Schwäbische Superhelden für die Menschen in der Ukraine

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Die "Eltern" der Gmünder Freedoms Legue, Stefan Sauter, Polina, Natascha Römer und Mark Wamsler
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Mit einer „Comic-Offensive“ startet die Gmünder Freedom League einen deutschlandweiten Hilfsfeldzug für die Ukraine.

Schwäbisch Gmünd

Manchmal gibt es Zufälle, die beinahe schon als Fügung zu betrachten sind. Und wenn diese Zufälle sinnvoll gebündelt und kanalisiert werden, kommen dabei die besten Ideen heraus. Mark Wamsler, Autor und Schauspieler, verdient seinen Lebensunterhalt als Lehrer in einer Sonderpädagogischen Schule. Auch bei seinen Schülern sorgt der Krieg in der Ukraine für Nachdenklichkeit. Während einer Unterrichtseinheit über den sinnvollen Umgang mit den Sozialen Medien kam bei den Schülern der Gedanke auf, ihr Lehrer könne doch als Illustrator einen Superhelden kreieren, der den Ukrainern hilfreich zur Seite stehe. Die Idee war geboren, nun musste sie nur noch umgesetzt werden.

Ein Heldenpaar ohne Name

Natascha Römer hat Kommunikationsdesign studiert und illustriert zahlreiche Comics und Magazine. Viel Überzeugungsarbeit zur Mithilfe bei einem Hilfsprojekt zugunsten der Ukraine brauchte Mark Wamsler bei ihr nicht leisten, denn Natascha Römers kürzlich verstorbener Mann stammte aus der Ukraine. „Wir haben engen Kontakt zu seiner Familie in Kiew“, sagt Römer, die seit einigen Tagen ihre Nichte Polina aus Kiew bei sich aufgenommen hat.

Mit unterschiedlichen „Handschriften“ schufen Natascha Römer und Mark Wamsler zwei Superhelden, die derzeit noch als Comander Rih und Captain Ukraine auf den Zeichenblöcken der zwei Künstler auf ihren Einsatz warten. Und der Einsatz des, durchaus unterschiedlichen, Heldenpaares wartet bereits auf vielfältige Weise. Aber zunächst sollen die beiden umbenannt werden. Dafür wollen Natascha Römer und Mark Wamsler Kinder und Jugendlichen in Schwäbisch Gmünd animieren. Im Zuge des 29. Kinderkinofestival (KiKiFe) sollen die Helden ihre neuen Namen erhalten – auf die jungen „Taufpaten“ wartet eine kleine Überraschung. Walter Deininger vom Kino Brazil und Gerd Klein von der Festivalleitung zeigten sich sofort zur Unterstützung bereit.

Doch wie kann man die Superhelden hilfreich auf die Reise schicken? Die Antwort dafür kam von Stefan Sauter vom Textilveredler S-Folierung. Er bedruckt und veredelt alle Materialien und Gegenstände. Seine Idee: Das Logo der Superhelden kann auf jegliche Alltagsgegenstände und Kleidungsstücke aufgebracht werden – „egal auf welches Material und egal in welchen Mengen“, sagt Stefan Sauter, der für seine Unterstützung im Dienst der guten Sache natürlich kostenlos für Natascha Römer und Mark Wamsler arbeiten werde. „So wird der Reinerlös noch größer“, freuen sich die Comic-Zeichner.

Und weil Mark Wamsler auch in der deutschen Filmindustrie einige Freundschaften geschlossen hat, gibt's all das deutschlandweit. Denn Schauspieler und Wolverine-Double Jan Schick ist zeitgleich Geschäftsführer der Edel & Schick Boutiquen und hat sich spontan dazu bereiterklärt, Kleidungsstücke mit den Gmünder Superhelden deutschlandweit zu verkaufen.

Pizza soll helfen

Weitere Unterstützung kommt von Franco und Fabio Clementelli vom „Adler“ in Weiler. Ukrainische Pizzen – nach dem Originalrezept von Polina – sollen dort auf die Speisekarte kommen. Das Besondere: Selbstabholer erhalten einen Superhelden-Pizzakarton, „der vielleicht einmal Sammlerwert hat“, sagt Mark Wamsler.

Doch wer soll die so generierten Spenden eigentlich erhalten? Auch hier hat Natascha Römer eine Antwort: an Alexander Harder, den Gründer des Hilfsvereins „Humanitas“. Denn alle Gelder die an Humanitas fließen, werden zu 100 Prozent für den jeweiligen Zweck eingesetzt, versichert die Illustratorin. Jetzt fehlt eigentlich nur noch ein Name für die Gmünder Hilfsorganisation. Die Idee: „GFL – Gmünder Freedom League“ erklären Natascha Römer, Stefan Sauter und Mark Wamsler einstimmig.

Superhelden-Accessoires wie bedruckte Kleidung oder Tassen können über die Sozialen Medienseiten von Natascha Römer und Mark Wamsler bestellt werden. Und im Gasthaus Adler gibt's ab sofort die Ukraine-Pizza.

Ein Buch, das „leider aktuell wie nie“ ist

Mark Wamsler hat die Erzählungen von Schülern, die ebenfalls aus ihrer Heimat Syrien flüchten mussten, aufgegriffen und in einem neuen Roman verarbeitet. Die schrecklichen Erlebnisse der jungen Menschen wurden in eine Fabel verpackt. Protagonist der Geschichte ist eine als aggressiv verschrieene afrikanische Biene Zari, die wegen Kriegswirren aus ihrem Land flüchten muss. In einem ihr fremden Land stößt sie bei den Tieren erst auf Abneigung, Ablehnung und Vorurteilen. „Das Buch ist leider aktuell wie nie, und ich freue mich, dass der Einhorn-Verlag sich dieser Geschichte angenommen hat“, meint Autor Mark Wamsler. „Zari und der Göttertau“, so lautet derzeit der Arbeitstitel, wird nächstes Jahr im Frühjahr erscheinen. Eine erste Leseprobe aus dem neuen Roman wird Mark Wamsler am 20. Mai auf der Remsbühne im Zuge einer Lesung vorstellen. aro

Comander Rih und Captain Ukraine warten auf ihren Einsatz

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