Schrauben wie die Queen

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Ege Kodi (links) lässt sich von der Tamara Müller erklären, wie er die Blütenblätter einer Metallrose richtig biegen muss.

Beim Berufsfindungstag an der Gewerblichen Schule Schwäbisch Gmünd probieren sich 280 Kinder an 15 Handwerksberufen aus.

Schwäbisch Gmünd

Aus der Werkstatt schallt lautes Klopfen und Zischen. Eine Traube Schüler drängelt sich an den Werkbänken. Der 12 Jahre alte Ege Kodi biegt mit einer Zange vorsichtig die Blütenblätter einer Rose zurecht. Die Rose ist aus Metall und klemmt in einem Schraubstock. Nebenan klopft ein anderer Schüler Muster auf Metall-Blätter. Am Donnerstag ist Berufsfindungstag in den Gewerblichen Schulen Schwäbisch Gmünd. Ege ist einer von 280 Kindern aus lokalen Schulen, die sich an diesem Tag an 15 verschiedenen Handwerksberufen ausprobieren dürfen.

Biegen und schweißen

"Das ist ganz schön schwer", sagt Ege als er mit der Zange an den Rosenblättern herumbiegt. "Da braucht man schon Kraft." Der Schüler aus der 7. Klasse der Schlossgartenschule Alfdorf hat sich für die Werkstatt der Metallbauer entschieden. Sein Vater arbeite in seiner Firma auch viel mit Metall, sagt er. "Das sieht aber ein bisschen komisch aus, das musst du runterbiegen", kommentiert Tamara Müller, Auszubildende von Fürst Stahl- und Metallbau. Sie nimmt die Zange in die Hand und zeigt Ege, wie er die Blätter zu einer offenen Blüte formen kann. Danach geht Ege zu Meister Klaus Fürst. Der schweißt den Stiel an den Ring aus Blütenblättern. Weil dabei viele Funken sprühen, tut er das in einer abgetrennten Kabine mit Vorhang.

"Am Anfang trauen sich die Schüler nicht", erläutert der Inhaber der Metallbaufirma aus Essingen. "Am Ende wollen sie nicht aufhören und immer weiter rumbiegen." Kurz zuvor hat Fürst den rund 15 Schülern erklärt, was er in seiner Firma herstellt: Geländer, Gerüste und Stahlträger zum Beispiel. In den Werkstätten zeigen Meister und Azubis ihr Handwerk den Schülern. Ege macht es großen Spaß. "Ich hätte nicht gedacht, dass wir eine Rose basteln", ist er positiv überrascht.

Schießen mit Farbe

Jeder Schüler sucht sich in der rund dreistündigen Veranstaltung zwei Werkstätten aus. Nach der Metall-Werkstatt geht Ege zu der Lackiererei. Dort sieht er dem Schüler Nick Seitz beim Schießen mit der Lackierpistole zu. Der 13-Jährige von der Mozartschule Hussenhofen hat eine Schablone auf ein Blatt geklebt. Nach dem Farbbeschuss zieht Nick die Schablone ab und auf dem Blatt bleibt das Bild eines Bären zurück.

"Ich habe Autolackierer im Fernsehen gesehen und es hat mich angemacht", sagt er. Nick und Ege sind sehr zufrieden mit dem Berufsfindungstag. "Es war richtig toll", sagt Ege. Selbst die Präsentation zu Beginn der Veranstaltung. "Auch wenn das Publikum dort etwas laut war". Bei der einstündigen Präsentation stellten Vertreter der Handwerkskammer Ulm die Berufe kurz vor. Martin Pietschmann, Berufsberater der Handwerkskammer, ließ die Schüler zur Auflockerung raten, welche Stars und Prominente wohl welche Ausbildung haben. Die britische Queen Elisabeth II. ist ausgebildete Kfz-Mechanikerin und Fußballer Bastian Schweinsteiger schloss eine Lehre zum Bürokaufmann ab.

"Wir wollen den Schülern vermitteln, dass Handwerk spannend und interessant sein kann– nicht nur anstrengend und dreckig", erläutert Schulleiterin Sabine Fath.

In der Werkstatt der Elektrotechnik schrauben die Schüler der achten und neunten Klassen Stromschaltungen zusammen. Jeder Schüler konnte zwei Lehrwerkstätten von 15 möglichen Handwerksberufen ausprobieren.

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