Rituale zum Umgang mit dem Tod im Wandel der Zeit

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Ausstellung Versehtextilien Schulmuseum
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Das Gmünder Schulmuseum im Klösterle widmet seine zweite Sonderausstellung der Sterbekultur.

Schwäbisch Gmünd

Einen ersten Blick in die zweite Sonderausstellung des Gmünder Schulmuseums konnten Erster Bürgermeister Christian Baron und Klaus Arnholdt vom Amt für Bildung und Sport, werfen. Unter dem Titel „Bis zuletzt – Versehtextilien“ wird die Ausstellung zum Umgang mit dem Tod vom 6. März bis zum 31. Dezember im Schulmuseum im Klösterle zusehen sein.

Entworfen, geplant und aufgebaut hat die Ausstellung Kuratorin Professorin Dr. Ulla Gohl-Völker aus Stuttgart. Neben den Exponaten bietet die Ausstellung, wie im Untertitel beschrieben, „Zeugnisse der Mädchenbildung im Schulmuseum. Bezüge zu aktuellen Bildungsplänen und zur Alltagskultur“.

Nach dem Zweiten Weltkrieg sind Versehgarnituren nach und nach aus dem Alltag verschwunden. Heute haben nur noch wenige Haushalte alles parat, was gebraucht wird, wenn ein Katholik stirbt. Wenn die Zeit kam, dass der Priester die letzte Ölung erteilen sollte, wurde früher ein bestimmtes Ritual vorbereitet. Ein Tisch wurde mit einem großen, weißen Tuch als Altar hergerichtet. Darauf lagen einzelne kleinere Tücher für die Versehgarnitur. Sie besteht aus einem großen Kruzifix, zwei Kerzenleuchtern, einem Tablett, Salz- und Ölgefäß, Weihwasserpinsel, Kniebänkchen und Totenkreuzen, die dem Verblichenen in die Hand oder auf die Brust gelegt wurden.

Die verschieden großen Tücher für den „Altar“ zeigen wunderbare Stickereien. Es war der Stolz junger Frauen, in ihrer Aussteuer sorgfältig ausgeführte Arbeiten zu haben. Im Handarbeitsunterricht erhielten sie die Anleitung für diese Fertigkeiten. Das große Tuch wurde mit einem Bibelzitat oder einem heiligen Ausspruch und Weinlaub als Zeichen des Lebens, mit Kelch und Kreuz aufwendig bestickt. Diese Motive wiederholten sich auf den kleineren Tüchern. Oft war alles mit kunstvoller Spitze verziert.

Bis in die 30er-Jahre lässt sich das Entstehungsjahr der Stickereien an der Farbe des verwendeten Garnes ablesen. Im 19. Jahrhundert wurde nur weiß gestickt. Ab 1905 gab es kochfeste rote Fäden, die bis zum Ersten Weltkrieg verstickt wurden. Dann war Gold der Favorit. In den 30er-Jahren kam Blau hinzu.

Die Sonderausstellung befasst sich mit dem Tod im historischen Kontext bis zur Gegenwart. Es finden sich neben den Versehgarnituren auch Abbildungen zum Wandel des Verständnisses der Auferstehung - von der Idee der leiblichen Auferstehung bis zum Gedanken der geistigen Auferstehung, wie sie als erste die Künstler Jörg Rathgeb und Matthias Grünewald mit einer Aureole darstellten, Dürer dann als Strahlenkranz.

Über den einzelnen Ausstellungstischen geben Plakate einen Überblick vom historischen Umgang mit dem Sterbeprozess bis zur Trauerkultur der Gegenwart. Dazu gehören auch Abbildungen wie die von „For the Love of God“ des Künstlers Damien Hirst, eine Skulptur eines menschlichen Schädels, besetzt mit lupenreinen Diamanten, sowie literarische und musikalische Exponate zum Thema Tod, unter anderem „An alle Hinterbliebenen“ von Thomas D, was per QR-Code angehört werden kann.

Christian Baron und Klaus Arnholdt zeigten sich tief beeindruckt von der Vielfältigkeit dieser kulturwissenschaftlichen Ausstellung, von der die Kuratorin sagt, dass das Gmünder Schulmuseum über das reichhaltigste Material verfüge. „Selbst große Museen haben oft nur ein einziges Exemplar einer Versehgarnitur.“

Mehr Bilder von der Ausstellung auf www.tagespost.de

Selbst große Museen haben oft nur ein einziges Exemplar.“

Professorin Dr. Ulla Gohl-Völker,, Kuratorin
  • Versehtextilien im Schulmuseum
  • Die Sonderausstellung „Bis zuletzt – Versehtextilien“ wird in der Gmünder Volkshochschule am Sonntag, 6.März, um 14 lUhr eröffnet. Mit dabei sind Dekan Robert Kloker,Erster Bürgermeister Christian Baron, Kuratorin Professorin Dr. Ulla Gohl-Völker und Museumsleiterin Gerda Fetzer. Die Ausstellung ist bis 31. Dezember zu sehen.
V. r.: Bürgermeister Christian Baron und Schulamtsleiter Klaus Arnholdt lassen sich von Kuratorin Professorin Dr. Ulla Gohl-Völker in die Ausstellung über Versehtextilien im Schulmuseum einführen.
Ausstellung Versehtextilien Schulmuseum
Ausstellung Versehtextilien Schulmuseum
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