Scharfer Blick auf die Tuningszene

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Polizei kontrolliert Poserszene
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Bei einem großen Einsatz am Samstag in Schwäbisch Gmünd haben es die Einsatzkräfte auch mit Alkohol, Fahren ohne Führerschein und Gurtmuffeln zu tun

Schwäbisch Gmünd

Aufheulende Motoren und quietschende Reifen, so macht sich die Autoposer-Szene oft bemerkbar. Erkennungsmerkmale sind häufig auch tiefer gelegte Fahrzeuge und Abgasanlagen, die den besonderen Sound erst möglich machen. Genau darauf hatte die Polizei bei einer groß angelegten Kontrolle am Samstag in der Innenstadt ein Auge. Bis 24 Uhr wurden 70 Autos und 90 Personen unter die Lupe genommen. In 17 Fällen gab es Grund zur Beanstandung.

Bis zu zwölf Beamte waren rund ums Forum Gold und Silber zwischen Ledergasse und Remsstraße im Einsatz. Dabei auch Spezialisten, denen getunte Autos mit einem Blick auffallen, die die Vorlieben der Autoposer kennen. Die tragen die Fahrzeuge nicht immer nach außen. Ein dunkler C-Klasse-Mercedes ist einer der ersten Wagen, die kontrolliert werden. Polizeikommissar Christopher B. fällt die Tieferlegung sofort auf. „Dann wird schon mal alles kontrolliert.“ Die Fahrzeugpapiere natürlich, aber auch mögliche Veränderungen am Auto.

Nicht ganz ungefährlich

Das beginnt bei den Reifen. Weil Hersteller oft gleich mehrere Reifengrößen zulassen, ist eine Kontrolle vor Ort schwierig. Nach Möglichkeit zieht die Polizei auch Kraftfahrzeug-Sachverständige von Prüfdiensten dazu, dann könnten unerlaubte Veränderungen noch besser erkannt werden. Vieles ist aber auch so sichtbar. Markus Deuter, Leiter des Polizeireviers Schwäbisch Gmünd, beobachtet die Kontrollstelle und kennt ebenfalls typische Schwachstellen. „Da kommt es schon mal vor, dass bei tiefer gelegten Wagen die Reifen an der Karosserie streifen.“ Nicht ungefährlich, weil so ein Reifen durchgescheuert werden kann.

Ein Auge habe man auch auf Anbauteile, die oft im Internet besorgt würden. Markus Deuter weiß aus anderen Kontrollen von Bremsgriffen an Motorrädern, die qualitativ nicht den Anforderungen entsprechen und bei längerer Belastung brechen können, mit allen Folgen. Auch Tönungsfolien auf Scheiben würden nicht immer sachgemäß angebracht. Am Samstag war das ebenfalls Thema. In einem Fall mussten die kontrollierenden Beamten einen viel zu breiten Folienstreifen an der Oberkante der Windschutzscheibe bemängeln.

Zurück zum C-Klasse-Mercedes: Mit Taschenlampe und geschultem Blick muss Christopher B. ganz tief in die Knie gehen, um einen Blick unters Auto, auf Stoßdämpfer, Federn und Abgasanlage zu werfen. Und schließlich folgt ein Blick in den Motorraum. Motortuning geht längst auch ohne Eingriff bei Nockenwelle und Ansaugkrümmer. Chiptuning, also ein Eingriff in die digitale Motorsteuerung, kommt viel häufiger vor. Das erkennt der Polizeikommissar mit einem Blick aufs Motorsteuergerät, weil dort oft ein Anbauteil darauf hinweist.

Weiteres Anbauteil, das an diesem Samstag immer wieder beanstandet wird: Distanzscheiben an den Fahrzeugachsen. „Der breitere Radstand lässt die Autos natürlich dicker aussehen“, sagt der Chef des Polizeireviers. Nur wenn sie vom TÜV genehmigt sind, geht so etwas durch. „Sonst erlöscht die Betriebserlaubnis“, so Christopher B. In der Regel dürften Autofahrer bei kleineren Mängeln aber nach Hause fahren, diesmal gab es nur einen Fall, bei dem ein Auto an Ort und Stelle aus dem Verkehr gezogen und in Obhut der Polizei genommen wurde.

Bei den kleineren Mängelberichten genügt es, so Markus Deuter, wenn Betroffene den Fehler beseitigen lassen und der Polizei eine Bestätigung vorlegen.

Dann wird schon mal alles kontrolliert.

Christopher B., Polizeikommissar
  • Die Fahrzeugkontrolle in Zahlen
  • 70 Fahrzeuge hat die Polizei am Samstag in Schwäbisch Gmünd rund um das Forum Gold und Silber kontrolliert. Außerdem gab es 90 Personenkontrollen.
  • 7 Mängelberichte wurden ausgestellt.
  • 5 Fahrerinnen oder Fahrer waren nicht angeschnallt.
  • 1 Verstoß gegen das Handyverbot am Steuer wurde notiert.
  • 1 Autofahrer wurde mit Alkohol am Steuer erwischt.
  • 1 Fahrer hatte keinen Führerschein.
  • 1 Auto war wegen Veränderungen am Fahrzeug ohne Betriebserlaubnis unterwegs.
Polizei kontrolliert Poserszene
Polizei kontrolliert Poserszene
Spezialisten der Polizei kontrollieren vor allem Autos, die verändert wurden: Nicht immer sind Reifen, Felgen oder tiefergelegte Fahrwerke erlaubt. In diesem Fall kann der Autofahrer aber weiterfahren.

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