Schönblick: Die Helfer spüren eine große Dankbarkeit

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Steffen Leistner und Martin Klaiber holen Menschen aus der Ukraine

Steffen Leistner, leitender Hausmeister des Schönblicks, und Architekt Martin Klaiber fuhren in die Ukraine und brachten viele Menschen in Sicherheit.

Schwäbisch Gmünd

Schon am Montag der vergangenen Woche dachte sich Steffen Leistner: „Mensch, Du hast doch Urlaub. Fahr doch in die Ukraine und hol dort Menschen raus.“

Was zunächst nur ein Gedanke war, wurde für den Leiter der Haumeisterabteilung des Schwäbisch Gmünder Schönblicks am Donnerstag letzter Woche Realität. Mit einem Kleinbus des Autohauses Baur in Mutlangen machte er sich auf den Weg, um Menschen mit Behinderung in Sicherheit zu bringen. Und wurde dabei ebenso spontan von Architekt Martin Klaiber unterstützt. Die beiden halbierten sich die rund 3400 Kilometer – und kehrten am Sonntagnachmittag wohl behalten nach Schwäbisch Gmünd zurück. In ihrem Fahrzeug: glückliche Gesichter der Geflüchteten aus dem Kriegsgebiet.

Steffen Leistner erzählt: „Natürlich hatte ich einen gewissen Respekt vor dieser großen Entfernung. Aber ich fahre gerne und so war es dann schließlich doch kein Problem.“

Die erste Nacht seien sie beide durchgefahren, schließlich stand der Zeitpunkt fest, an dem sie die Ukrainer in Empfang nehmen sollten. „Wir sind rund fünf Kilometer hinein in die Ukraine gefahren – die Grenzkontrollen waren irgendwie schon merkwürdig. Jedoch gab es schließlich weder in die eine, noch in die andere Richtung für uns größere Probleme“, so Martin Klaiber. Dennoch sei es schon ein gutes Gefühl gewesen, mit den Menschen mit Behinderung schließlich wieder auf dem Boden der EU in Polen zu sein. Auch die männlichen Betreuer der Menschen mit Behinderung hätten die Grenze passieren können – ohne sie wäre der Transport unmöglich gewesen. Trotzdem waren die Sorgen groß, denn Männer im kriegsdienstfähigen Alter dürfen momentan die Ukraine nicht verlassen.

Steffen Leistner sagt zur Situation vor Ort: „Am äußersten Zipfel der Ukraine, also an der Grenze zu Polen, geht es, so kann ich es beschreiben, noch relativ ruhig zu. Dort war zu der Zeit, in der wir dort waren, nichts von kriegerischen Auseinandersetzungen zu spüren.“

Leben in Hochhäusern

Das Hauptanliegen sei gewesen, diese gehandikapten Menschen in Sicherheit zu bringen. Die meisten von denen, die jetzt den Schönblick erreicht haben, leben in Hochhäusern, sind aber selbst nicht in der Lage, schnell in einem Bunker oder auch nur im Keller Schutz zu finden, wenn Angriffe erfolgen sollten. Daher habe auch der Schönblick so schnell reagiert und diese Menschen nach Deutschland gebracht.

Direktor Martin Scheuermann: „Ich ziehe den Hut vor einem solchen Einsatz und Engagement, wie ihn Steffen Leistner und Martin Klaiber gezeigt haben. Das ist wahrer Heldenmut in diesen schwierigen Zeiten. Dass sie alle, auch die anderen Fahrer der anderen Busse, sicher in Schwäbisch Gmünd angekommen sind, ist ein Geschenk Gottes.“

Natürlich waren Leistner und Klaiber am Sonntag vor allem eines: müde! „Wir sind froh, dass wir jetzt nicht weiter bis nach Bad Bellingen und wieder zurückfahren müssen. Das wären nochmals sechs, sieben Stunden gewesen.“

Die Gruppe der Ukrainer, die am Sonntag auf dem Schönblick ankamen, fahren am Dienstag weiter nach Baden und finden dort durch das Engagement von Marion Koch (Mutter von Samuel Koch, der einst bei der Fernsehshow „Wetten dass…?“ durch einen schweren Unfall eine Querschnittlähmung erlitt) eine sichere Unterkunft. So wie sie bereits am Mittwochabend 34 Ukrainer auf dem Schönblick gefunden haben.

Diese Gruppe wird dauerhaft im christlichen Gästezentrum bleiben – die Dankbarkeit darüber ist unbeschreiblich groß: „Das spüren wir in jeder Sekunde, seit sie bei uns sind“, sagt Martin Scheuermann. Es sie die einzig richtige Entscheidung gewesen. Und so sehen Steffen Leistner und Martin Klaiber auch ihr mutiges Engagement, direkt ins Kriegsland zu fahren und Menschen zu retten. „In solchen Zeiten ist es schön zu erleben, wie die Gesellschaft hier zusammenrückt.“

Spenden: Der Schönblick bittet um Spenden für die dort untergebrachten aus der Ukraine Geflüchteten Ein Spendenformular gibt es auf der Website der Einrichtung unter www.schoenblick.de/spenden. Spendenstichwort: „Flüchtlinge Ukraine“

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