Aktion der Demonstranten. Das Landratsamt habe an den Schulen über Impfungen informiert. „Völlig ohne Druck“ seien Impfangebote gemacht worden. Mit solchen Aktionen wie denen der Demonstranten werde „der Rechtsstaat ausgereizt“. Den Demonstranten gehe es auch um Aufmerksamkeit. Deshalb tue es ihm „innerlich weh“, wenn er sich positionieren müsse, weil man damit die Demonstranten zu wichtig nehme, skizzierte Bläse eine Gratwanderung. Die Demokratie in Deutschland sei ein „starker Ast“, hier aber werde „Stück für Stück versucht, daran zu sägen“. Die Demokratie sei ein hohes Gut, auf das „wir aufpassen müssen“. Dabei unterscheidet Bläse zwischen denen, die vor den Schulen unterwegs waren, und denen, die unsicher sind. Nicht alle seien Querdenker.

Die beiden Aktionen am Mittwoch waren nicht angemeldet, die beiden Aktionen am Donnerstag seien in der Nacht zum Donnerstag angemeldet worden, sagte der Leiter des Gmünder Ordnungsamtes, Gerd Hägele, auf GT-Anfrage. Die Stadtverwaltung prüft nun, ob der unangemeldeten Aktionen wegen ein Bußgeldverfahren gegen die Demonstranten eingeleitet werden kann. Bei einer der beiden Aktionen am Mittwoch hätten die Demonstranten „kurzzeitig“ versucht, den Bus des Impfteams zu blockieren, sagte Polizeisprecher Holger Bienert. Die Polizisten vor Ort hätten mit ihnen gesprochen, sie seien gewichen.

Die Rektorin der Friedensschule, Daniela Maschka-Dengler, und der Schulleiter des Parler-Gymnasiums, Thomas Eich, kritisierten die Demonstranten. Als „unanständig“ bezeichnete Maschka-Dengler das Verhalten der „fünf bis sechs Demonstranten“, die auch Grundschüler angesprochen hätten. Die Schüler seien in Begleitung ihrer Eltern gekommen. Das Verhalten der Demonstranten sei „schräg“ und „provokant“. Sie sei froh, dass die Polizei und Vertreter des Ordnungsamtes vor Ort gewesen seien. „Wir machen ein Impfangebot, wir überreden niemand“, sagte Thomas Eich. Über eine Impfung entschieden die Eltern mit den Kindern. Schüler hätten das Angebot angenommen. Die Demonstranten, am Parler-Gymnasium waren's noch drei, seien nicht groß aufgefallen. Mehrere Schüler jedoch hätten die Diskussion mit ihnen gesucht und versucht, sie von ihrer „eigenartigen Meinung abzubringen“, sagte Eich. Auch er betonte, dass die Präsenz der Polizei und des Ordnungsamtes eine große Hilfe gewesen sei.

„Es ist System: Sie testen die Grenzen aus“, sagte Gmünds Erster Bürgermeister Christian Baron. Dies gehe so lange, bis „wir die rote Linie ziehen“. Die Stadt finde nicht gut, was die Demonstranten machten. Hier werde Stimmung gegen „etwas Sicheres“ gemacht. Dabei sei gerade die Impfung der Weg in die Freiheit, deren Verlust die Demonstranten beklagten. „Das nervt uns, doch eine Behörde muss das aushalten“, sagte Baron. Die Stadt sehe das professionell.

Was Baron aber wirklich ärgert: „zu viel Aufmerksamkeit für die Demonstranten“. Und dass nun alle darüber diskutieren. Bei Stefan Schmidt, meinte der Bürgermeister, würden „deshalb die Champagnerkorken knallen“.

Ein Kommentar von Michael Länge über die Querdenker-Aktionen vor Schulen

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