Ricarda Lang und die Scholz-Reise in die Ukraine

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Ricarda Lang (Mitte) im Gespräch mit Martin Scheuermann (r.) - links eine Übersetzerin für die ukrainischen Zuhörer.
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Grünen-Politikerin Ricarda Lang und der ukrainische Behindertenbetreuer Serhij Bolchuk am Schönblick im Gespräch mit Direktor Martin Scheuermann.

Schwäbisch Gmünd

Martin Scheuermann, der Direktor des Schönblick, kann natürlich beten wie ein Pastor. Aber er kann auch fragen wie ein Fernsehmoderator: „Wann fährt der Bundeskanzler in die Ukraine und trifft sich mit Selenskyj?“, fragt er Ricarda Lang, die Grünen-Vorsitzende und Gmünder Bundestagsabgeordnete.

Lang war am Freitag zu Gast im Schönblick – es war ein Besuch mit Vorgeschichte: Als die ersten geflüchteten Behinderten aus der Ukraine nach Ausbruch des Krieges im Schönblick angekommen waren, da war Ricarda Lang schon einmal zu Besuch. Nun traf sie auf Pastor Serhij Bolchuk, der vom Schicksal der inzwischen 49 ukrainischen Gäste auf dem Schönblick erzählte.

Im Gespräch der beiden mit Schönblick-Direktor Martin Scheuermann geht es um die zwei Ebenen dieses Kriegs, jedes Kriegs: die Menschen und die Politik. Serhij Bolchuk erzählte noch einmal, wie morgens um 5  Uhr der Krieg in Form von Explosionen in der Nähe seines Behindertenzentrums Agape ankam, wie der Plan zur Flucht gefasst war und die Reise nach Westen für ihn und die Behinderten schließlich auf dem Schönblick endete. „Ich danke sehr für den Mut von Martin Scheuermann, uns hier aufzunehmen.“

Der Krieg ist Last und Bedrohung für Menschen, die Politik ist da, um Lösungen zu suchen. Martin Scheuermann stellte auch die Frage nach den schweren Waffen. Es gebe den Eindruck, „als blockiere der Bundeskanzler die Auslieferung von schweren Waffen“, fragte er. „Die Kommunikation des Bundeskanzlers sehen viele Deutsche doch sehr problematisch“, fügte er hinzu. „Ich habe in den letzten Monaten eine neue Rolle als Bundeskanzler-Interpretiererin dazubekommen“, meinte Lang. Dann sagte sie klar: „Ich finde es richtig, dass wir schwere Waffen liefern und dass es schnell gehen muss.“ Sie verteidigte aber auch Olaf Scholz' Auftritt auf dem Katholikentag in Stuttgart. „Er hat dort ja sehr grundsätzliche Fragen gestellt: Beantwortet man Gewalt mit Gewalt? Kann man mit Waffen Frieden schaffen?“ Dass über diese Aussagen in sozialen Medien „mit wahnsinniger Häme und Gehässigkeit hergefallen“ worden sei, habe sie schockiert, sagt Lang. „Ich finde, wir sollten nicht so tun, als ob wir darüber nicht mehr diskutieren dürften. Denn einfach ist das alles nicht, es gibt nicht nur Schwarz-Weiß-Antworten.“

Wie er die politische Lage einschätze, fragt Scheuermann dann Serhij Bolchuk. „Die Situation in der Ukraine ist sehr schwer. Natürlich fürchten wir uns, weil es noch viele Tote geben wird.“ Eines glaube er aber nicht: „Manche denken, wenn man jetzt den Russen die Krim oder andere Gebiete gibt, dann sind sie zufrieden, aber das wird Putin nicht sein. Der Appetit von Russland wird so nicht gestillt.“ Eines war ihm auch wichtig zu sagen: „Es gibt auch genug russische Menschen, die klar denken, aber viele haben das Land verlassen oder ihnen droht Gefängnis, wenn sie etwas sagen.“

„Das letzte Wort hat nicht Putin“

„Was kann man tun, was gibt Hoffnung?“, fragt Scheuermann. „Dass die ganze Welt sich vereint und dem entgegenstellt“, das sei ein Weg, um dem Angriffskrieg zu begegnen, findet Bolchuk. Aber: „Ich habe einzige Hoffnung auf Gott. Das letzte Wort hat nicht Putin, nicht die EU, nicht Amerika, nicht irgendeine andere Organisation. Das letzte Wort hat Jesus Christus.“ Bolchuk ist fest entschlossen, nach dem Krieg sein Zentrum weiter auszubauen, auch mit im Schönblick Gelerntem. „1916, als dies Haus auf dem Schönblick gebaut wurde, war gerade der Erste Weltkrieg“, sagt er noch.

Und wie ist das jetzt mit einer Scholz-Reise in die Ukraine? „Ich weiß von keinem Termin“, sagt Ricarda Lang. Es gelte zu unterscheiden, „was Symbolik ist und was ernsthafte Unterstützung für die Menschen in der Ukraine. Scholz hat gesagt, er fährt hin, wenn er etwas Konkretes anzubieten hat. Ich bin sicher, der Tag wird kommen.“ Bernd Müller

Info: 50 Menschen aus der Ukraine leben seit Anfang März auf dem Schönblick. Serhij Bolchuk hat inzwischen geholfen, hunderte Menschen mit Behinderungen aus der Ukraine in Sicherheit zu bringen.

Einfach ist das alles nicht, es gibt nicht nur Schwarz-Weiß-Antworten.“

Ricarda Lang, Bundestagsabgeordnete und Grünen-Bundesvorsitzende

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