Querdenker-Demo mit Gegenwind

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Bei der 100. Querdenker-Demo auf dem Gmünder Marktplatz versammelten sich rund 250 Gegner der Pandemie-Maßnahmen. Mehrere Redner kamen zu Wort. Das Ziel der Demo: Corona-Maßnahmen beenden. Das Gesagte stieß auf Zustimmung unter den Querdenkern.
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Ein größeres Polizeiaufgebot als bei Querdenker-Demonstrationen üblich ist am Sonntagabend auf dem Gmünder Marktplatz. Denn hinter der Absperrung läuft eine Gegendemonstration.

Schwäbisch Gmünd

Der Gmünder Marktplatz ist am Sonntagabend zwischen Rathaus und Spital zweigeteilt. Auf der einen Hälfte demonstrieren Menschen, geladen von der Gruppe "Querdenken 7171", gegen die Coronapolitik. Auf der anderen Hälfte wird gegen die Querdenker demonstriert. Das Polizeiaufgebot ist an diesem Abend größer als bei vorigen Demonstrationen.

18.30 Uhr. Die Querdenker-Demo beginnt musikalisch. Forderungen wie "keine Diktatur" schallen aus Lautsprechern. Das Anliegen der Demonstranten: Die Coronamaßnahmen sofort beenden, sagt Organisator Stefan Schmidt. Er verweist auf Mindestabstände. "Den Bußgeldschutz bitte aufsetzen", sagt er zu Masken. Seine Worte treffen auf breite Zustimmung in der Menge. Applaus, Zurufe, Sirenen aus mitgebrachten Megafonen erschallen. "Wir schaffen das. Wir holen euch da raus", ruft einer der Demonstrierenden. Währenddessen läuft die Gegendemonstration auf dem unteren Teil des Marktplatzes. Von dort kommen die Rufe: "Verstand einschalten" und "Dummschwätzer". Schmidt sagt dagegen, die Querdenker-Demonstration in Kassel sei "sensationell" gewesen. Trotz "lächerlicher" Gegendemos. Auch die Worte von Dr. Daniel Langhals stoßen in der Menge, in der teils keine Masken getragen werden und sich vereinzelt Menschen umarmen, auf Zustimmung. Impfen sei "fahrlässige Tötung". Es gelte das Recht der körperlichen Unversehrtheit. Auch sei längst klar, dass die Pandemie einem Plan folge. Informationen suchen die Querdenker woanders. "Wir freuen uns, dass es Telegram gibt", sagt er.

Jenseits der Polizeiabsperrung kann man über die Aussagen der Querdenker nur den Kopf schütteln. Dort läuft die Gegendemonstration. Anders als bei den Querdenkern mit Abstand sowie FFP2-Masken. "Sie haben wieder einen Arzt gefunden, der sehr anstrengende Sachen sagt", sagt ein Redner, "sie werden auch einen Physiker finden, der sagt, die Erde ist flach". Auch bei der Gegendemonstration läuft teils Musik und verschiedene Redner kommen zu Wort. Einer von ihnen ist SPD-Bundestagskandidat Tim-Luka Schwab. "Ich möchte keinesfalls alle dort drüben sinnlos Protestierenden unter einen rechtsextremen Schirm stellen", sagt er. Allerdings werde die Gmünder Querdenken-Gruppierung vom Verfassungsschutz beobachtet. Über den Nachrichtendienst Telegram hätten Mitglieder der Querdenker den Holocaust geleugnet. "Dieses Beispiel zeigt, welche Gefahr von Teilen dieser Bewegung ausgeht", sagt Schwab. Auch Laura Weber, Kreisvorsitzende der Jusos, warnt vor diesen Tendenzen. "Es darf keinen noch so kleinen gemeinsamen Nenner mit Rechtsextremismus geben."

Es darf keinen noch so kleinen gemeinsamen Nenner mit Rechtsextremismus geben.

Laura Weber Rednerin der Gegendemonstration

Bei der Gegendemonstration waren auch Aufsteller mit gemalten Gesichtern zu sehen. Sie sollen symbolisch für an Covid-19 Verstorbene stehen. Zu den 38 Aufstellern kommen nach Schätzungen der Polizei vor Ort rund 70 Gegendemonstranten dazu. Die Zahl der Querdenker-Demonstranten schätzt die Polizei auf etwa 250. Das Polizeiaufgebot sei "ausreichend", sagt Einsatzleiter Jürgen Vetter. "Heute haben wir mehr." Insgesamt seien derartige Demonstrationen bislang eher ruhig verlaufen. Dazu, dass nach der Demo offenbar eine größere Gruppe der Querdenker laut skandierend durch Gmünder Gassen zog, konnte die Polizei am Sonntagabend keine Auskunft geben.

Rund 70 Menschen versammelten sich zur Gegendemonstration. Hinzu kamen Aufsteller, die an Covid-19 Verstorbene symbolisieren sollten.

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