Rad-Pläne versus Existenz?

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Kai Sluga vor seinem Betrieb in der Klarenbergstraße: „Ich muss schauen, dass ich meine Firma rette.“
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Der Plan, die Klarenbergstraße zur Fahrradstraße zu machen, stößt nicht nur auf Zustimmung. Der Besitzer eines Kfz-Betriebs fürchtet um seine Zukunft.

Schwäbisch Gmünd

Die Klarenbergstraße zu Gmünds erster Fahrradstraße machen, das ist erklärte Absicht der Gmünder Stadtverwaltung. Kai Sluga ist damit nicht einverstanden. Und Sluga, Chef eines Kfz-Betriebs in der Klarenbergstraße, sieht sich mit seiner Meinung nicht allein: „Ich habe Unterschriften gesammelt“, sagt er. Sein Eindruck: „Es sind mehr Anwohner dagegen als dafür.“

Die Planung ist recht weit fortgeschritten. Viele Beteiligte sind schon eingeschaltet worden, „es liegt dem Baubetriebsamt vor, den Verkehrsbehörden, dem Tiefbauamt, dem Südstadt-Treff“, so zählt Anja Tamm, die städtische Mobilitätsmanagerin auf. „Es hat für mich den Anschein, als ob das schon beschlossen wäre“, sagt Kai Sluga.

Bürgerbeteiligung geplant

Das ist es nicht: Der Gmünder Gemeinderat hat über die Pläne noch nicht abgestimmt. Allerdings hat die Stadtverwaltung auch nicht aufs Geratewohl losgeplant: „Wir haben das in einer interfraktionellen Arbeitsgruppe ausgelotet“, sagt Anja Tamm, dort habe es Zustimmung gegeben. Gegenstimmen wie die von Kai Sluga werden ebenfalls zu Wort kommen können, ehe der Gemeinderat zu entscheiden hat. „Wir werden eine Bürgerbeteiligung vorschalten, eine entsprechende Veranstaltung wird derzeit geplant und vorbereitet“, sagt Stadtsprecher Markus Herrmann. „So früh wie möglich“ soll das Treffen stattfinden, „auf jeden Fall noch vor der Sommerpause“.

Kai Sluga ist schon jetzt tätig geworden: „Ich habe eine Unterschriftenaktion gestartet“, sagt er. Die Unterschriften wolle er dem Gemeinderat übergeben. Wie viele Menschen unterschrieben haben, könne er noch nicht genau beziffern, die Sammlung laufe noch. Eins ist für Sluga jetzt schon klar: dass er angefangen hat, um seine wirtschaftliche Existenz zu kämpfen. Sluga führt in der Klarenbergstraße seit 19 Jahren einen KfZ-Betrieb mit fünf weiteren Mitarbeitern. Die Pläne für eine Fahrradstraße machten ihm Angst: „Das wäre der Tod für uns“, sagt Sluga. Er fürchtet, dass ihn künftig Kunden meiden, indem sie etwa von einem „Anlieger frei“-Schild abgeschreckt werden. Dass seine „Laufkundschaft“ wegbleibe - Menschen, die etwa schnell einen Liter Öl kaufen. Dass er seinen Job nicht mehr so machen kann wie bisher: „Ich bin ein zertifizierter Abschleppbetrieb, das entsprechende Gespann ist 16 Meter lang. Das ist jetzt schon schwierig genug mit Radfahrern.“

Anja Tamm betont, dass es nie darum gegangen sei, den motorisierten Verkehr aus der Klarenbergstraße zu verbannen. „Ich habe das Gefühl, dass es da viele Gerüchte gibt“, da wolle die Stadtverwaltung gegensteuern. „Die Gewerbebetriebe und auch viele Anwohner dort brauchen natürlich die Zu- und Abfahrt, etwas anderes war nie angedacht.“ Sie hoffe, dass eine Versammlung vor Ort dazu beiträgt, „dass man das hinbekommt“.

Kai Sluga klingt nicht so, als ob er leicht von der Fahrradstraße zu überzeugen wäre: „Ein Handwerksbetrieb ist ein empfindliches Gefüge“, sagt er. Und erzählt von einem „Partnerbetrieb in Bayern“, der „das gleiche Problem“ gehabt habe - „die haben am Ende zugemacht“. Er müsse nun schauen, „dass ich meine Firma rette“, wenn nötig, auch mit Hilfe eines Anwalts.

Warum muss man in seiner Straße eigentlich etwas ändern, fragt sich Sluga, der selbst auch Rad fährt: „Was passiert, wenn alles so bleibt? Dann fahren hier weiterhin beide: Radfahrer und Autos.“

Zwei Fahrradstraßen sind in Gmünd derzeit laut Stadtverwaltung „im Planungsprozess“: in der Klarenbergstraße und in der Schwerzerallee.
Regelung: Fahrradstraßen sind dem Fahrradverkehr vorbehalten. Autos können durch Zusatzschild erlaubt werden, häufig ist eine Regelung nur für Anlieger oder ein Einbahnverkehr für Autos. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt für alle 30 km/h.

Ein Handwerksbetrieb ist ein empfindliches Gefüge.“

Kai Sluga,, Inhaber KfZ-Betrieb

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