Radfahrer fordern mehr Raum für sich

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Durch die Schwerzerallee in die Gmünder Weststadt führte die Tour der Critical Mass am Freitag, die Straße könnte sich mancher Radler auch als Fahrradstraße vorstellen.

Wie sich die Situation für Radfahrer in der Gmünder Weststadt leicht verbessern ließe, machten die Teilnehmer der Critical Mass-Tour im September deutlich.

Schwäbisch Gmünd

Fest etabliert hat sich die Critical Mass in Gmünd: Am Freitag trafen sich erneut gut 80 Radler am Gmünder Bahnhof, um mit einer einstündigen Tour durch die Stadt auf die unbefriedigende Situation für Radler hinzuweisen. Seit einigen Monaten wird die Runde um die Innenstadt erweitert – nun ging es über die Schwerzerallee in die Gmünder Weststadt.

Weil die Goethestraße für Radler eher unglückliche Lösungen bietet – einen kombinierten Rad- und Fußweg, der eigentlich nur für zwei Fußgänger nebeneinander reicht – wurde die Forderung laut, die Schwerzerallee als Fahrradstraße auszuweisen. Das koste wenig und biete sich genau jetzt an, wo der Stadtsäckel leer ist. Die Klarenbergstraße im Süden könnte als weitere Fahrradstraße folgen.

Carsten Anders, einer der sechs Organisatoren der Critical Mass, wies eingangs auf den Parking Day hin, der ebenfalls auf den Freitag fiel. An dem Aktionstag zur Reurbanisierung von Innenstädten werden Parkplätze im öffentlichen Raum kurzfristig umgewidmet und etwa als grüne Oase genutzt. Er erinnerte daran, dass vor Jahrzehnten der Gmünder Marktplatz noch als Parkplatz diente – heute unvorstellbar.

Es fehlen ordentliche Wege

Eine bunt gemischte Gruppe sind die Critical-Mass-Radler in Gmünd: Mit von der Partie waren Vertreter des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs. Angelika Abele und Helene Mayr halten es für nicht zeitgemäß, dass es in viele Gmünder Ortsteile immer noch keine ordentlichen Radwege gebe. Sie führen Lindach und Herlikofen an. Auch ein gut fahrbarer Weg nach Mutlangen sei überfällig. Ihr Fazit: Für Alltagsradler müsse viel mehr getan werden.

Erich Wenzel vom Arbeitskreis Mobilität und Verkehr sieht durchaus Verbesserungen für Radfahrer: Bei Gegenverkehr werde man heute kaum noch überholt, und man werde auf der Straße eher als gleichberechtigter Verkehrsteilnehmer akzeptiert. Dennoch müsse noch mehr für die Sicherheit der Radler getan werden. Vorsicht und Rücksicht – dies müssten alle Verkehrsteilnehmer beherzigen. "Wir belästigen uns gegenseitig", meint Titus Nolte, "und ignorieren ständig die Rechte der anderen". Das sei ein strukturelles Problem. Deshalb fordert er von der Stadt mehr Flächen für die Radfahrer. Aber auch mehr Strafen, wenn sie sich nicht an die Regeln halten.

Aus dem Schattendasein

Achim Gromann, Schatzmeister des Kreisverbands der Grünen, sieht die Radler durch die bauliche Situation und die Verkehrsregeln als "unterprivilegiert". In Gmünd führe der Radverkehr nur ein Schattendasein. Deshalb seien Aktionen wie Critical Mass notwendig, um auf die Probleme aufmerksam zu machen.

Am Ende der rund einstündigen Tour lud SPD-Stadtrat Tim-Luka Schwab zur Tunneldemo am 25. September ein. Der Klimawandel sei eine der zentralen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts, forderte er, ein Zeichen für mehr Klimaschutz zu setzen. Schwab betonte, die Fahrt durch den Tunnel sei keine Critical-Mass-Demo, sondern Klimaprotest. Er erinnerte daran, dass OB Arnold 2019 den Tunnel wegen einer Party einen ganzen Tag lang sperren lassen wollte. Party haben die Fahrrad- und Klimaaktivisten am Freitag nicht geplant. Dennoch macht die Demo auf dem Fahrrad Spaß. Achim Gromann zitiert John F. Kennedy, den 35. Präsidenten der USA: "Nichts ist vergleichbar mit der einfachen Freude, Rad zu fahren." Sabine Zilligen, Kreisvorsitzende der Grünen, fügt hinzu, für sie sei Radfahren ein Stück Lebensqualität: Man tue etwas für die Gesundheit und schade nicht der Umwelt. Und die lästige Parkplatzsuche in Gmünd entfalle ebenfalls.

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