Raus aus der Komfortzone

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Der preisgekrönte Comic-Künstler Paul Rietzl (links) im Interview mit Pat Mueller beim Start des neuen VHS-Semesters; Rietzls Zeichnungen mit und ohne Worte sind noch bis 7. Oktober in der VHS am Münsterplatz zu sehen.

"Was hält unsere Gesellschaft zusammen?" lautet die Schwerpunktfrage des neuen Semesterprogramms. Zum Start gibt's Sprach-Lose und preisgekrönte Comics.

Schwäbisch Gmünd

Semestereröffnung bei der Volkshochschule (VHS) und Europa-Tag der Sprachen – zwei Anlässe zugleich, zu denen VHS-Leiterin Ingrid Hofmann am Samstag begrüßte – im "unter Corona-Gesichtspunkten voll besetzten VHS-Foyer", wie Oberbürgermeister Richard Arnold sich angesichts der überschaubaren Besucherzahl ausdrückte.

Das VHS-Team blickt auf ein anstrengendes Semester zurück, räumt Hofmann ein und freut sich, dass trotzdem ein schönes, neues Programm zustande gekommen sei. Der neue Themenschwerpunkt geht der Frage nach, "Was hält unsere Gesellschaft zusammen?", Einen Riss durch die Gesellschaft zeigen die Anti-Corona-Demonstrationen. Die VHS lädt ein, gemeinsam über das Thema nachzudenken. "Unsere Gesellschaft braucht Austausch im Dialog", sagt Hofmann. Es sei absolut notwendig, die Komfortzone zu verlassen und das Gespräch zu suchen, gerade mit denen, die abweichende Meinungen vertreten.

Der Weg geht über die Sprache

Sprachkurse sind ein elementarer Bestandteil des VHS-Angebots. Der europäische Sprachentag ist eine Initiative des Europarates, der damit auf die Bedeutung des Sprachenlernens hinweist. Mit dem Slogan "Die Grenzen deiner Sprache sind die Grenzen deiner Welt" unterstreicht Hofmann die Wichtigkeit der Grenzöffnung – sowohl bei Ländergrenzen wie beim eigenen Horizont.

Sprach-Lose, mit denen Teilnehmer einen Sprachkurs-Gutschein gewinnen können, verteilt an diesem Morgen die Sprachenverantwortliche der VHS, Dorothea Martini, die den Auftakt ins neue Sprachensemester organisiert hat. Mit dem Wortspiel "ich wünsche Ihnen allen, dass Sie nicht sprachlos bleiben", übergibt Hofmann das Wort an den Oberbürgermeister. Arnold greift den gesellschaftlichen Faden auf und spinnt ihn weiter zur Stadtgesellschaft, deren Zusammenhalt heute nicht einfach sei. Die Corona-Krise spalte, statt die Menschen zusammenrücken zu lassen. Eine geordnete Kommunikation sei nicht mehr selbstverständlich. Sie müsse mit viel Anstrengung neu erarbeitet werden. Sprache sei der Schlüssel hierbei. Wo früher Interessen artikuliert und verfochten worden seien, die dann in einem Ausgleich zu einem neuen Konsens geführt haben, würden heute Argumente mit Moral untermauert. Menschen, die genau wissen, was und wie es richtig ist, suchten nur noch Bestätigung für ihre Meinung. Sie leben in ihren eigenen Echoräumen. Die große Aufgabe sei es, den Weg in die Zukunft gemeinsam zu bestimmen und das bedeute, zuhören und auf den anderen eingehen.

Der Schauspieler Pat Mueller interviewt den Comic-Künstler Paul Rietzl, Preisträger beim Comic-Wettbewerb "Animate Europe+ – Geschichten zum Mehrwert der EU". Seine Comics sind bis 7. Oktober im VHS-Foyer zu sehen. Der in München lebende Comic-Künstler sieht den Mehrwert in Europa vor allem im Abbau der Grenzen. Europa Leben einhauchen? "Sicher nicht mit noch mehr bürokratischen Regeln, sondern indem sich die Menschen in Europa auf den Weg machen und miteinander kommunizieren", glaubt er. Kriegerische Auseinandersetzungen, mahnt er in seinen Zeichnungen, sollten ein für allemal der Vergangenheit angehören.

Mueller, selbst aus einer polyglotten amerikanischen Familie stammend, bringt auf den Punkt, was Sprache vermag. Sie kann sowohl gesellschaftliche Gruppen erschaffen, als auch marginalisieren. Für Musik sorgte die interkulturelle Band "Die Träumer". Schnuppern konnte man bei Anna Schmidt ins Ungarische und bei Ruifang Min ins Chinesische. Miriam Zeilinger von der Pädagogischen Hochschule sprach über "Besondere Sprachen Europas".

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