Schulbauernhof: Landleben mitten in der Stadt

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Marion Schwab (l.) zeigt den Kindern, wie sie am besten mit den Tieren umgehen und welche Pflege sie brauchen. Dazu gehören zum Beispiel Striegeln, Ausmisten oder Füttern.
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Seit diesem Schuljahr gibt es an der Rauchbeinschule einen Schulbauernhof. Was die Kinder erleben und wie sie von dem Projekt profitieren.

Schwäbisch Gmünd

Große Aufregung herrscht bei mehr als einem Dutzend Erstklässler. In der sogenannten Schmutzschleuse, die eigentlich eine Umkleidekabine ist, ziehen sie sich um. Denn gleich geht es für die Schülerinnen und Schüler der Rauchbeinschule ans Ende des Pausenhofs, zum Schulbauernhof. Gewappnet mit Matschhose und Gummistiefeln, freuen sie sich sichtlich auf die Tiere, die dort ein Zuhause gefunden haben.

Entstanden ist die Idee im Rahmen des Projekts Bildungschancen 2030 der Stadt. "Wir wollen aktiv bei der Gestaltung der Bildungslandschaft mitwirken", sagt Klaus Arnholdt, Leiter des Amtes Bildung und Sport, der heute ebenfalls den Bauernhof besucht. Insgesamt 140 000 Euro ließ sich die Stadt das Projekt kosten. Es soll unter anderem das Profil der Schule stärken, aber auch andere Einrichtungen können den Hof besuchen und davon profitieren.

Ulrike Müller, kommissarische Schulleiterin, ist dankbar für die Möglichkeit: "Hier sollen die Kinder etwas fürs Leben mitnehmen können", betont sie.

Wenn es für die Kleinen zum Schulbauernhof geht, herrscht Aufregung und Begeisterung. Aber sobald sie eines der Hühner auf den Arm nehmen oder ein Schaf striegeln, werden sie ganz behutsam. Wird es doch zu hektisch, macht Mitarbeiterin Marion Schwab die Kinder darauf aufmerksam.

Für Schwab hat die Stadt eine extra Stelle geschaffen. Sie hat sowohl mit der Landwirtschaft als auch mit der Schule schon Erfahrung – ihre Kinder besuchten ebenfalls die Rauchbeinschule.

Gemeinsam mit den Kindern mistet sie den Stall aus oder stellt den Tieren Futter und Wasser zur Verfügung. "Aber wir gehen auch zum Beispiel mit den Ziegen spazieren", sagt sie.

Zwei Schafe, zwei Zwergziegen, drei Hühner und vier Hasen leben auf dem Hof. "Die Schafe sind Muttertiere", erläutert Schwab. "Mittlerweile war ein Bock da, im Februar werden wir sehen, was dabei rauskommt."

Hier sollen die Kinder etwas fürs Leben mitnehmen können.

Ulrike Müller, Kommissarische Schulleiterin.

Spaß und Verantwortung

Das Ziel: Die Kinder sollen die Möglichkeit haben, die kleinen Lämmer zu begleiten – von der Geburt an, bis hin zur Schlachtung. "Das soll zeigen, dass Tiere nicht nur Spaß bedeuten, sondern auch Verantwortung", erläutert Müller.

Um die Tiere kümmern sich die Grundschüler nicht nur nachmittags. Jeden Morgen ist eine Klasse für die Pflege der Tiere und des Hofs zuständig. Am Wochenende helfen Lehrer, Eltern oder andere Freiwillige aus. Der Kalender, in dem die Helfer sich eintragen, ist voll. "Ich bin begeistert von dem Engagement", sagt Müller.

Was den Verantwortlichen wichtig ist: Jedes Kind hat Gelegenheit, die Tiere mindestens einmal pro Woche zu besuchen. Das ist aber keine Pflicht. "Wenn ein Kind Angst hat, muss es nicht kommen", betont Müller.

Lehrerin Stefanie Strobel, die das Projekt begleitet, berichtet allerdings, dass die Begegnung mit den Tieren hilft: "Viele Kinder, die anfangs Angst hatten, sind jetzt mit dabei im Stall." Nachdem sie mit ihrer Klasse auf dem Schulbauernhof war, seien ihre Schüler zudem ausgeglichener. Und: "Die Tiere merken, wenn es einem Kind nicht gut geht, und gehen darauf zu", sagt Strobel und schmunzelt. Besonders Schafsdame Lotta sei darin begabt.

Ein bisschen wehmütig ist Müller, so sagt sie, wenn sie an ihren kommenden Ruhestand denkt. "Aber ich werde sicher einen Wochenenddienst übernehmen."

Marion Schwab (l.) zeigt den Kindern, wie sie am besten mit den Tieren umgehen und welche Pflege sie brauchen. Dazu gehören zum Beispiel Striegeln, Ausmisten oder Füttern.

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