Schutz vor Starkregen wird Mammutaufgabe für Gmünd

+
Was tun bei Starkregen? Die Stadtverwaltung nannte nun besonders kritische Punkte im Stadtgebiet und schlug erste Maßnahmen vor. Ein Unglück wie 2016, als der Starkregen zwei Menschenleben forderte, soll nicht wieder geschehen.
  • schließen

Sieben Bereiche im Stadtgebiet als besonders kritisch erkannt. OB Arnold fordert das Land zur Unterstützung auf.

Schwäbisch Gmünd

Gmünd ist durch Starkregen in großem Maße gefährdet. Die Verwaltung hat auch die ersten Maßnehmen zur Vorsorge schon in die Wege geleitet und möchte dabei mit den Nachbargemeinden zusammenarbeiten. Aber allein könnten die Städte und Gemeinden diese Aufgabe nicht stemmen, das Land müsse dabei unterstützen. Diese Forderung stellte Oberbürgermeister Richard Arnold auf, als am Mittwoch der Verwaltungsausschuss des Gemeinderats umfassend über das Thema Starkregen informiert wurde.

Die Firma BGS Wasser aus Darmstadt hat nach dem tragischen Starkregen 2016 eine Gefährdungsanalyse für die Stadt erstellt. BGS-Geschäftsführer Dr.-Ing. Stefan Wallisch stellte die Untersuchungen und ihre Ergebnisse vor. Als besondere Gefahrenpunkte bei Starkregen nannte er die Straßenunterführungen unter der Bahnlinie. Dort könne das Wasser über einen Meter hoch stehen. Dann seien die nördlichen Gebiete von der Kernstadt abgeschnitten. Als Gefahr müsse man neben dem Wasserstand aber auch die Fließgeschwindigkeit nennen. Auf der Taubentalstraße zum Beispiel fließe das Wasser bei einem Starkregen mit mehr als einem Meter pro Sekunde. „Da kann niemand mehr stehen“, erklärte Wallisch. Viele Stellen des Stadtgebiets seien bei Starkregen außerdem durch Rutschungen bedroht. Die BGS machte auch erste Verbesserungsvorschläge, zum Beispiel ein Rückhaltebecken am Becherlehenbach.

Tiefbauamtsleiter Jürgen Musch führte sieben Bereiche im Stadtgebiet auf, die bei Starkregen besonders kritisch seien:

Im Taubental werden die Abläufe rasch überschwemmt. Dort hat die Stadtverwaltung als Abhilfe bereits einen Damm geplant, der viel Wasser zurückhalten soll. Das löse das Problem nicht, aber es bringe der Feuerwehr eine Stunde mehr Reaktionszeit in diesem Bereich.

Im Becherlehenbach sollen ein Rechen und ein Pegel eingebaut werden.

Am Josefsbach wurde die Situation schon durch die Höherlegung entspannt.

Im Schießtal floss auch in diesem Jahr wieder bei einem Starkregen das Wasser von den Hängen herunter zusammen, durch das Bosch-Gelände und überschwemmte die Anlage des Tennisvereins. Dort hat die Stadt vorgeschlagen, Schutzdämme am Bach und mobile Hochwasserschutzwände zu bauen sowie das Gefälle des Geländes vor dem Vereinsheim zu verändern. Bei der Umgestaltung des Schießtalsees soll dessen Stauvolumen deutlich erhöht werden. Zudem, ergänzte OB Richard Arnold, prüfe Bosch Maßnahmen auf ihrem Gelände.

Am Schirenbach soll ein Pegel eingebaut werden. Außerdem würden Anwohner aufgefordert, kein Schnittgut in der Nähe des Bachs abzulagern.

An der Rems sollte östlich von Gmünd eine Rückhaltefläche geschaffen werden. Bereits ausgeführt sei eine kleinere Maßnahme bei Zimmern. Deren Nutzen, wandte Ortsvorsteher Josef Heissenberger ein, werde jedoch von vielen Bürgern angezweifelt. Darüber soll im Ortschaftsrat diskutiert werden.

Zudem so Jürgen Musch, ist die Stadtverwaltung dabei, die Notfallpläne zu überarbeiten. Die Feuerwehr beschaffe zwei mobile Warnanlagen. Der größte Teil des Trinkwassers, so Musch, sei bei einer Überflutung nicht durch Verschmutzung bedroht, das betreffe nur Eigenwasser. In Weiler werde deshalb demnächst eine Filteranlage installiert. Die Stadt sei auch dafür ausgerüstet, Trinkwasser zu chloren.

Der Leiter des Ordnungsamts, Gerd Hägele, sagte, dass die Verwaltung daran arbeite, das Netz der Warnsirenen im Stadtgebiet wieder aufzubauen. Ein Grobkonzept mit etwa 30 Anlagen stehe bereits, die Finanzierung allerdings noch nicht. Jede Sirene koste zwischen 10 000 und 15 000 Euro.

  • Gegen Starkregen und Waldbrände
  • Jeder Bürger kann sich im Geo-Informationssystem auf der städtischen Homepage informieren, ob und wie sein Grundstück oder Gebäude durch Starkregen bedroht ist. Auf Anfrage bekommt jeder interessierte Bürger bei der Stadtverwaltung auch ein Rückstauhandbuch mit praktischen Tipps, wie man sein Haus oder seine Wohnung schützen kann.
  • Neben dem Starkregen sieht Oberbürgermeister Richard Arnold noch eine andere Bedrohung: Große Gebiete des Gmünder Stadtgebiets seien durch Waldbrände bei Trockenheit gefährdet Auch bei der Vorbeugung vor dieser Gefahr rief er die Nachbargemeinden zur Zusammenarbeit auf.

Zurück zur Übersicht: Stadt Schwäbisch Gmünd

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL

Kommentare