Restaurierung bringt die Farbe zurück

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In mehrmonatiger Arbeit hat Restauratorin Martina Fischer (2.v.l.) die Malereien in der Chorscheitelkapelle von Ablagerungen befreit, Zentimeter um Zentimeter der bis ins Gewölbe ragenden Bildwerke mit speziellen Schwämmen trocken gereinigt.

Arbeiten an den Malereien in der Chorscheitelkapelle des Heilig-Kreuz-Münsters sind abgeschlossen. Im nächsten Jahr Sanierung der Skulpturen.

Schwäbisch Gmünd

Die Chorscheitelkapelle, mitten hinter dem Hauptaltar beherbergt einige der wichtigsten Schätze des Heilig-Kreuz-Münsters: das Heilige Grab und die Skulpturen aus der Zeit um 1350, die Wandmalereien aus dem 15. Jahrhundert. Besucher des Parler-Baus sollen diese Kunstwerke besser zu Gesicht bekommen. In mehrmonatiger Arbeit hat Restauratorin Martina Fischer diese Malereien von Ablagerungen befreit, Zentimeter um Zentimeter der bis ins Gewölbe ragenden Bildwerke mit speziellen Schwämmen trocken gereinigt. Rechtzeitig zum ersten Advent soll das Gerüst abgebaut, ein Blick auf die deutlich sichtbareren Farben möglich sein. Dabei handelt es sich um Andachtsbilder, rechts die Kreuzigungsszene, links die Beweinung Christi. Die Arbeiten werden dem sogenannten Meister der Lindauer Beweinung um 1430 zugeschrieben.

Fertig sind die Renovierungsarbeiten in der Chorscheitelkapelle damit noch nicht. Deshalb bleibt eine Abgrenzung vor dem Heiligen Grab. 2021 beginnt die Restaurierung der bemalten Steinfiguren, vermutlich durch Frederike Fischer, Tochter der Restauratorin, die schon bei den aktuellen Arbeiten mit am Werk war. Die Steinfiguren stehen jetzt in einem durch Holzwände abgetrennten Bereich. Dort soll, sagt Münsterarchitekt Paul Waldenmaier, noch ein Fenster eingebaut werden, dass Besucher die Restaurierung mitverfolgen können. All die Arbeiten sind Teil der elf Jahre dauernden Münsterrestaurierung, für die jährlich rund 500 000 Euro bereitgestellt werden müssen. Waldenmaier blickt schon voraus: 2022 soll die Chorscheitelkapelle durch eine entsprechende Lichtinstallation auch deutlich sichtbarer werden. Derzeit sind die Details wegen der Dunkelheit an der Stelle eher schwierig zu sehen, bei Sonnenschein überstrahlt das Geyer-Fenster die Kunst vergangener Jahrhunderte.

Finanziert werden die Restaurierungsarbeiten vor allem durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz. "Aber ohne Spenden können wir die weiteren Arbeiten gar nicht realisieren", sagt Paul Waldenmaier.

Sorge hat der Restauratorin vor allem der Salzgehalt an manchen Stellen von Wand und Gewölbe bereitet. Das zu entfernen, würde die Farbe gleich mit zerstören. Das Salz ist im Gewölbebereich auf einen früheren und inzwischen beseitigten Wasserschaden zurückzuführen. Im Sockelbereich zieht Feuchtigkeit von unten in die Wand. Martina Fischer ist es aber gelungen, die Farben trotz des Salzgehalts zu festigen. Die Darstellungen sind nach Einschätzung von Münsterpfarrer und Dekan Robert Kloker eine der ältesten in Schwäbisch Gmünd. Viel älter als die in der romanischen Johanniskirche.

Die Chorscheitelkapelle ist die sechste im Kapellenkranz des Münsters und gilt schon wegen ihrer Lage in der Mitte als bedeutend.

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