Schillers Räuber und Maria Stuart inspiriert durch Gmünd

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Die Zeitreise durch Schwäbisch Gmünd begann an der Waldstetter Brücke und führte am Josefsbach entlang durch die Grabenallee bis zum Kroatensteg. Da machte auch der sturzbachartige Regen (fast) nichts aus.

Marlene Grimminger lädt ihre 20 Gäste zu einer fesselnden Zeitreise entlang des Josefsbachs im Platzregen.

Schwäbisch Gmünd

Ich bin vom Virus der Stadtgeschichte infiziert", gestand Stadtführerin Marlene Grimminger ihren 20 Gästen an der Waldstetter Brücke und führte am Josefsbach entlang durch die Grabenallee bis zum Kroatensteg.

Eine Zeitreise so lebendig erzählt, dass die Gäste auch den sturzbachartigen Regen aushielten. Grimmingers Meisterstück, denn der nasse Teil war der längste der über zweistündigen Führung. Nur vom Baum an der "Haltestelle" geschützt, präsentierte sie spannend und humorvoll die Hintergründe vom Stationskreuz Waldstetter Brücke bis zum Kroatenstieg. Die letzte Station erinnert mit der von Andrea Kastner gestalteten "Treppe ins Nichts" und den Namen der letzten Mitglieder der Gmünder jüdischen Gemeinde an das Unrecht während der NS-Zeit.

Ganz besonders beeindruckte die Josefskapelle am Waldstetter Bach, der ab dort Josefsbach heiß. Gestiftet von Anna Maria Klopfer, Ehefrau eines Gmünder Bürgermeisters, die 1668 in ihrem Testament verfügte, diese Kapelle nach dem Vorbild der Herrgottsruhkapelle zu bauen. Eine umsichtige Stifterin, die auch ein Mesnerhaus bauen ließ und dafür sorgte, dass Pachteinnahmen die Bezahlung von Pfarrer und Mesner sowie die Erhaltung sicherstellten.

Die Kapelle, außerhalb der Stadtmauer nur von Wiesen umgeben, ist heute ein Kleinod in dichter Bebauung und regem Straßenverkehr. Es lohnt sich, die täglich geöffnete gotische Kapelle zu besuchen, die der Enkel des bekannten Gmünder Baumeisters Kaspar Vogt ein wenig größer als die von ihm geschaffene Herrgottsruhkapelle erbaute.

Ihr ursprünglicher Name war St.-Maria-und-Josefkapelle. "Das war den Gmündern zu lang, deshalb hieß es bald nur noch Josefskapelle!", schmunzelte die Stadtführerin. Der Hochaltar zeigt Josef, Maria und das Christuskind. Darüber den Erzengel Michael in der seltenen Darstellung als Seelenwäger mit Schwert. Neben dem Hochaltar zwei Steinreliefs: ‘Josefstod' aus dem Jahr 1709 und ‘Marientod' von 1518. Das Chorgestühl stammt von 1754, die Brüstungen aus dem 17. Jahrhundert. Bis heute wurden dienstags Gottesdienste abgehalten durch Pfarrer Wengert, zur Zeit wegen Corona ausgesetzt.

Ich bin vom Virus der Stadtgeschichte infiziert.

Marlene Grimminger, Stadtführerin

Federvieh als Gärtner?

Über den Schillersteig ging es zurück in den Graben. "Warum Schillersteig?", fragte Marlene Grimminger. Darüber gibt es mehrere Vermutungen. Einerseits führt er zur Schillerstraße, andererseits wisse man, dass Kaspar Schiller in Gmünder Wirtshäusern junge Männer zum Dienst in die Württembergische Armee anwarb. Auch, dass sein dreijähriger Sohn Friedrich in Gmünder Gassen gespielt haben soll und seine Erlebnisse möglicherweise in zwei Werken Niederschlag fanden: Die Räuber und in Maria Stuart der Konflikt zwischen Protestanten und Katholiken.

In jedem Frühjahr erfreut das Farbenspiel der vielen Krokussen im Graben die Spaziergänger. Eine Erklärung, so Grimminger, sei, dass Franz Josef Hirschauer, einer der ersten Villenbesitzer in der Parlerstraße, Federvieh in seinem großen Garten hielt, das die Samen der Krokusse weit verstreute. Die Villen am Graben waren Ende des 19. Jahrhunderts ein städtebauliches Projekt mit dem Ziel, reiche Bürger großzügige Villen erbauen zu lassen mit einem Vorgarten und 50 Metern Abstand zum Nachbarn. Zur Landesgartenschau 2014 kaufte die Stadt mehrere Gärten auf, die als Oasen mit Kräutern und Rosen von den Partnerschaftsstädten Barnsley und Antibes gestaltet wurden.

Gedenksteine liegen ebenfalls am Weg. An der Waldstetter Brücke für Robert Haider und Heinrich Probst, die noch kurz vor Kriegsende hingerichtet wurden. Das Denkmal "Lebenszeichen 2019" erinnert an die Opfer der Euthanasie. Gregor Mendel, der die Vererbungslehre revolutionierte, war Schlesier, und gilt als Verbindung zum Osten. An den Brünner Todesmarsch erinnert das Brünner Marterl. Historische Fakten und ein paar Hintertreppeninfos gab es zur Karl-Olga-Brücke. 1904 im Jugendstil erbaut, hieß sie zunächst Goethebrücke, wurde dann zu Ehren der württembergischen Königin Olga in Karl-Olga-Brücke umbenannt.

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