Schmiedgassen-Umgestaltung: „Es ist nur ein Provisorium“

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Nur eine halbe Lösung? Brezelparkplätze sind aufgemalt, eine offizielle Regelung und entsprechende Kontrolle fehlt, kritisiert Jürgen Stemke.
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Die Stadtverwaltung wollte Anregungen für die Schmiedgassen-Umgestaltung – Anwohner Jürgen Stemke hat viele geliefert. Nun folgt das nächste Bürgerforum.

Schwäbisch Gmünd

Jürgen Stemke spielt eine Doppelrolle: Er wohnt in der Schmiedgasse und ist zugleich dort Geschäftsinhaber. Vor dem nächsten Bürgerforum zum Thema Schmiedgassen an diesem Dienstagabend hat er den Oberbürgermeister beim Wort genommen: Eindrücke, Erfahrungen, Anregungen, Verbesserungsvorschläge hatte Richard Arnold erbeten. Neun Seiten Schmiedgassen-Gedanken hat Stemke gesammelt.

Sein Fazit zur im Sommer begonnenen Umgestaltung fällt gemischt aus: „Als Anwohner ist das weniger an Verkehrslärm schon eine feine Sache.“ Man könne jetzt auch mal bei offenem Fenster Radio hören. Als Geschäftsmann mache ihm die derzeitige Situation in den Schmiedgassen „eher Probleme“. Kunden, die kurz mit dem Auto für einen Einkauf halten, seien teilweise weggefallen. „Und die Außengastronomie hat das nicht ausgleichen können.“

Stand ist: In der Hinteren Schmiedgasse ist für Autos gesperrt, es gibt weniger Parkplätze, überall gilt Tempo 20, die Busse fahren nach wie vor und die sommerlichen Elemente wie Gastro-Holzterrassen und Pflanzkübel sind in den Winterschlaf-Modus gewechselt.

Es muss sich noch mehr ändern, findet Stemke: „Es ist nur ein Provisorium, aber das darf es nicht bleiben.“ Die Kernfrage aus seiner Sicht ist: „Wie kriege ich die Leute in die Schmiedgasse?“ Ansatzpunkte sind Gestaltung und Verkehr, findet er.

Das Wort ist einfach, die Sache sehr komplex: Will man weniger Verkehr? Oder anderen? Und wenn ja, welchen? Jürgen Stemke findet, dass man bei solchen Planungen 20 Jahre vorausdenken sollte. Der Mix der Verkehrsmittel werde sich über lange Sicht ändern: „Mehr Fahrrad, mehr Öffentliche Verkehrsmittel, dahin muss es ja offensichtlich gehen.“ Für Räder fehlen Stellplätze, findet Stemke, und es geht neben der Quantität auch um Qualität. Jemand, der sich ein E-Bike für tausende Euro kaufe, wolle vielleicht nicht an den einfachen Metallbügeln das Risiko eingehen, dass es zerkratzt wird. Auch für Lastenräder sehe er keinen Platz, weder für Innenstadtbesucher noch für Anwohner.

„Wie kriege ich die Leute in die Schmiedgasse?“

Jürgen Stemke, Anwohner und Geschäftsinhaber

Das Bus-Problem in der Schmiedgasse bringt Stemke auf den Punkt: „Guter ÖPNV ist wichtig, aber er sollte nicht stören.“ Die Innenstadt brauche die Kunden, die mit dem Bus nah an ihr Ziel kommen wollen, aber: „Die Belastung der Innenstadt durch Busverkehr ist bei der derzeitigen Lösung zu hoch.“ Rund 1000 Busse pro Tag in den Schmiedgasse, das passt nicht zum Ziel mehr Aufenthaltsqualität – der Meinung ist nicht nur Jürgen Stemke. Vielleicht könnten „Umsteigestationen“, so Stemke, von großen auf kleinere Busse helfen?

Ideen für den Busverkehr dürften ein zentrales Thema des Bürgerforums werden, Oberbürgermeister Arnold hatte angekündigt, in der Frage im Herbst weiterkommen zu wollen. Stadtsprecher Markus Herrmann verspricht, dass es um alle wichtigen Themen, um „Busse, Verkehr, Wohnen, Aufenthaltsqualität“ gehen wird. „Auch Jürgen Stemkes Anregungen, und nicht nur seine, werden da einfließen.“ Stemke hofft, dass Ideen dann auch aufgegriffen werden, er hat da Zweifel bekommen in letzter Zeit: „Zum Teil wiederholen sich die Wortmeldungen, aber es kommt keine Reaktion zurück.“ Wenn das der Fall sei - „dann ist es nur eine Pseudoveranstaltung“. Auch von der halbherzigen Umsetzung von Ideen ist Stemke enttäuscht: Bei den Brezelparkplätzen, die symbolisch auf den Boden gemalt sind, fehle die entsprechende Regelung, damit sich dort keine Dauerparker breitmachen. "Die Lösung ist eigentlich einfach: 'Am Automaten die ergänzende Zeile Parken auf mit Brezel gekennzeichneten Flächen 10 Minuten frei' und das dann auch kontrollieren."

  • Bürgerforum im Stadtgarten
  • Das Bürgerforum zum Thema Schmiedgassen beginnt am Dienstag, 26. Oktober, um 18 Uhr im Congress Centrum Stadtgarten. Es gilt die 3G-Regel.

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