Rotes Hexenkraut für die Liebe

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Von Brennnessel bis Wegerich: Mehr als zehn Teilnehmerinnen begleiteten den Kräuterspaziergang der Volkshochschule beim Schirenhof mit Kräuterpädagogin Annemarie Guckes.

Was die Teilnehmerinnen des Kräuterspaziergangs mit Kräuterpädagogin Annemarie Guckes beim Schirenhof lernten.

Schwäbisch Gmünd

Das Interesse an Kräutern, ihrem Vorkommen, ihrem Gebrauch und ihrer Wirkung ist groß. Kürzlich wurde dies bei einem Kräuterspaziergang der VHS beim Schirenhof mit Kräuterpädagogin Annemarie Guckes sehr deutlich. Mehr als zehn Teilnehmerinnen begleiteten diesen lehrreichen Spaziergang.

"Jetzt ist die Zeit für Heilkräuter", führte Guckes ins Thema ein, "im September und Oktober sind dann die Esskräuter dran". Aus alten Büchern könne man erfahren, dass an bestimmten Tagen gepflückte Kräuter bei den Altvorderen als besonders heilintensiv galten. Dasselbe gelte für die Zeit um Vollmond. Eines der am häufigsten vorkommenden und unterschätzten Kräuter sei dabei die Brennnessel. Greife man beherzt in die Blätter, trete weniger Säure aus – und der Brenneffekt werde beseitigt. "Denn die Brennnessel ist eine der wichtigsten Nutzpflanzen", führt Guckes aus. So könne sie als Wildspinat verzehrt werden, aber auch als Heilkraut sei sie verwendbar. Viel Magnesium und Eisen enthalte die Brennessel – und sie bereite diese Mineralien als verwertbar auf. Selbst roh könne sie gegessen werden und die Samen seien das reinste "Superfood". Als Tiernahrung sorge sie für ein besseres Fell – und beim Menschen für schöneres Haar. Früher sei die Pflanze auch als Rohstoff für Nesselstoffe verwendet worden.

Brennnessel als "Super-Food"

Ein ebenfalls gutes und unterschätztes Kraut sei der Giersch. "An ihm ist alles verwendbar", sagt sie, "und auch die Samen sind gut". Er gelte als "Zipperleinkraut", wirke auch bei Entzündungen und gegen Arthrose. "Das ist eine total vitale Pflanze", urteilt sie. Und es gebe sie in Hülle und Fülle.

Weitere wichtige und häufig vorkommende Kräuter seien auch die "Wegeriche". Breit-, Spitz- und Mittlerer Wegerich seien vielseitig verwendbar. Der Spitzwegerich bewähre sich d als Hustensirup bei Reizhusten, mache sich aber auch frisch als Salat oder auf Bratkartoffeln gut. Der Breitwegerich verschaffe, in die Schuhe eingelegt, erhitzten Füßen Kühlung – und seine Samen eigneten sich für die Küche. Ein gewisser Pilzgeschmack zeichne sie aus. Zu jeder Jahreszeit genießbar sei der Löwenzahn. Alles an ihm sei essbar. Als Salat zum Beispiel oder die Wurzel frisch geschnitten aufs Brot.

An Staudensellerie erinnere der Wiesenbärenklau, im Schwäbischen auch als "Schäddele" bekannt und häufig als Hasenfutter eingesetzt. Allerdings müsse man die Stängel vor dem Verzehr schälen, zu rau seien sie sonst. Die Blätter könne man als Gemüse nutzen und die Samen zum Würzen. Äußerst nahrhaft sei auch der Rotklee. Der hohe Eiweißgehalt der Köpfe sorge für Sättigung – und zur Dekoration eigneten sie sich auch.

Heiler am Wegesrand

Ein weiterer "großer Heiler am Wegesrand" sei die Schafgarbe. Als Notfallapotheke eigne sie sich gegen Koliken und zur Blutstillung. Selbst bei Menstruationsbeschwerden und Magenkrämpfen wirke sie. In China werde sie als Orakel eingesetzt. Das Wiesenlabkraut eigne sich als Salatwürze. Dort schmecke sie wie junger Mais. "Wildkräuter sind Nahrung, die satt macht", erklärt Guckes. So eigne sich auch der Sauerampfer als Salat. "Es gibt eine erstaunliche Vielfalt von Kräutern auf kleinem Raum", erläutert sie. So sei die Wilde Karde früher zum Stoffe Anrauen verwendet worden und das "Rote Hexenkraut" sei als Kraut der Circe bekannt gewesen: Angeblich eignete es sich mit Alkohol aufbereitet zum Becircen der Männer. Ein Tee aus Odermennig habe die Farbe eines "Rosé" und wirke bei Schleimhautentzündungen.

Die Wilde Möhre, die Urmöhre, sei durchaus als Möhre zu verwenden – und der Ackerschachtelhalm, auch Zinnkraut genannt, wirke als Prophylaxe bei Osteoporose. Und die Wiesensilge mit ihrer gelblichen Dolde könne als Petersilienersatz genutzt werden.

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