„Riesenbremse“ für Friseure

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Jutta Grames sagt, dass es totale Verunsicherung gäbe.
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Friseure dürfen nur Getestete, Geimpfte oder Genesene bedienen. Das schreckt einige Kunden ab, weiß Obermeisterin Jutta Grames.

Schwäbisch Gmünd

Die Testpflicht ist „eine Hemmschwelle für Kunden“ und „eine Riesenbremse für uns“. Das sagt Obermeisterin Jutta Grames von der Gmünder Friseurinnung über die Vorschrift, nach der sie und ihre Friseurkollegen nur noch Getestete, Geimpfte oder Genesene bedienen dürfen. Das bedeute konkret, jene, die einen tagesaktuellen negativen Coronatest vorlegen können, die seit mindestens zwei Wochen den vollen Coronaimpfschutz haben oder die nachweisen können, dass sie innerhalb des vergangenen halben Jahres an Corona erkrankt waren.

Diese Regelung gilt seit dreieinhalb Wochen, sagt Jutta Grames. Doch schon davor seien die Kundenanfragen verhalten gewesen – abgesehen vom ersten Ansturm nach der Wiedereröffnung. Viele ließen sich ihre Haare weniger oft als früher machen, weil sie sagen, „man kommt ja sowieso nirgends hin“. Da sei bei einigen der Schnitt überfällig. Manche seien beim „Heim-Selbstschnitt“ hängengeblieben.

Die Testpflicht halte nun noch mehr Leute vom Friseurbesuch ab. In der ersten Woche seit deren Einführung habe sie in ihrem Haarstudio in Böbingen um die 95 Prozent Umsatzeinbußen gehabt, in der zweiten Woche etwa 90 Prozent. Da habe sie im Grunde mehr am Telefon die vielen Fragen von Kunden beantwortet als mit Schere, Rasierer und Farbe zu hantieren. Vergangene Woche sei es besser geworden, da habe der Umsatzrückgang bei etwa 70 Prozent gelegen. Die Leute gewöhnen sich an die Vorschrift, vermutet die Obermeisterin.

Dass Kunden seit 3. Mai die Schnelltests direkt im Friseursalon machen dürfen, erleichtere die Sache ungemein. Sie hält in ihrem Haarstudio in Böbingen Schnelltests bereit, die sie zum Selbstkostenpreis abgibt. Manche brächten aber auch Tests mit, die sie gekauft oder vom Arbeitgeber erhalten haben. Die Friseure müssen es überwachen, wenn die Kunden sich selbst testen, währenddessen aber Abstand zu ihnen halten, bis das Ergebnis feststeht. Angesichts der wenigen Termine sei dies derzeit kein Problem. Sie könne sich auch vorstellen, die Tests im Sommer draußen machen zu lassen.

Es herrscht die totale Verunsicherung.“

Jutta Grames, Obermeisterin

Das negative Testergebnis dürfen die Friseure den Kunden bescheinigen. Eine Vorlage dafür gebe es beim Landesverband für Friseure. Falls das Testergebnis positiv ausfallen sollte, fordern die Friseure die Betroffenen auf, heim zu gehen, und geben beim Gesundheitsamt Bescheid, sagt Jutta Grames.

Tests beim Zahnarzt sinnvoller

Grundsätzlich finde sie die Strategie gut, nach der sich die Menschen möglichst häufig testen lassen. Sie und ihre Mitarbeiter testen sich regelmäßig. Das ist auch für Lotte Sopp vom Friseursalon Strubelpeter in der Weststadt selbstverständlich. Sie fühle sich sehr sicher im Friseursalon, zumal sie extra einen Luftfilter und ein Bodenreinigungsgerät angeschafft habe. Auch Jutta Grames verweist auf die hohen Hygieneauflagen in den Friseursalons, in denen Kunden und Mitarbeiter die ganze Zeit über FFP2-Masken tragen. Daher halte sie die Testpflicht dort für überflüssig. Sinnvoller wäre diese ihrer Meinung nach beim Zahnarzt, wo die Patienten ihre Masken abnehmen.

Viele Kunden könnten nur schwer nachvollziehen, wo genau was gilt, weiß Jutta Grames: „Es herrscht die totale Verunsicherung.“ Vor jedem Termin gebe es daher mindestens ein Telefonat mit Nachfragen zu Schnelltests, zu Nachweisen für die Impfung oder für die zurückliegende Coronaerkrankung.

„Der Informationsfluss ist katastrophal“, findet Georg Pantelidis vom Salon Hair Design Georg in Gmünd. Er verbringe mindestens eine Stunde am Tag damit, die Leute aufzuklären. Zwei von vier Friseuren in seinem Salon haben sich beim Deutschen Roten Kreuz zu Schnelltestern ausbilden lassen. So stelle er es nun den Kunden frei, ob er sie testen soll, sie sich selbst testen oder eine Bescheinigung mitbringen. Wobei immer mehr Leute mit ihrem Impfpass kämen. Wegen des Datenschutzes dürfe er nicht verlangen, dass die Kunden diesen vorlegen. Die meisten zeigten ihn jedoch automatisch. Doch es reiche, wenn sie glaubhaft versichern, dass sie seit mindestens zwei Wochen vollen Coronaimpfschutz besitzen. Zumal zu ihm vor allem Stammkunden kämen. „Da weiß ich sowieso, wer geimpft ist und wer nicht“, erzählt er, „momentan gibt es ja eigentlich kein anderes Thema“.

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