Rosen als Zeichen der Liebe

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Ein Moment der Trauer: Während des ökumenischen Karfreitagsgottesdienstes gedenken die beiden Dekane, Robert Kloker (l.) und Ursula Richter (r), sowie knapp 100 Gottesdienstbesucher der Menschen, die bisher in Deutschland an Covid-19 verstorben sind.

Ökumenisch begehen die Münster- und Augustinusgemeinde den Karfreitag und gedenken doppelt dem Leiden.

Schwäbisch Gmünd

Schön, heute in größerer Gemeinschaft feiern zu können", begrüßte Dekan Robert Kloker knapp 100 Gläubige zur ökumenischen Karfreitagsfeier im Münster – 236 folgten per Livestream. "Die Corona-Pandemie hat uns zusammengeführt", ging er auf den Karfreitag vor einem Jahr ein, den er erstmals zusammen mit seiner evangelischen Kollegin Dekanin Ursula Richter zelebrierte – 2020 allerdings zu fünft, ohne Gemeinde. Was Ostern 2021 ebenfalls vom Vorjahr unterscheidet: Corona ist nach gut einem Jahr eine Pandemie mit vielen Todesopfern.

Eine Installation im Chor erinnerte an die mittlerweile 76 823 an Covid-19 gestorbenen Menschen in Deutschland – fünf Mal mehr als im Herbst 2020. Damals gab es bereits eine Installation im Münster mit einem Nagel für jeden Corona-Toten, was nun nicht mehr möglich sei, erläuterte Kloker. Am Freitag mahnten 77 große Nägel in einer Sandschale, ein Nagel steht für 1000 Tote. Die aktuelle Zahl im Ostalbkreis: 305 Tote. An diese Menschen wurde ganz besonders erinnert. Am Ende der Wortgottesfeier steckten Landrat Dr. Joachim Bläse und Oberbürgermeister Richard Arnold, die neu gewählte, künftige Landtagsabgeordnete Martina Häusler sowie die Geistlichen eine rote Rose als Zeichen der Liebe zu den Nägeln.

Das Leid hat viele Gesichter

Dekanin Richter spannte den Bogen zum Leiden und Sterben Christi, das an Karfreitag im Fokus steht: "Als Jesus ans Kreuz genagelt wird und stirbt, vergibt und verzeiht er." Er werde Bruder in den tiefsten Abgründen des Lebens. Dekan Robert Kloker hob im Gebet die ganze Tragweite des Kreuzestodes hervor: "Im Todesschrei sammeln sich die Schreie der Gequälten aller Zeiten."

Ohnmacht, Wut, Erschöpfung, Nöte und Sorgen, Trauer um Verstorbene – das Leid in Zeiten von Corona hat viele Gesichter, wie die Aufzählung von Dekanin Richter zeigte; hinzu kommen Hassbotschaften und Verschwörungstheorien. Sie könne nur den Hut ziehen vor denen, die zurzeit Verantwortung übernehmen. "Man kann nicht allen alles recht machen." Respekt zollte sie einer Kanzlerin, die um Vergebung bittet, oder dem SPD-Abgeordneten Karl Lauterbach, der trotz Anfeindungen stets sachlich und geduldig antworte und erkläre.

Mit dem Menschen sei es seltsam, denn er brauche Sündenböcke, vor allem, wenn er überfordert ist. Schlimm sei es nur, wenn es heute wieder heiße, die Juden seien schuld und planten eine Weltverschwörung. "Die Wurzeln liegen nicht zuletzt auch in jahrhundertelangen einseitigen Karfreitagsverkündigungen auf christlichen Kanzeln, die Juden seien schuld am Tod unseres Herrn Jesu", so Richter. Sie griff den Satz von Gesundheitsminister Jens Spahn auf: "Wir werden uns viel verzeihen müssen." Gott habe den Anfang längst gemacht.

In den Fürbitten gingen die beiden Geistlichen noch einmal explizit auf all diejenigen ein, die "heute ihr Kreuz zu tragen haben", weil sie von Terror, Hass, Ungerechtigkeit, Missgunst, Hunger, Neid und Verzweiflung betroffen sind, gepaart mit der Bitte: "Schenke uns Hoffnung und Zuversicht und Vertrauen auf deine Verheißung."

Musikalisch umrahmt wurde die Feier von Kirchenmusikdirektor Stephan Beck und Prof. Klaus Dreher sowie einer Frauenschola des Münsterchores.

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