Schönblick auf Wohnungssuche

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Der Schönblick hat nach dem Kriegsbeginn behinderte Ukrainerinnen und Ukrainer aufgenommen. Nun ist das Team um Direktor Martin Scheuermann auf Wohnungssuche.

Zwischen Hoffen und Bangen, zwischen Ruhe und Aufgewühlt sein: Seit neun Monaten leben rund 50 aus der Ukraine Geflüchtete auf dem Schönblick.

Schwäbisch Gmünd

Ende Februar brach in der Ukraine der Krieg aus, startete Russland seinen Angriff mit rund 150 000 Soldaten auf das Nachbarland. Nur wenige Stunden später setzte sich die erste Flüchtlingswelle in Bewegung. So trafen am 2. März zunächst rund 35 Ukrainerinnen und Ukrainer auf dem Schwäbisch Gmünder Schönblick ein. Später erhöhte sich die Zahl auf 50. Seit neun Monaten leben sie nun im christlichen Gästezentrum. Und trotz aller Willkommenskultur in unserem Land stehen sie alle vor einer ungewissen Zukunft.

Auf dem Schönblick, das machte Direktor Martin Scheuermann sofort klar, waren und sind die Geflüchteten willkommen: „Wir haben damals gar nicht lange überlegen müssen. Als Christen sind wir doch verpflichtet zu helfen.“ Und so verhallte der Hilferuf nicht und die Kleinbusse aus dem Pflegezentrum „Agape“ nahe Lwiw konnten sich auf den Weg machen.

Für den Leiter der großen Gruppe und Inhaber von „Agape“, Serhij Bolchuk, war es ein Geschenk Gottes, dass unter seiner Führung die zum Großteil schwerbehinderten Ukrainer evakuiert werden konnten. „Als wir erfuhren, es geht auf den Schönblick, waren wir unendlich dankbar“, sagt er bis heute. Er hatte die große christliche Einrichtung bereits Jahre zuvor bei einem Seminar kennengelernt.

Nun aber sind neun Monate vergangen. Und trotz aller Geborgenheit sind die Sorgen bei vielen der Geflüchteten genau so groß wie zu Beginn ihres weiten Weges nach Deutschland. Im Gespräch betonen viele von ihnen, dass sie hin- und hergerissen sind. Schließlich darf niemand vergessen: Trotz der Aufnahme in den Zimmern des Schönblicks, der Verpflegung, der Möglichkeit für die Kinder, Schulen und Kindergärten zu besuchen, mussten sie allesamt ihre geliebte Heimat verlassen. Die Sehnsucht danach, das steht den meisten ins Gesicht geschrieben, ist riesig. Doch solange der Krieg tobt, scheint eine Rückkehr nahezu unmöglich.

Denn die Bombenangriffe, die zuletzt verstärkt die Zivilbevölkerung und die zivile Infrastruktur trafen, waren der Grund, die Menschen mit Behinderung aus dem Land zu bringen. „In den Wohnungen, in den Räumen hätten sie keinerlei Chance gehabt, sich in Sicherheit zu bringen. Das ist nicht zu vergleichen mit Menschen, die nicht an den Rollstuhl gefesselt oder die nicht auf die Hilfe anderer in ihrem Alltag angewiesen sind“, sagt Serhij Bolchuk. Seine Frau ist seit einem Autounfall querschnittsgelähmt.

Wie es nun weitergeht, ist eine Einzelfallentscheidung. Auf alle Fälle sind viele der Ukrainer inzwischen auf Wohnungssuche, da ein Leben auf viele Jahre hinaus auf dem Schönblick so nicht möglich sein wird. So betont Martin Scheuermann, dass „die Kapazitäten bei uns leider erschöpft sind. Wir müssen gemeinsam mit dem Landkreis und der Stadt eine Lösung finden für all diese lieben Menschen.“

Er betont, wie sehr die Geflüchteten und der Schönblick aneinandergewachsen sind. „Das sieht man jeden Tag hier wieder. Und dennoch sind wir gezwungen, Wohnungen zu finden. Das ist alles andere als einfach, da viele natürlich auch barrierefrei sein müssen für die Rollstuhlfahrer.“ Die Hotelzimmer im Gästezentrum sind für viele Veranstaltungen auf ein Jahr hinaus im Vorhinein ausgebucht – im Vergleich zu den Einnahmen aus dem Hotelbetrieb gehen dem Schönblick durch die nicht zur Verfügung stehenden Zimmer rund 90 000 Euro im Monat verloren. „Das halten wir nicht auf Dauer durch“, so Scheuermann.

Einige der Ukrainer sind auch schon selbst tätig geworden und lassen nicht locker in ihrer Suche nach einem eigenen (vorübergehenden) Heim in Deutschland und in Europa. So konnte sich eine der Familien sogar schon ein eigenes Auto, einen VW Bus, der hier verschrottet hätte werden sollen, für sich reparieren und sich damit Mobilität verschaffen.

Voller Tatendrang ist auch Serhij Bolchuk, der vom ersten Tag an betonte, auf dem Schönblick zu lernen für die Zeit nach dem Krieg. „Dadurch dass wir hier diese Geborgenheit und Unterstützung auf dem Schönblick erfahren und hier in Ruhe leben dürfen, konnten wir tatsächlich von hier aus in der Ukraine aktiv werden – und an der Agape weiterbauen“, sagt er. So entsteht derzeit dort ein Bunker, der den Bewohnern Schutz bieten soll und wird, sollte es vor Ort weitere Angriffe geben. Immer im Blick also: die Rückkehr ins eigene Land nach der Vertreibung des russischen Aggressors.  

Für die ukrainischen Geflüchteten sucht der Schönblick dringend Wohnraum – sowohl behindertengerecht als auch für Familien mit kleinen Kindern. Sollten Sie eine Wohnung in der Region vermieten wollen, so bittet der Schönblick um Kontaktaufnahme unter gerhard.schwemmle@schoenblick.de 

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