Rainer Reusch erhält das Bundesverdienstkreuz

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Rainer Reusch erhielt das Bundesverdienstkreuz.
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Für seine vielfältigen Verdienste um das zeitgenössische Schattentheater erhält Rainer Reusch die hohe Auszeichnung.

Schwäbisch Gmünd. Dass Schwäbisch Gmünd die Hauptstadt des zeitgenössischen Schattentheaters ist, ist Rainer Reusch zu verdanken. Er hat nicht nur ein Festival etabliert, das weltweite Aufmerksamkeit genießt, sondern auch ein Archiv aufgebaut, mehrere Fachbücher über das Schattentheater geschrieben, die Szene vernetzt und in jahrzehntelanger Sammlertätigkeit ein Museum vorbereitet, das am Sonntag eröffnet wurde. Für sein großes künstlerisches und organisatorisches Engagement erhielt er am Sonntagabend im Prediger-Festsaal das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Es war ein außergewöhnlicher Festakt für einen außergewöhnlichen Menschen, das machten die Grußworte deutlich. Vor allem Sybille Hirzel, in deren Hände Rainer Reusch die Festivalleitung 2009 übergab, fand persönliche Worte für einen Künstler, der ihr nicht nur eine neue Sparte erschlossen, sondern auch ihr Herz erobert habe. Sie, die vom Theater kommt, habe bis dato Festivalleiter ganz in schwarz und oft mit Sonnenbrille kennengelernt. „Immer bunt, immer fröhlich und freundlich“, beschrieb sie Rainer Reusch.

„Besonders schätze ich dich für deine Offenheit“, fuhr sie fort und konkretisierte: offen für jede Neuerung beim Schattentheater wie Crossover, Neue Medien oder Tanz. Dies habe auch das Festivalpublikum aufgeschlossen, das in Gmünd Neues unbefangen anschaue. Ihr Dank galt auch der Frau an seiner Seite, Heide Reusch, die oft auf ihn verzichten musste. „Danke für diesen Freiraum, der ihm ermöglichte, uns zu beschenken!“

Oberbürgermeister Richard Arnold erinnerte an die Anfänge des Schattenspielers Reusch, der ab den 1970er-Jahren als Schattentrio mit seinen drei Söhnen auf Festivals auch im Ausland spielte. „Überzeugt von den großartigen künstlerischen Möglichkeiten wurmte es ihn, dass sie oft das einzige Schattentheater waren.“ Er habe sich in den Kopf gesetzt, das zu ändern und baute das Internationale Schattentheater Zentrum (ISZ) auf; 1988 folgte das erste Internationale Schattentheater Festival. Mit großem Erfolg: 1000 Besucher aus der ganzen Welt reisten nach Gmünd, und alle Veranstaltungen waren ausverkauft. „Das Schattentheater hatte seinen Platz gefunden.“

Arnold skizzierte die große Bandbreite, mit der Rainer Reusch das Schattenheater etablierte. Das ISZ wurde zur Kontaktstelle für Spieler und wurde dank eines eigenen Archivs zu einem Ort der Forschung und Dokumentation. Doch auch Weiterbildungen und Workshops für Amateure und Profis seien dem Pädagogen immer wichtig gewesen. Und nun sei mit der Gründung des internationalen Schattentheatermuseums ein Traum in Erfüllung gegangen.

Ruth Brockhausen, die zum Vorstand der deutschen Unima (Union Internationale de la Marionnette) gehört, würdigte Reusch als wegweisenden Menschen, der das Gesicht der Stadt entscheidend geprägt und mit seiner beharrlichen und strukturierten Arbeit dem Schattenspiel ein Zuhause gegeben habe. Der deutsche Verband der Puppenspieler tagte just am Wochenende in Gmünd, wodurch die Auszeichnung einen passenden Rahmen erhielt.

Natürlich ergriff am Ende auch Rainer Reusch das Wort. Und tat es ganz in seiner Kunst verhaftet, nämlich im Zwiegespräch mit einem Schatten, hinter dem seine Frau Heide steckte, der er die Hälfte des „Kreuzchens“ schenkte. Er dankte ihr und den vier Kindern, dem „geliebten Arbeitskreis“ und vielen weiteren Personen. Die Arbeit mit dem Schatten, dem geheimnisvollen Botschafter zwischen Wirklichkeit und Traum, Leben und Tod, habe sein Leben bereichert und ihm Sinn gegeben. Mit Musik von Enkel Tim Reusch begann der Festakt, mit „melting paper“, einer spannenden interdisziplinären Echtzeitkomposition des Stuttgarer FAB-Theaters, endete er nach rund zwei Stunden. Birgit Markert

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