Regen unter dem Europaplatz auf dem Hardt speichern

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Europaplatz Hardt
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Die Stadt möchte im neuen Bereich ein innovatives Bewässerungskonzept erproben. Vorbild für künftige Baugebiete?

Schwäbisch Gmünd

Der Europaplatz soll das künftige Zentrum des neuen Hardts werden. Und er könnte darüber hinaus zu einem Beispiel werden, wie eine Stadt nachhaltig Wasser spart und Starkregen trotzt. „Es ist uns wie Schuppen von den Augen gefallen“, dass dieser Platz eine Musteranlage für ein innovatives Bewässerungssystem werden könnte, sagt Baubürgermeister Julius Mihm auf Anfrage der Gmünder Tagespost. Der Platz, der als langgezogenes Dreieck vor dem Gebäude der Landesanstalt für Landwirtschaft, Ernährung und landwirtschaftlichen Raum (LEL) entstehen soll, wird dann auch mehrere Pflanzbereiche umfassen. Ungefähr 30 Bäume werden nach derzeitiger Planung dort gepflanzt. Um die zu bewässern, ist vorgesehen, das Wasser von den Dächern der bestehenden und entstehenden umliegenden Gebäude zu sammeln. „Bisher wollten wir damit eigentlich nur die Gießarbeit für die städtischen Bauhof-Mitarbeiter sparen“, erzählt der Baubürgermeister. Das gesammelte Wasser sollte in Leitungen an die Bäume geführt und dort tröpfchenweise abgegeben werden.

Kissen im Untergrund

Doch nun haben die Stadtplaner die Idee erweitert: Nicht nur das Wasser, das sich auf den Dächern sammelt, soll verwendet werden. Zusätzlich sollen unter den Standorten der Bäume so genannte Rigolen angelegt werden, die Regenwasser sammeln und speichern. Rigolen, erläutert Julius Mihm, sind mit Substrat gefüllte „Kissen“, die unter anderem dafür sorgen können, dass bei Regen wesentlich weniger Wasser in die Kanalisation fließt. Stattdessen wird das Niederschlagswasser im Substrat gesammelt und steht bei Bedarf den Bäumen in diesem Bereich zur Verfügung. Außerdem kann das Wasser aus den Rigolen bei Hitze wieder verdunsten und durch die so entstehende Kühlung hohe Temperaturen im Bereich des Europaplatzes abmildern. Der Einsatz von Rigolen sei durch den Klimawandel sehr aktuell geworden, berichtet Mihm. Auch bei der Wahl der Pflanzen solle auf den Effekt der Verdunstungskälte geachtet werden. Zusätzlicher positiver Effekt am Rande: Für den die Ergänzung durch die Rigolen habe die Planung des Platzes nicht verändert werden müssen.

Mit dem Europaplatz auf dem Hardt will die Stadtverwaltung Erfahrungen sammeln, denn Maßnahmen, um die Folgen des Klimawandels abzumildern, „werden in allen Wohngebieten ein Thema werden“, ist der Baubürgermeister überzeugt. Die Konsequenz daraus sei allerdings, dass in neuen Wohnbaugebieten künftig etwas mehr öffentlicher Raum entstehen müsse und die Gebiete dafür größer werden. Die Tendenz gehe dahin, eher größere Baugebietsflächen zu erschließen, meint Julius Mihm.

Erst der Hochbau

Bis das innovative Bewässerungssystem auf dem Europaplatz die ersten Regentropfen auffängt, wird aber noch Zeit vergehen. Der Platz könne erst angelegt werden, wenn die Gebäude, die ihn umgeben, fertig sind, erklärt der Baubürgermeister. Die VGW habe zwar bereits mit dem Bau angefangen, nicht aber die Firma Brutschin. Dennoch geht Julius Mihm davon aus, dass der Europaplatz Anfang 2024 fertig werden könnte.

„In allen Wohngebieten ein Thema“

Baubürgermeister Julius Mihm, zum Klimawandel
  • Sonnenhügel-Konzept verkauft
  • Die Waiblinger Unternehmensgruppe Brutschin hatte im vergangenen Jahr mit ihrem Konzeptvorschlag für das Projekt „Neues Wohnen Sonnenhügel“ den Investorenwettbewerb der Stadt gewonnen. Ihr Konzept sieht ein fünfgeschossiges Wohn- und Geschäftshaus mit 21 Wohnungen, 22 Appartements und Dachterrasse vor. Südlich davon sollten nach Brutschin-Angaben in offener Bauweise vier weitere Wohnhäuser mit rund 52 Wohnungen entstehen. Hinzu kommen ein Wohnhof und eine Tiefgarage.

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