Rokoko im Gmünder Remspark

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Zeitreise ins Rokoko
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Bei einer „Zeitreise ins Rokoko“ zeigt die Gmünder Tanzgruppe „Les Cotillons“ am Sonntag im Remsgarten, wie der barocke Adel getanzt und gefeiert hat.

Schwäbisch Gmünd

Vier Frauen und vier Männer stehen sich gegenüber. Musik erklingt. Huldvoll neigen die Herren den Kopf, die Damen sinken in einen Knicks. Dann reichen sich die Paare die Hände und beginnen sich zu drehen. Die Gmünder Tanzgruppe „Les Cotillons“ zeigte am Sonntag bei einer Zeitreise ins Rokoko, wie ein Picknick des Adels im 18. Jahrhundert ausgesehen haben könnte.

Allein schon die Aufmachung war einer näheren Betrachtung wert. Die 15 Frauen und Männer trugen aufwändig genähte Kleidung, die der Mode des barocken Zeitalters nachempfunden war. „Marie-Antoinette war die Stilikone der damaligen Zeit“, verwies Sprecherin Sabine Schneider auf die Gattin des französischen Königs Ludwig XVI. „Madame Conny trägt ein Jäckchenkleid aus bestickter Seide“, sagte sie und zeigte auf die Dame, die sich im rosa Rock mit grasgrünem Jäckchen drehte.

Die Zuschauer erfuhren, dass die weißen Rüschen an den Ärmeln ein Zeichen dafür waren, dass die Trägerin Bedienstete hatte: „Ansonsten würden die Rüschen ja schmutzig werden.“ Die Damen Gretchen und Beate präsentierten polnische Kleider, die an den hochgerafften Rockschößen gut zu erkennen seien.

Sabine Schneider selbst trug ein sogenanntes großes Hofkleid nach französischem Vorbild. „Das erkennt man an den umfangreichen Falten im Rücken.“ 13 Meter Stoff werden für solch ein Kleid verwendet. Abseits im Schatten raffte Rita Plutz ihre Röcke nach oben und lächelte: „Das macht eine Dame zwar nicht, aber hier sind meine Hüftkörbe.“ An jeder Seite formte ein mit Stäben verstärktes Gebilde die breiten Hüften, die damals für Schönheit und ein hohes Ansehen standen.

Viel Freude am Anderssein

Rita Plutz und Heike Silbereis gewährten außerdem einen Blick auf die stramm geschnürten Mieder, die sie unter der Seide trugen. Geschnürt wird auch die Weste von Kurt Plutz, die unter seinem mit Rosshaaren gefütterten Samtmantel steckte. „So könnte man bis zu 30 Kilo zunehmen und sie passen trotzdem“, erklärte Heike Silbereis.

Warum macht sie bei der 2014 gegründeten Gruppe mit? „Weil es mir großen Spaß macht, Kontraste zu leben.“ Also mal etwas ganz Anderes darzustellen als im normalen Leben. Kurt Plutz musste auch nicht lange überlegen: „Mir gefällt die Gemeinschaft.“ Besonders beim Tanzen: „Wir wechseln die Partner, nehmen uns an den Händen und haben ständig Blickkontakt.“

Wie elegant solche Gruppentänze aussehen, bewiesen „Les Cotillons“ mehrere Male. Sei es beim Gassentanz, bei dem man zwischen außenstehenden Partnern hindurchtanzt. Oder beim Cotillon, dem Tanz, der ihrer Gruppe den Namen gibt: „Dabei stellt man sich im Quadrat auf“, kündigte Sabine Schneider an, bevor die Musik von Mozart erklang. Ebenfalls von Mozart stammten die Arien, die sie immer wieder beisteuerte.

Später verriet sie, dass die Gruppe Tanzstunden genommen habe, um die richtigen Bewegungen zu beherrschen. Die Kleider seien mit viel Liebe selbst genäht: „Wir möchten, dass alles möglichst authentisch ist“, betonte sie, „und vor allem nicht, dass es wie Fasching wirkt“. Der Grad sei schmal, deswegen müssten die Details stimmen, auch bei Schuhen und Perücke. Die Faszination für die barocke Epoche sei stark: „Wir wollen sie aber nicht verherrlichen.“ Immerhin hätten nur sehr wenige Menschen so gelebt, wie sie es zeigen.

Die Gruppe probt alle zwei Wochen freitags in der Rauchbeinturnhalle, Rauchbeinstraße 6, in Schwäbisch Gmünd und freut sich über neue Mitglieder.

Link: Mehr unter facebook.com/les-cotillons.

Mehr Bilder gibt's unter www.tagespost.de.

Es darf nicht wie Fasching wirken.“

Sabine Schneider , „Les Cotillons“
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